Mein Arbeitsplatz

Wie im Wohnzimmer

Jane Njeri Gachau, 37, aus Kenia, betreibt ein kleines Restaurant in der Altstadt von Mombasa. Ihre Spezialität: Frittiertes Gebäck und frischer Fisch. 


Mombasa, Sheikh Adullas F. Road/Narok Road „An guten Tagen kommen bis zu 60 Gäste in mein kleines Fischrestaurant. Besonders gut läuft das Geschäft an Feiertagen. Früher habe ich als Sekretärin in der Stadtverwaltung gearbeitet. Doch die Schreibtischarbeit war furchtbar langweilig. Ich brauche Menschen um mich herum. Und ich bin eine Business-Frau – das macht mir Spaß! Den Gastraum und die Küche hat mein Mann Donald aus Brettern und Wellblech gebaut. Ich war 20, da habe ich meine erste Tochter bekommen. Damals habe ich meinen Beauty-Salon eröffnet – denn dorthin konnte ich meine Tochter einfach mitnehmen. Seit rund zehn Jahren habe ich auch das Restaurant, gleich nebenan. Inzwischen läuft es so gut, dass im Salon ein Angestellter arbeitet.

Zuerst habe ich typisch afrikanische Gerichte angeboten: Maisbrei mit Gemüse oder Fleisch. Aber das verkaufen viele. Also bin ich vor acht Jahren auf Fisch umgestiegen. Das lief so gut, dass ich Donald gebeten habe, seinen Bürojob in Nairobi aufzugeben und mir zu helfen. Wir sind inzwischen verheiratet und haben eine zweite Tochter. Sie ist fünf. Nach dem Kindergarten kommt sie ins Restaurant und spielt hier mit ihren Freundinnen. Morgens um vier Uhr fangen wir jeden Tag an. Zuerst wird Tee gekocht, und wir machen frittiertes Gebäck. Ab fünf kommen die ersten Gäste. Gegen acht geht Donald zum Hafen und kauft frischen Fisch. Und einer der vier Jungs, die uns helfen, geht los, um Gemüse zu kaufen.Sie waschen außerdem das Geschirr, und einer ist im Service.

Wir alle brauchen ein Gesundheitszeugnis, das jedes halbe Jahr erneuert werden muss. In unregelmäßigen Abständen wird mein Lokal auch von der Behörde kontrolliert. Dann wollen sie diese Zeugnisse sehen und überprüfen die Hygiene. Bisher hatte ich nie Ärger. Es war immer alles in Ordnung. Nach der Arbeit, so ab vier Uhr nachmittags, sitzen wir oft vor unserem Lokal und unterhalten uns mit Nachbarn und Freunden. Donald und ich, wir haben ein gutes Leben. Wir können zwar keine großen Sprünge machen. Aber wir haben viele Freunde. Und unser Arbeitsplatz ist fast wie unser Wohnzimmer.“

Textdokumentation: Karin Flothmann

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