Böckler Impuls Ausgabe 09/2017

Serie Ungleichheit

Ungleichheit: Wie lässt sich die Datenbasis verbessern?

Um Ungleichheit präziser zu erfassen, wären Änderungen im Steuerrecht hilfreich.

Empirische Grundlage dafür sind in Deutschland die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Das Problem: Bei Befragungen sind die Spitzenverdiener tendenziell unterrepräsentiert. Das führt dazu, dass das Ausmaß der Ungleichheit am oberen Ende der Verteilung unterschätzt wird – und damit auch die Einkommensungleichheit insgesamt.

Für präzisere Schätzungen eignen sich Auswertungen der amtlichen Einkommensteuerstatistik. Seit der Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 werden Kapitaleinkommen allerdings nicht mehr systematisch erfasst, die gerade für das Auskommen der Topverdiener äußerst bedeutsam sind. Die Rückkehr zur sogenannten synthetischen Einkommensbesteuerung, bei der für Kapitaleinkommen der persönliche Steuersatz gilt, würde auch hinsichtlich der Datenlage einen erheblichen Fortschritt darstellen.

Die Erfassung der Vermögensverteilung in Deutschland gestaltet sich ebenfalls schwierig. Da Vermögen typischerweise sehr viel ungleicher verteilt sind als Einkommen, wäre es umso wichtiger, große Besitztümer in die Berechnungen einzubeziehen. An Bevölkerungsumfragen nehmen superreiche Haushalte jedoch selten oder gar nicht teil. So besitzt der reichste Haushalt im SOEP netto, also nach Abzug von Schulden, „nur“ knapp 50 Millionen Euro. Multimillionäre und Milliardäre, auf die trotz ihrer relativ geringen Zahl sehr hohe Vermögenswerte entfallen, sind stark unterrepräsentiert. Eine weitere Hürde stellt die marktnahe Bewertung von Vermögensbeständen durch die Befragten dar. Die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer – die zwar Teil der Steuergesetzgebung ist, aber in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben wird – würde verlässliche Messungen deutlich erleichtern.

Quelle

Jan Behringer, Thomas Theobald, Till van Treeck: Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland (pdf), IMK-Report Nr. 99, Oktober 2014

Christian Westermeier, Markus Grabka: Große statistische Unsicherheit beim Anteil der Top-Vermögenden in Deutschland, DIW-Wochenbericht 7/2015 (pdf)