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Lohnpolitik: Lohnzurückhaltung lohnt sich nicht

Ausgabe 06/2007

Eine Modellrechnung des IMK zeigt: Die schwachen Lohnzuwächse der jüngsten Vergangenheit haben knapp 600.000 Jobs gekostet. In einer IW-Studie, die zum gegenteiligen Ergebnis kommt, entdecken die Forscher gravierende handwerkliche Mängel.

Seit Mitte der 90er-Jahre hat die deutsche Lohnpolitik den neutralen Verteilungsspielraum aus Preis- und Produktivitätszuwachs häufig nicht ausgeschöpft. Die Folge: Der Anteil der Löhne am Volkseinkommen - die Lohnquote - fiel. Zwar wurde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dadurch gestärkt, dass der Anstieg der Lohnstückkosten merklich hinter dem der wichtigsten Handelspartner zurückblieb. Doch gleichzeitig schwächten die niedrigen Lohnzuwächse die Binnennachfrage, analysieren die Ökonomen. Damit habe die Lohnentwicklung insgesamt keinen Beitrag dazu geleistet, die Wachstumsmöglichkeiten Deutschlands auszuschöpfen. Im Gegenteil. Eine Simulation mit dem makroökonomischen Modell des IMK belegt: Die Lohnzurückhaltung, gemessen als Nicht-Ausschöpfen des Verteilungsspielraums, kostete Hunderttausende von Arbeitsplätzen. "Sie hat die Binnennachfrage belastet und so den Aufschwung hinausgezögert."

Eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) attestiert der schwachen Lohnentwicklung dagegen positive Effekte. Deren Studie kommt zu dem Ergebnis, dass deswegen 600.000 Jobs entstanden seien. Die vom IW dafür verwendete Schätzgleichung sei allerdings nicht in der Lage, die Entwicklung der Erwerbstätigen annähernd korrekt zu prognostizieren, ergab die Überprüfung des IMK. Dies zeigt der rückblickende Vergleich der IW-Berechnungen mit den tatsächlichen Arbeitsmarktdaten. Die Gleichung weise wachsende Prognosefehler von bis zu 1,3 Millionen Personen auf. Der vergleichbare Prognosefehler der IMK-Schätzung ist deutlich kleiner, die tatsächliche Beschäftigungsentwicklung lässt sich so erheblich besser prognostizieren, so die Untersuchung. Die Ergebnisse des IW hingegen seien nicht belastbar. Interessant sei allerdings eine Grundannahme der Schätzgleichung des IW: Lohnerhöhungen können durchaus im Umfang von Preis- und Produktivitätssteigerungen erfolgen, ohne beschäftigungsschädlich zu sein.

  • Niedriger Lohn bringt nicht mehr Arbeit
    Prognosen arbeitgebernaher Forscher lagen daneben: Lohnzurückhaltung brachte keine Beschäftigungsgewinne. Grafik herunterladen

Quelle

Frühjahrsprognose des IMK: Der Aufschwung geht weiter, IMK Report Nr. 19, wird vorgestellt am 3. April 2007.

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