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Arbeitswelt: Angst vor Jobverlust macht krank

Ausgabe 02/2015

Wer mit seiner Arbeit unzufrieden ist, wird häufiger krank. Besonders gefährdet sind Beschäftigte, die fürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wirkt sich stark auf die Gesundheit aus. Je schwieriger das Arbeitsumfeld, desto größer die Belastung. Das hat der Ökonom Jan Kleibrink in einer Analyse herausgefunden. „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind unsichere Anstellungsverhältnisse zunehmend verbreitet, speziell zu Beginn der Karriere“, schreibt Kleibrink. „Das hat ernste Konsequenzen für die Gesundheit.“

Die Zahl der atypischen Arbeitsverhältnisse ist in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen. Dazu zählen Teilzeitarbeit, befristete Beschäftigung, Leiharbeit oder geringfügige Beschäftigung. Viele Arbeitnehmer, die unter solchen Bedingungen arbeiten, wissen nicht, ob sie ihren Job auch in Zukunft behalten. Andere wiederum leiden darunter, dass sie mehr arbeiten müssen, als sie möchten.

Um zu ermitteln, wie sich diese Faktoren auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken, hat der Wissenschaftler Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) im Zeitraum von 1993 bis 2012 ausgewertet. Das SOEP zählt zu den größten sozialwissenschaftlichen Erhebungen in Deutschland. Grundlage ist eine Umfrage unter mehr als 11.000 Privathaushalten, die jedes Jahr wiederholt wird. Die Befragten geben unter anderem an, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeitsstelle sind, wie viele Stunden sie arbeiten, aber auch wie sie ihr Wohlbefinden einschätzen.

In mehreren Schritten weist Kleibrink in seiner Analyse nach, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit am Arbeitsplatz und der Gesundheit gibt. Die Beschäftigten, die unzufrieden seien, litten häufiger unter psychischen Erkrankungen, schreibt der Ökonom. Aber auch körperliche Schäden könnten in der Folge auftreten. Besonders gefährdet sind demnach Beschäftigte, die sich um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes sorgen. Anders ausgedrückt: Ein unsicherer Arbeitsplatz schadet der Gesundheit.

Die Menge an Arbeit kann ebenfalls eine Rolle spielen. Entscheidend ist dabei aber nicht die absolute Zahl der Arbeitsstunden, sondern das individuelle Empfinden. Nicht wer viel arbeitet, wird eher krank, sondern wer mehr arbeiten muss, als er möchte. Keine messbaren Auswirkungen auf die Gesundheit hat es dagegen, ob ein Arbeitnehmer über- oder unterqualifiziert für seinen Job ist.

Sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber sollten die Ergebnisse ernst nehmen, empfiehlt Kleibrink. Ein Arbeitnehmer sollte sich nicht einfach mit problematischen Arbeitsbedingungen abfinden, da er sich ansonsten gesundheitlichen Risiken aussetzt. Der Arbeitgeber wiederum sollte ein Interesse an der Gesundheit seiner Angestellten haben, da andernfalls auch die Produktivität in seinem Betrieb leidet.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sei das Thema von großer Bedeutung, erklärt der Wissenschaftler. Durch schlechte Arbeitsbedingungen entstünden Kosten, die das Gesundheitssystem und die Sozialkassen zusätzlich belasten.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verursachten psychische Leiden insgesamt 53 Millionen Krankheitstage im Jahr 2012. Außerdem müssen Arbeitnehmer in Deutschland immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen ihren Job aufgeben. Fast jede zweite neue Frührente ist inzwischen darauf zurückzuführen. „Es lohnt sich, in gute Arbeitsbedingungen zu investieren“, sagt Kleibrink. Er schlägt beispielsweise vor, die Zahl befristeter Arbeitsverträge zu reduzieren und stattdessen mehr unbefristete Verträge anzubieten.

  • Ältere fühlen sich weniger belastet
    Rund 50 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben an, dass die Arbeit ihre Gesundheit negativ beeinflusst. Bei den Älteren fällt dieser Anteil geringer aus. Grafik herunterladen
  • Männer leiden mehr
    Fast die Hälfte der Beschäftigten klagt über gesundheitliche Belastungen durch Arbeit - Männer etwas mehr als Frauen. Grafik herunterladen

Quelle

Jan Kleibrink: Sick of your Job? – Negative Health Effects from Non-Optimal Employment, SOEPpaper 718, Oktober 2014

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