INTERVIEW 'Wir sind nicht verliebt in Arcelor'

Luis Miguel Fernández, Vorstandsmitglied der spanischen Comisiones Obreras und EMB-Beauftragter beim Stahlriesen Arcelor, zur Übernahmeschlacht mit Mittal und zur Kritik des EMB an feindlichen Übernahmen




Mit Luis Miguel Fernández sprachen Margarete Hasel und Kay Meiners.


Ende Januar bot der indische Unternehmer Lakshmi Mittal die Fusion seines Konzerns mit Arcelor an. Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) und der Arcelor-Vorstand waren sich sofort einig, das Angebot zurückzuweisen. Warum?
Weil es feindlich war. Es ist nicht so, dass wir in Arcelor verliebt sind und grundsätzlich etwas gegen Mittal haben. Unser Votum richtete sich gegen die Art und Weise der Übernahme.

Eine Offerte gegen den Willen des Arcelor-Managements ist automatisch auch schlecht für die Arbeitnehmer?
Unserer Erfahrung nach haben feindliche Übernahmen meist negative Folgen: Die einen tun etwas, was die anderen nicht wollen - eine schlechte Voraussetzung, um danach wieder gut zusammenzuarbeiten. Außerdem wird beim Poker um den Preis viel Geld verbrannt, das dann für Investitionen fehlt. Am Ende zahlen die Mitarbeiter.

Mittal verspricht Jobsicherheit, das gleiche Mitbestimmungsniveau, die gleichen Investitionen. Was kann man sich noch mehr wünschen?
Mittal verspricht so ziemlich alles, das ist richtig. Darauf gibt es nur eine Antwort: Wenn wir das schriftlich bekommen: okay. Wir haben Herrn Mittal mehrmals nach seinem Industrieplan gefragt. Bisher gibt es keine wirklich valide Information.

Arcelor ist ein Vorzeigeunternehmen der Gewerkschaften. Sind Sie vielleicht doch etwas verliebt?
Bei Arcelor haben wir in der Tat einen hohen Stand der industriellen Beziehungen erreicht. Das war harte Arbeit. Wir wissen, woran wir sind. Bei Mittal nicht. Er hat bereits Werke in Europa - in Deutschland, in Polen, in der Tschechischen Republik -, aber es gibt noch keinen Eurobetriebsrat, der die Standorte in Mittel- und Osteuropa einbezieht.

Was ist das Besondere an Arcelor?
Es gibt drei Arbeitnehmervertreter im Board - aus den drei Ländern, aus denen die Unternehmen kommen, die im Jahr 2001 zu Arcelor fusionierten: Arbed aus Luxemburg, Aceralia aus Spanien und Unisor aus Frankreich. Den aktuellen französischen Vertreter hat der EMB vorgeschlagen. Das war in dieser Form eine Premiere und das zeigt, wie eng die Beziehungen sind. Außerdem gibt es - als Gäste - einen Belgier und einen Deutschen im Board.

Wie konnten Sie so viel Einfluss gewinnen?
Das europäische Parkett war wichtig, selbst wenn die Restrukturierungsprozesse national gesteuert wurden. Es gibt eine Koordinierungsgruppe des EMB und der nationalen Gewerkschaften, der ich angehöre, und es gibt einen ausgeprägten sozialen Dialog. Außerdem habe ich als EMB-Vertreter einen Sitz im EBR, auch das ist ein Novum. Aber dieses Gremium spielt nicht die Hauptrolle. Entscheidender ist die Zusammenarbeit der drei Arbeitnehmervertreter im Board und der Koordinatoren des EMB: Wir haben gute Informationen aus dem Board, und wir können Treffen mit dem Top-Management vereinbaren.

Harte Instrumente, Widerstand zu leisten, haben Sie aber nicht.
Wir können nur das Umfeld beeinflussen - indem wir die Presse sensibilisieren, indem wir Lobbyarbeit beim Europaparlament machen. Bei einer Übernahme von Arcelor müssen soziale Fragen, Fragen der Arbeitsplatzsicherheit und des Arbeitsrechts ganz oben auf der öffentlichen Agenda stehen. Das wäre für sich schon ein Erfolg.

Was ist Ihre Botschaft an Mittal?
Wir wollen klare Vereinbarungen und Verträge. Wenn Mittal die Kontrolle übernimmt, werden wir mit ihnen in genau der gleichen Weise verhandeln wie heute mit Arcelor.

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