Projektbeschreibung
Kontext
Der Diskurs um Weiterbildung ist durch Bedeutungsvielfalt und Komplexität geprägt. Auf politischer Ebene kommt dem Prinzip des Lebenslangen Lernens (LLL) in aktuellen Transformationsprozessen sowie beschäftigungspolitisch als Strategie eine hohe Relevanz zu. Nicht zuletzt seit der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) wird vor allem die beruflich-betriebliche Weiterbildung als ein großer Teilbereich des LLL politisch intensiver diskutiert, aber auch neue Regelungen initiiert bzw. geplant. Dabei werden die Be-schäftigungs- und Wettbewerbsfähigkeit als Ziele ausgewiesen. Wie sich die Bevölkerung zu diesen Zielsetzungen jenseits von pauschaler, unverbindlicher Zustimmung zum Lebenslangen Lernen individuell positioniert und welche konkreten Weiterbildungsszenarien ansprechen oder nicht, wurde vor Projektbeginn jedoch kaum untersucht. Diese Forschungslücke hat das Projekt aufgegriffen und neue Erkenntnisse generiert.
Fragestellung
Das Projekt zielte auf die Beantwortung folgender/übergreifender Forschungsfragen:
Welche Präferenzen hinsichtlich der eigenen Weiterbildung existieren in der Bevölkerung Deutschlands? Wie sollte Weiterbildung (bildungspolitisch) gestaltet sein?
Vor dem Hintergrund der Mehrdimensionalität von Weiterbildungsbeteiligung sowie der engen Verflechtung individueller Dispositionen mit strukturellen Rahmenbedingungen erschien es unerlässlich, nicht nur auf das beobachtbare Teilnahmeverhalten, sondern auch auf subjektive Einstellungen, Informiertheit und Bedeutungszuschreibungen zu blicken.
Untersuchungsmethoden
Als Erhebungsmethodik wurde methodisch ein faktorieller Survey in Form einer sogenannten Vignettenstudie eingesetzt. Von den 3.122 Befragten wurden soziodemografische Merkmale (Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Berufsabschluss, Erwerbssituation, Regionalinformationen) sowie Informationen zur Weiterbildungsbeteiligung erfasst. Anschließend wurden verschiedene, konkrete Weiterbildungsszenarien (Vignetten) vorgelegt. Die Befragten wurden auf Basis der vorgegebenen Szenarien gebeten, zu beurteilen, ob sie selbst unter den gegebenen Bedingungen an einer Weiterbildung teilnehmen würden. Auf Basis von deskriptiven Analysen konnten die Ergebnisse anschließend dargestellt und auf Basis von multivariaten Analysen (Auswertung mit Regressionsmodellen „linear mixed model“, random intercept)) robuste Indikatoren für eine Weiterbildungsbeteiligung identifiziert und in ihrer jeweiligen Relevanz geschätzt werden
Darstellung der Ergebnisse
Einige Befunde knüpfen an den Forschungsstand an. Die Bedeutung formaler Bildungsabschlüsse für die Weiterbildungsbeteiligung wird bestätigt. Zugleich zeigt sich, dass ältere Bevölkerungsgruppen eine steigende Weiterbildungsaffinität aufweisen. Auch unter Migrantinnen und Migranten ist das Interesse an Weiterbildung überdurchschnittlich ausgeprägt.
Neu ergibt sich am Beispiel der Bildungszeitgesetze, dass einer Bevölkerungsmehrheit Fördermöglichkeiten und Rechtsansprüche in der Weiterbildung oft unbekannt sind. Daraus resultieren ein Informationsbedarf und die Notwendigkeit, durch animierende Öffentlichkeitsarbeit die Sichtbarkeit von Rechten zu erhöhen. Niedrige Nutzungsquoten sind neu zu bewerten: Was unbekannt ist, kann nicht in Weiterbildungsentscheidungen einfließen.
Zugleich ist die Substanz bestehender Förderangebote inhaltlich wie strukturell zu steigern. Für Personen mit geringem Einkommen stellen Eigenanteile – etwa für Kursgebühren, Anreise oder Unterkunft – eine Hürde dar. Auffällig ist, dass Frauen die Verantwortung für Weiterbildung bei den Arbeitgebern und dann dem Staat sehen, was auf die bislang überdurchschnittliche Eigenfinanzierung dieser Gruppe verweist.