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05.01.2017

WSI-Tarifarchiv

Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent

Die Tariflöhne haben im Jahr 2016 real (nach Abzug der Inflation) spürbar zugelegt. Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Jahr lediglich um 0,5 Prozent gestiegen, die Tarifvergütungen dagegen um nominal 2,4 Prozent. Daraus ergibt sich im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ein reales Wachstum der Tariflöhne und -gehälter um 1,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2016, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung heute vorlegt. „Damit ist es den Gewerkschaften erneut gelungen, Tarifsteigerungen durchzusetzen, die deutlich oberhalb der laufenden Preissteigerungsrate lagen und die Beschäftigten auch am Produktivitätsfortschritt teilhaben ließen“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Am höchsten fällt die jahresbezogene Tarifsteigerung mit nominal 3,5 Prozent im Bereich Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft aus, gefolgt vom Handel mit 2,9 Prozent sowie dem Baugewerbe und den Privaten Dienstleistungen und Organisationen ohne Erwerbszweck mit jeweils 2,7 Prozent. Der Bereich Gebietskörperschaften/Sozialversicherung weist eine Tarifsteigerung von 2,5 Prozent auf, das Nahrungs- und Genussmittelgewerbe ein Plus von 2,4 Prozent und das Investitionsgütergewerbe 2,3 Prozent. Um jeweils 2,1 Prozent stiegen die tariflichen Entgelte im Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe sowie im Bereich Energie- und Wasserversorgung, Bergbau. Im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittelung und im Verbrauchsgütergewerbe betrug die Tarifsteigerung je 1,8 Prozent, gefolgt vom Bereich Kreditinstitute, Versicherungsgewerbe mit 1,5 Prozent.

Bei den effektiven Bruttoeinkommen – hier fließen unter anderem auch die Einkommen von Beschäftigten ein, die nicht nach Tarif bezahlt werden – fiel der Zuwachs im vergangenen Jahr ähnlich aus: Die Bruttolöhne und -gehälter sind 2016 nominal je Arbeitnehmer/in um 2,3 Prozent gestiegen, preisbereinigt bedeutet dies einen Anstieg um 1,8 Prozent.

Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 10,8 Millionen Beschäftigte ab, darunter etwa 9,3 Millionen in den alten und 1,5 Millionen in den neuen Bundesländern. Die Laufzeit der Verträge beträgt durchschnittlich 22,8 Monate und liegt damit höher als im Vorjahr mit 21,1 Monaten. Für weitere 8,4 Mio. Beschäftigte traten im Jahr 2016 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2015 oder früher vereinbart worden waren.

Die Tarifrunde 2017 hat bereits begonnen: Verhandelt wird bereits in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie und in Kürze im öffentlichen Dienst der Länder. Ende Februar laufen die Verträge in der Eisen- und Stahlindustrie und der ostdeutschen Energiewirtschaft aus, Ende März folgen das Versicherungsgewerbe und von März bis Juni der Einzelhandel sowie der Groß- und Außenhandel und das Kfz-Gewerbe. Die bisher vorliegenden Forderungen bewegen sich zwischen 4,5 und 6 Prozent.

Für 2017 ist mit der Fortsetzung des moderaten Konjunkturaufschwungs zu rechnen. „Wichtig ist dabei, dass eine kräftige Lohnentwicklung weiterhin die Binnennachfrage stützt. Das hat positive Effekte für die konjunkturelle Entwicklung nicht nur in Deutschland, sondern über eine verstärkte Importnachfrage auch in den europäischen Nachbarländern“, sagt WSI-Tarifexperte Bispinck.

Kontakt:

Dr. Reinhard Bispinck
Leiter WSI-Tarifarchiv

Rainer Jung
Leiter Pressestelle


Die Pressemitteilung mit Grafiken (pdf)

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