Von GUNNAR HINCK

Das CSR-Portal des Arbeitsministeriums

Rezension Ein neues Internetangebot der Regierung soll Unternehmen dazu anhalten, sich sozial mehr zu engagieren.

Von GUNNAR HINCK

Das Portal www.csr-in-deutschland.de ist eine Informationsbörse für Unternehmen, die mehr gesellschaftliche Verantwortung – auf Englisch Corporate Social Responsibility (CSR) zeigen wollen. Im Herbst ist die Seite aufwändig in den Medien beworben worden. Herausgeber ist das Bundesarbeitsministerium.

Gebaut hat das Portal der Internetriese Publicis Pixelpark. Technisch ist es einwandfrei, aber etwas einfallslos. So fehlen Bewegtbilder oder eine Chatfunktion für Unternehmen. Dennoch lassen sich hier viele Informationen finden – zum Beispiel Ergebnisse von Praxistagen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Einsteigertipps oder Wissen zur CSR-Berichterstattung.  Gelungen ist der auch  umfangreiche „Self-Check“, durch den ein Unternehmen erkennen kann, wie weit es bereits in Sachen CSR ist.

Wenn man bedenkt, wer der Auftraggeber ist, wundert man sich allerdings, wie unternehmerfreundlich, ja im PR-Jargon hier zuweilen  argumentiert wird:  „CSR ist kein Luxus, sondern etwas, von dem Unternehmen wirtschaftlich profitieren können.“ Soziale und ökologische Standards erscheinen hier weniger als unverrückbare Werte, sondern als ein nützliches Mittel, um die Bilanz oder das Image zu verbessern. Dieser Eindruck wird durch die Bildsprache noch unterstützt. Die Rubrik „Textilindustrie“ wird bebildert mit einer makellos geschminkten Arbeiterin in einer luftigen Produktionshalle. Wo diese Frau arbeiten soll, wird nicht erläutert – in Bangladesch oder Vietnam sicherlich nicht.

Ärgerlich auch, dass von „tragischen Unglücken“ in Schwellenländern die Rede ist, die die Bedeutung von CSR verstärkt hätten. Katastrophen wie der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch 2013 waren aber nicht „tragisch“ im Sinne eines unvermeidbaren Schicksals, sondern menschengemacht.  Von einem Bundesministerium kann man einen sorgfältigeren Umfang mit Sprache erwarten.

Aufmacherfoto: Kay Meiners

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