Betriebsrat: Die Neuen treten an
Ab dem ersten März wird gewählt. Welche Motive treiben die Kandidatinnen und Kandidaten an? Was erwarten sie? Welche Ziele stecken sie sich? Oft geht es um Fairness – und den Einsatz für andere. Aufgezeichnet von Kay Meiners und Fabienne Melzer
Ich will die Standorte sichern und die Bindung an den Flächentarifvertrag wiederherstellen.“
Warum ich kandidiere
Gleich mit Beginn meiner Ausbildung habe ich für die Jugend- und Auszubildendenvertretung kandidiert. Ich war dann auch zwei Jahre Vorsitzende. Bei der letzten Wahl war ich aber schon zu alt für die JAV, daher hatte ich eineinhalb Jahre Pause. Ich freue mich, wenn ich mich jetzt wieder engagieren kann. Mitbestimmung liegt mir einfach am Herzen.
Wofür ich mich einsetze
Ich möchte die Ausbildung und die Weiterbildung stärken, den Standort sichern und die Bindung an den Flächentarifvertrag wiederherstellen. Steigende Rohstoff- und Energiepreise treffen uns natürlich auch, aber dafür geht es uns noch verhältnismäßig gut. Arbeitgeber klagen immer gerne über steigende Personalkosten, dabei werden wir untertariflich bezahlt, und das seit mehreren Jahren, seitdem unser Standortsicherungstarifvertrag ausgelaufen ist. Das große Ziel der Tarifkommission ist, in den nächsten Jahren wieder zur Fläche zurückzukehren. In der derzeitigen Lage ist Betriebsratsarbeit schon herausfordernder als noch vor ein paar Jahren. Die aktuelle wirtschaftliche Situation ist sehr belastend. Dazu kommt eine höhere Unzufriedenheit der Beschäftigten generell, mit der der Betriebsrat umgehen muss.
Was ein Betriebsrat können muss
Es ist wichtig, die Sozialpartnerschaft weiter gut zu pflegen und möglichst lösungsorientiert an die Themen heranzugehen, ohne das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren. Ein guter Betriebsrat muss das richtige Maß an Durchsetzungsvermögen haben und gut zuhören können.
Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Die großen Themen für uns sind der Umzug in ein neues Werk und die Entgeltstruktur.“
Warum ich kandidiere
Weil ich einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit habe. Wenn Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer, wenn fadenscheinig argumentiert wird oder wenn Unternehmen trotz Millionengewinnen einen Standort dichtmachen dann sage ich: Das darf nicht sein! Das ist mein Antrieb. Die Gewerkschaft ist die Organisation, um entsprechende Ziele zu erreichen. Seit der Ausbildung bin ich in der IG Metall, und die Belegschaft hat mich zum Leiter des Vertrauenskörpers gewählt. Mit diesem Rückhalt will ich in den Betriebsrat. Nicht um anderen den Rang abzulaufen, sondern um die Beschäftigten konsequent zu vertreten.
Wofür ich mich einsetze
Die neue Fabrik in Bergedorf kommt, und deswegen ist eines der großen Themen in der kommenden Legislatur der anstehende Werksumzug. Dieser Prozess muss eng begleitet werden, damit die Belange der Beschäftigten berücksichtigt werden und Errungenschaften aus Jahrzehnten nicht verloren gehen. Ein Umzug darf nicht nur technisch und wirtschaftlich gedacht werden, sondern muss sozialverträglich gestaltet sein. Zum anderen ist die Überprüfung des Entgeltrahmens ein zentrales Thema, das nach jahrelangen Verhandlungen nun endlich umgesetzt wird. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit und Transparenz bei der Eingruppierung.
Was ein Betriebsrat können muss
Er muss im Team arbeiten können und dafür sorgen, dass dieses Team geschlossen gegenüber dem Arbeitgeber auftritt. Gleichzeitig muss er konfliktfähig sein und klare Kante zeigen, wenn Entscheidungen auf dem Rücken der Beschäftigten getroffen werden.
Einige Leute würden gern ein paar Stunden mehr arbeiten. Für sie möchte ich etwas tun.“
Warum ich kandidiere
Als ich vor zwölf Jahren zu Aryzta kam, war ich alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern, ohne einen Pfennig Unterhalt. Damals war ich sehr auf den Job angewiesen. Heute geht es mir besser, ich bin etwas freier in meinen Entscheidungen und will mich für andere einsetzen, die mir leidtun. Ich selbst habe einen 40-Stunden-Vertrag und bekomme alle Überstunden bezahlt. Aber einigen Leuten bei uns geht es nicht so gut. Für sie möchte ich mich gerne engagieren.
