Böckler Impuls Ausgabe 02/2014

USA

Gewerkschaften verhindern Arbeitsarmut

Das beste Mittel gegen Erwerbsarmut sind starke Gewerkschaften. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des US-amerikanischen Arbeitsmarkts.

Dass Arbeitslosigkeit das Armutsrisiko erhöht, liegt auf der Hand. Der Umkehrschluss – dass ein Job vor Armut schützt – gilt nur begrenzt: In den USA gibt es mehr arme Beschäftigte als arme Arbeitslose, schreiben David Brady, Regina S. Baker und Ryan Finnigan. Zwischen 1974 und 2004 seien durchschnittlich 3,4 Prozent der Bevölkerung arm und ohne Arbeit gewesen, 10,4 Prozent dagegen „working poor“. Erwerbsarmut stelle also ein massives Problem der amerikanischen Gesellschaft dar. Die Soziologen vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) und der amerikanischen Duke University haben untersucht, inwieweit Gewerkschaften zur Linderung dieses Problems beitragen können.

Dass gewerkschaftliches Engagement eine wichtige Rolle spielen dürfte, vermuten die Autoren wegen der zentralen Funktionen von Arbeitnehmerorganisationen: Diese setzten sich zum einen in Tarifverhandlungen für höhere Löhne ein. Zum anderen trügen sie zur Verbreitung von Gerechtigkeitsnormen bei. Um herauszufinden, ob sie dadurch Erwerbsarmut messbar beeinflussen, haben die Wissenschaftler Daten der Luxembourg Income Study für die USA und des Current Population Survey ausgewertet. Ihre Berechnungen haben sie sowohl für die Ebene der einzelnen Haushalte als auch für die der Bundesstaaten durchgeführt. Beide Modelle führen zu dem gleichen Ergebnis: Je mehr Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert sind, desto geringer ist ihr Armutsrisiko. Das gilt auch dann, wenn ökonomische Rahmenbedingungen wie das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosenquote und Merkmale der Beschäftigten wie das Alter, der Beruf oder die Bildung herausgerechnet werden. Wenn der gewerkschaftliche Organisationsgrad 2010 so hoch gewesen wäre wie 1991, so die Analyse der Forscher, wäre die Quote der armen Erwerbstätigen, die 2010 bei 11,3 Prozent lag, etwa 1,2 Prozentpunkte niedriger gewesen. Damit sei der Einfluss der Gewerkschaften auf die Erwerbsarmut in den USA größer als derjenige der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder der Sozialpolitik.

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Quellen

David Brady, Regina S. Baker, Ryan Finnigan: When Unionization Disappears: State-Level Unionization and Working Poverty in the United States, in: American Sociological Review 5/2013. 


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