Böckler Impuls Ausgabe 14/2014

Arbeitsmarkt

Atypisch ist fast normal

Minijobs und Co. bleiben weit verbreitet: Fast jeder zweite Job ist kein Normalarbeitsverhältnis.

Das zeigen aktuelle Auswertungen des WSI, die über die Datenbank „Atypische Beschäftigung“ online abrufbar sind. Deutschlandweit waren im Jahr 2013 demnach 43,3 Prozent aller Arbeitsverhältnisse Minijobs, Teilzeitstellen oder Leiharbeit. Eigentlich, so WSI-Experte Toralf Pusch, wäre angesichts der vergleichsweise guten Arbeitsmarktentwicklung in den letzten Jahren ein verringerter Druck zur Aufnahme solcher Beschäftigungsformen zu erwarten gewesen.

Stattdessen zeigen die Berechnungen des WSI, dass die Leiharbeit mit einem Anteil von 2 Prozent der sozialversicherungspflichtigen und geringfügigen Beschäftigung annähernd auf dem Stand des Vorkrisenjahrs 2007 verharrt. Der Anteil der Minijobs hat im Vergleich zu 2007 sogar leicht zugelegt: um 0,6 auf 21,1 Prozent aller Arbeitsverhältnisse. Dazu dürften vor allem Neben-Minijobs beigetragen haben, deren Zahl seit 2007 um über 650.000 zugenommen hat, erläutert Pusch. Bei der Teilzeit zeigt die Statistik für die Jahre 2007 bis 2011 ebenfalls Zuwächse. Nach Umstellung der Meldestatistik der Bundesagentur für Arbeit betrug die Teilzeitquote im vergangenen Jahr 20,2 Prozent. Wie auch Minijobs würden Teilzeitbeschäftigungen vor allem von Frauen ausgeübt, konstatiert der Forscher.

Die WSI-Datenbank liefert Informationen für jede Stadt und jeden Kreis. Bundesweit am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung mit 58,8 und 57,2 Prozent in Delmenhorst und Landshut, also im Westen der Republik. Dort sei atypische Beschäftigung bei Frauen vor allem im ländlichen Raum sehr weit verbreitet, so der Arbeitsmarktexperte. Insgesamt wiesen daher auch westdeutsche Flächenländer die höchsten Quoten auf: Schleswig-Holstein liegt mit 47,3 Prozent vorn, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 46,5 und Niedersachsen mit 46 Prozent. Im Osten liegen die Werte deutlich darunter, was laut Pusch mit anderen Erwerbsmustern vor allem bei Frauen zusammenhängt. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen, wo allerdings immer noch knapp zwei Fünftel der Arbeitsverhältnisse betroffen sind.

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