Wofür ich mich einsetze
Seit Corona haben wir das Problem, dass viele Leute bei uns nicht mehr so viel arbeiten können, wie sie eigentlich wollen. Kunden wie die Gastronomie oder Flug linien sind zurückhaltend. Viele am Band haben nur die Garantie, 30 Stunden zu arbeiten. Der Arbeitsvertrag enthält einen Korridor, der bis 37,5 Stunden erlaubt, aber diese Stunden werden nicht abgerufen. Den Beschäftigten fehlt Einkommen. Ich möchte mich für diese Leute einsetzen – und dafür, dass das Unternehmen nicht bei den Schwächsten spart.
Was ein Betriebsrat können muss
Er muss Empathie besitzen und auch andere Perspektiven einnehmen können. Er muss ein Gespür für jeden einzelnen Beschäftigten haben – aber auch für den Arbeitgeber, der am Ende auch die Betriebsratsarbeit bezahlt. Es geht darum, beide Seiten zu verstehen.
Ich setze mich dafür ein, dass Betriebsvereinbarungen zu Arbeits- und Ruhezeiten auch wirklich eingehalten werden.“
Warum ich kandidiere
Engagiert habe ich mich schon immer im Betrieb und in der Gewerkschaft. Ich bin unter anderem Vorsitzende des Frauenausschusses der EVG in Nürnberg und auch in Bayern. Das hat mir lange gereicht. Aber inzwischen liegt bei uns im Fernverkehr so vieles im Argen, dass ich gerne auch im Betriebsrat mit anpacken möchte, und deshalb kandidiere ich jetzt.
Wofür ich mich einsetze
Viele von uns haben ständig Ärger mit Arbeitszeiten und Ruhezeiten. Eigentlich gibt es da klare Regeln. Wenn da aber niemand genau hinsieht, macht der Arbeitgeber, was er will. Das will ich ändern. Dazu gehört, ein starkes Gremium zu bilden und mit einem starken Gremium dem Arbeitgeber Paroli zu bieten, sich nicht einfach alles gefallen zu lassen. Wir haben Betriebsvereinbarungen, die eingehalten werden müssen, und der Arbeitgeber kann nicht einfach machen, was er will.
Was ein Betriebsrat können muss
Er muss gut verhandeln und gut argumentieren können. Und wenn es darauf ankommt, sollte er den Mumm haben, im Notfall auch vor Gericht zu gehen.
Mir ist wichtig, dass alle Beschäftigten bei uns im Betrieb optimal gefördert werden.“
Warum ich kandidiere
Weil ich mich gerne engagiere. Bis letztes Jahr war ich noch Azubi und bin deswegen Vorsitzende der JAV für die Dorint-Kette, sozusagen der Betriebsrat für die Azubis. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das Spaß macht und dass ich die Arbeit der Betriebsräte sehr interessant finde.
Wofür ich mich einsetze
Mir ist wichtig, dass alle Beschäftigten optimal gefördert werden und dass es ausreichend Ausbilder gibt. Daneben interessieren mich Themen wie die Vergütung und die Tarifpolitik. Ich bin Mitglied der Tarifkommission in Hessen, unser Hotel unterliegt dem hessischen Tarifvertrag. Was ich zudem sehr spannend finde, ist auch die Möglichkeit, als Betriebsratsmitglied an Bewerbungsgesprächen teilzunehmen. Das würde ich gerne machen.
Was ein Betriebsrat können muss
Ich finde es wichtig, dass man empathisch ist und sich gut in andere hineinversetzen kann. Darüber hinaus muss ein Grundverständnis dafür herrschen, wie das Unternehmen funktioniert, wie die Zahlen sind. Man muss kein Jurist sein, aber man sollte sich ein bisschen mit Gesetzen auskennen, etwa mit Arbeitszeitregelungen oder dem Jugendschutz. Wenn ich gewählt werde, könnte ich mir vorstellen, dazu ein Seminar zu besuchen.
Wir wollen wissen, wie es um unser Werk steht.“
Warum ich kandidiere
Mir geht es nicht um Regeln oder Paragrafen. Was mir sehr am Herzen liegt, sind die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Mir ist wichtig, dass sie fair, respektvoll und transparent behandelt werden. Von der Gewerkschaft haben mich Kollegen überzeugt. Sie haben gefragt, ob ich eintrete. Jetzt bin ich voll dabei.
Wofür ich mich einsetze
Mich interessieren Themen wie der Arbeitsschutz oder die Unternehmenskultur. Da ist immer Luft nach oben. Auch die Informationspolitik ist wichtig. Gerade erlebt unsere Branche eine schwierige Zeit. Wir wollen als Belegschaft definitiv wissen, wie es um das Werk Leipzig steht. Wir können nur gut arbeiten und alle gemeinsam unser Bestes geben.
Was ein Betriebsrat können muss
Er muss einfach ein Mensch sein, das bedeutet jemand, der Empathie zeigen kann, zuhören und Vertrauen aufbauen kann. Jemand, der gute Ratschläge geben kann, der sich und andere verteidigen, der im Streit vermitteln, aber auch mal auf den Tisch hauen kann.