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Mitarbeiter bei Körber Technologies in Hamburg Magazin Mitbestimmung

Deutscher Betriebsrätepreis: Für alle eine Perspektive

Ausgabe 05/2026

Bei Körber Technologies in Hamburg bewähren sich Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Schwerbehindertenvertretung hat daran entscheidenden Anteil. Von Joachim F. Tornau

Jörg L. hat seinen Traumjob gefunden. Der 58-Jährige arbeitet bei Körber Technologies in Hamburg in der Poststelle, verteilt beim Maschinenbauer Briefe auf dem weitläufigen Firmengelände, sortiert, frankiert. „Ich komme aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung“, sagt er. „Da habe ich in der Buchbinderei gearbeitet, jahrelang.“ Das habe ihn zugleich unterfordert und überfordert: „Viele Leute können da nicht so richtig arbeiten – aber wer fitter ist, dem wird alles aufgebürdet.“ Also fragte sich Jörg L., was er stattdessen lieber machen würde, und kam zum Schluss: Poststelle, das wäre doch was für mich. Bei Körber bekam er die Chance. Und ist mit einer Begeisterung bei der Sache, wie man sie in der Arbeitswelt nicht unbedingt ständig erlebt. „Die Arbeit macht Spaß“, sagt er und strahlt.

Von den rund 2000 Beschäftigten des Maschinenbauunternehmens im Stadtteil Bergedorf haben 124 eine Schwerbehinderung oder sind Schwerbehinderten gleichgestellt. Die meisten von ihnen wurden erst im Laufe des Arbeitslebens beeinträchtigt, durch Krankheiten oder Unfälle. Carsten Schmela, Vertrauensperson der Schwerbehindertenvertretung, möchte auch Menschen ins Unternehmen holen, die von Geburt an ein Handicap haben. Ob das die gehörlose Ukrainerin ist, geflohen vor dem russischen Krieg gegen ihr Land, für die er eine Beschäftigung im Wareneingang fand. Oder der junge Mann, der nur eine Hand hat und trotzdem Mechaniker werden wollte. „Er hat die Meisterschule mit Auszeichnung abgeschlossen“, sagt Schmela. „So etwas mitzuerleben, ist für unsere Kollegen besser als jede Diversity-Schulung.“

Nicht zuletzt aber will Schmela das Potenzial heben, das in Werkstätten für Menschen mit Behinderung schlummert – wie bei Jörg L.. In den vergangenen Jahren hat die Schwerbehindertenvertretung ein flexibles Inklusionssystem entwickelt, das je nach den individuellen Bedürfnissen verschiedene Wege der Teilhabe eröffnet. Wegen dieses Engagements ist das Gremium für den Deutschen Betriebsräte-Preis 2026 nominiert.

Die Teilnahme am sogenannten Duoday ist einer dieser Wege. An diesem internationalen Aktionstag schnuppern Menschen aus Behindertenwerkstätten einen Tag lang in den ersten Arbeitsmarkt hinein. Vor fünf Jahren beteiligte sich Körber erstmals daran: „Das Besondere ist, dass sich die Schwerbehinderten den Job aussuchen können“, sagt Schmela. „Das hilft, Talente und Fähigkeiten zu erkennen, und kann ein Türöffner sein.“ Einige, die damals dabei waren, gehen seither an jedem Werktag zur Arbeit aufs Körber-Gelände: In einer ausgelagerten Arbeitsgruppe der Elbe-Werkstätten kümmern sie sich um Mülltrennung, verteilen Aushänge auf schwarze Bretter, wischen nasse Bänke trocken oder unterstützen bei Veranstaltungen. „Es ist toll zu sehen, wie viel selbstbewusster die Leute werden“, sagt Schmela.

Auch Philipp Kluge und Daniel Karakus-Hollnick gehörten anfangs der Außengruppe an. Mittlerweile aber sind sie schon einen Schritt weiter. Wie Jörg L., der begeisterte Mann aus der Poststelle, sind sie auf ausgelagerten Einzelarbeitsplätzen tätig: Im Schraubenlager stellen sie Kleinteile für die verschiedenen Baugruppen zusammen. „Man hat einen richtigen Job und kann zukunftsmäßig was planen“, sagt Kluge, 27 Jahre alt. Und sein 44-jähriger Kollege ergänzt: „Man wird nicht mehr als behindert abgestempelt.“ Er könne eigentlich alles, betont Hollnick. „Es dauert nur etwas länger und man muss es mir zweimal mehr zeigen.“

Formal gehören auch die derzeit drei Einzelarbeitsplätze zu den Elbe-Werkstätten. Bezahlt aber werden die Männer in Anlehnung an den IG-Metall-Tarif: Um die Einkommenssituation der Beschäftigten zu verbessern, gleicht Körber die Differenz zwischen Werkstattlohn und tariflichem Entgelt aus. Die Schwerbehindertenvertretung arbeitet daran, dass als nächstes die Festanstellung und der Wechsel auf einen regulären Tarifarbeitsplatz bei Körber folgen. „Schwerbehinderte“, sagt Schmela, „machen einen guten Job.“

Bei Körber-Beschäftigten ist die Anerkennung für die Schwerbehinderten groß. „Ich find’s schade, dass sie noch zu Elbe gehören“, sagt Industriemechaniker Frank Peters, der die beiden Männer aus dem Schraubenlager kennt. „Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Kollegen mit Einschränkungen und anderen Kollegen.“

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