#BR26: Wo Mitbestimmung Gold wert ist
Auf dem neuen Betriebsratsforum #BR26 in den Wilhelm Studios in Berlin wurden neun Gremien für ihre herausragende Arbeit ausgezeichnet.
[25.9.2026]
Von Kay Meiners
Kurz bevor die Preise vergeben werden, sind die Fotografen am Werk, leuchten die Trophäen mit ihren Handylampen aus, damit das Plexiglas funkelt. Dann betritt Eva-Maria Stoppkotte die Bühne. „Wir haben heute gleich drei Premieren“, sagt Stoppkotte, Jurymitglied und verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift Arbeitsrecht im Betrieb, die den Preis vergibt: „Der Deutsche Betriebsrätepreis ist heute zum ersten Mal in Berlin, er wird zum ersten Mal bei #BR26 vergeben, und Berlin ist jetzt die Hauptstadt der Mitbestimmung.“ Innovative, mutige und erfolgreiche Betriebsratsarbeit auszuzeichnen, ist seit dem Jahr 2009 das Ziel der begehrten Auszeichnung.
Premiere Nummer vier: Erstmals in diesem Jahr wurde der neu strukturierte Preis in drei Kategorien vergeben – geordnet nach der Größe der Gremien und damit auch der Unternehmen. Je einmal Gold, Silber und Bronze für große, mittlere und kleinere Unternehmen, das ist die neue Matrix.
Hybrid und modern
Der Gold-Preis für große Gremien ging an den Betriebsrat des Flugzeugbauers Airbus in Hamburg, der mit wissenschaftlicher Begleitung moderne Abläufe für hybrides Arbeiten entwickelt hat. Die Betriebsratsvorsitzende Sophia Kielhorn sorgte jedenfalls für einen Lacher, als sie – auf die Frage, wie schwer das gewesen sei, antwortete: „Am Anfang war es schwierig, den Arbeitgeber davon zu überzeugen, sich auf unsere Höhe zu begeben.
Die Silber- und Bronze-Trophäen gingen an die Elbkinder, Hamburgs größten Kita-Träger, für eine Kampagne für Vielfalt und gegen Rassismus sowie an den Automobilzulieferer Aumovio, für eine strategische Mitbestimmung des Betriebsrates, die mit verschiedenen Zukunftsszenarien arbeitet – beraten von der Hans-Böckler-Stiftung. Die drei Preise für große Gremien übergab Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit.
Von der Krise zum Rekordumsatz
Die Preise für mittelgroße Gremien vergab im Anschluss Claudia Bogedan, die Geschäftsführerin der Hans-Böckler-Stiftung. Hier ging der Gold-Preis an den Betriebsrat des Autozulieferers Alfing, der maßgeblich dazu beitrug, dass das Unternehmen nach einer Krise mit neuen Produkten und neuen Absatzmärkten wieder Rekordumsätze schreibt. Silber ging an die Steag, wo der Betriebsrat mit einem Projekt die Karrierechancen Teilzeitbeschäftigter, vor allem Frauen, verbessert hat. Bronze an Brose in Würzburg, einen weiteren Automobilzulieferer, der ganz ähnlich wie Alfing Kessler ganz neue Produkte entwickeln muss, unter anderem in der Weltraumtechnik. Auch hier war der Betriebsrat ein Innovationstreiber. Der Betriebsratsvorsitzende Yves Weinberger sagte: „Mit Mitbestimmung ist es möglich, auch in Deutschland einen Standort zu sichern. Wir sind das beste Beispiel dafür.“
Krönender Abschluss
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi war es, die die Preise für die kleinen Gremien vergab – wohl wissend, dass hier die Bedingungen schwieriger sind, weil es keine Freistellungen für die Betriebsräte gibt. Sie sagte: „Ich finde es hervorragend, dass wir den Betriebsrätepreis für kleine Unternehmen als krönenden Abschluss haben“ Da Gold-Preis ging in diesem Jahr an die Schwerbehindertenvertretung von Körber Technologies für die beispielhafte Einführung eines Inklusionssystems und die erfolgreiche Eingliederung von schwerbehinderten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt. Die Silber- und Bronzepreise gingen an die Betriebsräte beim Pharmahändler Sanacorp und dem Chemikalienhersteller Arkema – jeweils für herausragender Projekte zur Gesundheitsvorsorge.