Böckler Impuls Ausgabe 02/2017

Gender

Frauen bei der Rente weit zurück

Rentner sind finanziell deutlich besser dran als Rentnerinnen. Die Diskrepanz ist am unteren Ende der Einkommensskala besonders groß.

Frauen bei der Rente weit zurück

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Bei der Altersversorgung ist die Kluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch deutlich größer als bei den Löhnen. In der Zukunft wird der „Gender Pension Gap“ zwar schrumpfen. Doch das hat nur zum kleineren Teil mit einer besseren Altersversorgung von Frauen zu tun. Vor allem liegt es daran, dass die durchschnittliche Rente von Männern im Vergleich zur heutigen Situation geringer ausfallen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Eine Forschergruppe des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um den Ökonomen Markus Grabka hat dafür geschlechtsspezifische Unterschiede bei der gesetzlichen Rente analysiert. Die Untersuchung basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels und der Rentenversicherung.

Der Studie zufolge erhielten westdeutsche Männer im Ruhestand 2014 monatlich im Schnitt 994 Euro, westdeutsche Frauen 576 Euro und damit 42 Prozent weniger aus der gesetzlichen Rentenkasse. In den neuen Bundesländern, wo die Männer im Schnitt auf 1.057 Euro kommen, betrug die Differenz 239 Euro oder 23 Prozent. Verantwortlich dafür seien in erster Linie Unterschiede beim sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt, schreiben die DIW-Wissenschaftler. Im Schnitt verdienten Arbeitnehmerinnen deutlich weniger als Arbeitnehmer – unter anderem, weil sie öfter in schlecht bezahlten Berufen tätig sind, seltener in Führungspositionen gelangen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Hinzu komme aber noch, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Infolgedessen übertreffe der Gender Pension Gap deutlich den Gender Pay Gap, der zuletzt deutschlandweit bei 21 Prozent lag.

Die Unterschiede sind in den ärmeren Einkommensschichten besonders stark ausgeprägt: Bei Westdeutschen der Jahrgänge 1936 bis 1945 variiert die Rentenlücke zwischen 40 Prozent im reichsten Zehntel und 75 Prozent im ärmsten Zehntel. Nach Ansicht der Autoren dürfte das mit den vielen teilzeitbeschäftigten Frauen in der unteren Hälfte der Verteilung zusammenhängen.

Wenn man sich auf die Neurentner konzentriert, ist ein Trend zur Angleichung zwischen den Geschlechtern feststellbar: Bei den Westdeutschen, die 1980 aus dem Erwerbsleben ausschieden, betrug der Rückstand der Frauen bei der Rente noch 55 Prozent, 2014 waren es 39 Prozent. Im Osten, wo die Differenzen durchgehend kleiner sind, waren es 2014 nur noch 10 Prozent. Als maßgebliche Gründe nennen die Ökonomen die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit und den zumindest langsam sinkenden Gender Pay Gap.

Mithilfe eines Simulationsmodells haben die Experten auch berechnet, was heute Berufstätigen im Alter finanziell blüht. Den zwischen 1966 und 1970 geborenen Männern in Ost und West drohen demnach geringere Alterseinkommen im Vergleich zu den heutigen Rentnern. Die Gründe: häufigere Erwerbsunterbrechungen, längere Ausbildung, mehr Teilzeit. Bei den westdeutschen Frauen wird die zunehmende Erwerbsbeteiligung zu etwas höheren Rentenansprüchen führen. Der Gender Pension Gap dürfte deshalb bei den Jahrgängen 1966 bis 1970 im Vergleich zu den 1936 bis 1945 Geborenen 15 Prozentpunkte geringer ausfallen.

Für die skizzierte Entwicklung sind in erster Linie Veränderungen in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung verantwortlich: Das ärmste Viertel der zwischen 1966 und 1970 geborenen westdeutschen Männer wird mit nur noch 1.040 Euro Monatsrente und damit im Vergleich zum ärmsten Viertel der Kriegsgeneration mit über 160 Euro weniger auskommen müssen. Die Altersbezüge des reichsten Zehntels der westdeutschen Männer bleiben voraussichtlich nahezu stabil. Bei den Frauen sind an der Spitze der Einkommensskala ebenfalls kaum Änderungen feststellbar, das ärmste Viertel im Westen kann dagegen mit Zuwächsen um 200 Euro rechnen, während sich im Osten nicht viel ändert. Der Gender Pension Gap wird demnach in der unteren Hälfte der Verteilung zurückgehen, während sich in der oberen Hälfte wenig tut.

Um die eigenständige Altersversorgung von Frauen weiter zu stärken, empfehlen die Forscher den Ausbau einer unterstützenden Infrastruktur für Familien. Dies würde es vor allem Frauen ermöglichen, ihre Arbeitszeit auch mit Sorgeverpflichtung aufrechtzuerhalten und Erwerbsunterbrechungen zu begrenzen. Darüber hinaus gelte es, alle Säulen der Alterssicherung im Auge zu behalten. Die gesetzliche Rente, die bei Frauen der Jahrgänge 1966 bis 1970 im Schnitt bei knapp über 700 Euro liegen wird, dürfte allein kaum vor Altersarmut schützen – schon gar nicht, wenn das Rentenniveau künftig deutlich sinken sollte. Allerdings gebe es auch bei der betrieblichen Altersvorsorge einen Gender Pension Gap, so die Forscher.

Quelle

Markus Grabka, Björn Jotzo, Anika Rasner, Christian Westermeier: Der Gender Pension Gap verstärkt die Einkommensungleichheit von Männern und Frauen im Rentenalter, DIW-Wochenbericht 5/2017

Link zur Studie