zurück
Systemrelevant Folge 306 Betriebsrat 2026 Service aktuell

Systemrelevant Podcast: Betriebsratswahlen 2026: Ergebnisse und Analyse

Mehr Beteiligung, kaum rechte Zugewinne: Die jüngsten Betriebsratswahlen machen Mut. Doch es braucht weniger Hürden, verlässlichen Schutz und klare Regeln für die Arbeitswelt von morgen. So bleibt Mitbestimmung auch zukünftig ein starkes Fundament guter Arbeit.

[24.07.2026]

Demokratie endet nicht am Werkstor. Trotzdem schrumpft tendenziell seit Jahren die Zahl der Betriebe mit Betriebsrat. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Interessenvertretungen. Digitalisierung, neue Arbeitsformen und komplexe Wahlverfahren erschweren die Arbeit. Genau hier setzen Isabel Eder, Abteilungsleiterin Recht und Vielfalt beim Deutschen Gewerkschaftsbund und Ernesto Klengel, Direktor des Hugo-Sinzheimer-Instituts, an: Sie zeigen, warum Mitbestimmung einfacher, aber nicht schwächer werden muss.

Die jüngsten Betriebsratswahlen machen Mut. Nach ersten Rückmeldungen stieg die Wahlbeteiligung vielerorts wieder an. Mehr als 100 000 Betriebsratsgremien wurden in diesem Jahr gewählt. Auch neue Betriebsräte wurden gegründet. Für Isabel Eder ist das ein wichtiges Signal. Eine hohe Wahlbeteiligung stärke den Rückhalt der Gremien und gebe ihnen „eine breitere Brust“ gegenüber dem Arbeitgeber. Befürchtungen, rechte Listen könnten deutlich an Einfluss gewinnen, hätten sich bislang nicht bestätigt. Entscheidend sei im Betrieb nicht die laute Parole, sondern verlässliche Arbeit vor Ort. „Man muss tatsächlich im Betrieb überzeugen“, so die Juristin.

Doch erfolgreiche Wahlen allein reichen nicht. Klengel kritisiert das komplizierte Wahlrecht. Die Wahlordnung sei so komplex, dass selbst kleine Fehler Wahlen anfechtbar machen können. Statt neuer Hürden brauche es endlich „Bürokratieabbau“, damit Betriebsräte leichter gegründet werden können. 

Auch die Digitalisierung verlangt neue Antworten. Online-Wahlen oder digitale Betriebsversammlungen könnten Beschäftigten den Zugang erleichtern. Die Jurist*innen warnen jedoch davor, bewährte demokratische Verfahren vorschnell zu ersetzen. „Man kann nicht experimentieren an demokratischen Wahlen“, betont Eder. Wahlen müssten sicher bleiben, die Geheimhaltung gewährleisten und für alle Beschäftigten zugänglich sein.

Für Eder und Klengel endet die Debatte deshalb nicht bei der Technik allein. Mitbestimmung lebt vom persönlichen Austausch. Betriebsversammlungen, Schulungen und die tägliche Arbeit der Interessenvertretungen brauchen Begegnung. Digitale Lösungen können ergänzen, Präsenz aber nicht ersetzen. „Das kollektive Arbeitsrecht und die kollektive Interessenvertretung beruhen auf dem persönlichen Austausch und der Kommunikation“, sagt der Direktor des HSI.

Deshalb fordern Eder und Klengel eine Modernisierung des Betriebsverfassungsgesetz. Wahlverfahren sollen einfacher werden. Digitale Instrumente brauchen klare Regeln. Gleichzeitig müsse der Schutz von Betriebsräten gestärkt werden – auch gegen Wahlbehinderung und Union Busting. Nur so könne Mitbestimmung ihre Aufgabe erfüllen. Beschäftigten brauchen eine starke Stimme, um den Wandel der Arbeitswelt demokratisch gestalten zu können.

[Moderation: Marco Herack]

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

Alle Folgen in der Übersicht

Systemrelevant hören / abonnieren:

Sebastian Dullien auf Bluesky & auf LinkedIn
Ernesto Klengel auf LinkedIn
Bettina Kohlrausch auf Bluesky & auf LinkedIn
Daniel Hay auf LinkedIn
Christina Schildmann auf LinkedIn

Zugehörige Themen