Böckler Impuls Ausgabe 15/2014

Verteilung

Besserverdiener bauen ihre Stellung aus

Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens bezieht. Reich ist, wer mindestens das Doppelte des Mittelwerts zum Leben hat.

Dies ist die gängige wissenschaftliche Definition. Das Irritierende daran: Gemessen an den Einkommen von Konzernvorständen oder Investmentbankern scheint die Grenze recht niedrig gezogen zu sein. Doch von einer „gehobenen Lebenslage, mit der zahlreiche privilegierte Lebensbedingungen verbunden sind“, lasse sich bereits bei Personen sprechen, die jeden Monat doppelt so viel ausgeben können wie Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, sagt WSI-Forscherin Dorothee Spannagel. Reich ist ein Alleinstehender demnach, wenn er – nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, in Preisen von 2005 – knapp 36.000 Euro im Jahr zur Verfügung hat. Als sehr reich gelten diejenigen, die dreimal so viel wie üblich haben, knapp 54.000 Euro.

Anhand des Sozio-oekonomischen Panels, einer groß angelegten jährlichen Haushaltsbefragung, haben Spannagel und Sven Broschinski von der Universität Oldenburg untersucht, wie sich der Reichtum in Deutschland entwickelt hat. Ihr Ergebnis: Der Anteil der Reichen und sehr Reichen an der Bevölkerung ist seit Beginn der 1990er-Jahre deutlich gestiegen. Zudem seien die Reichen nicht nur mehr, sondern auch reicher geworden. Im Gegensatz zur mittleren und unteren Einkommensschicht verzeichneten sie substanzielle Einkommenszuwächse. Auch die Wirtschafts- und Finanzkrise habe weder die Zahl der Reichen noch deren Einkommenshöhe „nachhaltig verringert“, so die Wissenschaftler. Gleichzeitig habe sich die Einkommensverteilung gerade am oberen Rand „merklich verfestigt“. Das heißt: „Wer einmal reich oder sehr reich ist, muss immer weniger fürchten, in die Mitte der Gesellschaft abzusteigen.“

Artikel als PDF downloaden


Quellen

Dr. Dorothee Spannagel, Sven Broschinski: Reichtum in Deutschland wächst weiter (pdf), WSI-Report 17, Sept. 2014


zum Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe
zurück

X

Hinweis zur Nutzung von Cookies auf dieser Website

Diese Website benutzt Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Die Nutzung der Cookies können Sie in Ihren Browser-Einstellungen ändern. Wir benutzen außerdem Tracking-Cookies der Tracking-Tools Matomo und Webtrekk. Diese werden nur gesetzt, wenn Sie auf den „Einverstanden“-Button klicken. Solange Sie dies nicht tun, nutzen Sie die Website und Ihre Angebote, ohne dass die genannten Tracking-Tools aktiviert werden. Durch die Betätigung des Einverstanden-Buttons willigen Sie auch in das durch Facebook Insights getätigte Tracking auf der Facebook Fanpage der Hans-Böckler-Stiftung ein. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Einverstanden