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Dr. Laurens Brandt ist wissenschaftlicher Referent am Hugo Sinzheimer Institut (HSI) für Arbeits- und Sozialrecht der Hans-Böckler-Stiftung Service aktuell

Betriebsratswahlen 2026: Auf Hochtouren für ein starkes Mandat

Die Betriebsratswahlen finden in herausfordernden Zeiten statt. Aber es gibt Grund zum Optimismus: Engagierte Menschen arbeiten quer durch die Republik auf Hochtouren daran, dass die Wahlen erfolgreich ausgehen, schreibt Laurens Brandt.

[09.02.2026]

Die Betriebsratswahlen stehen vor der Tür, Listen werden aufgestellt und der Wahlkampf geplant. Von Routine kann dabei keine Rede sein: Die Wahlen finden im Kontext einer wirtschaftlichen Krise, eines gesellschaftlichen Rechtsrucks und ständig neuer Forderungen nach Sozialabbau statt. Entsprechend gespannt warten wir auf die Ergebnisse. Werden die Wahlen zu einer Zersplitterung der Gremien führen oder erhalten die Gewerkschaften ein starkes Mandat?

Im Hugo Sinzheimer Institut (HSI) werden wir die Wahlen unter rechtlichen Aspekten beobachten. Generell gilt: Das Recht muss die Einflussnahme des Arbeitgebers begrenzen – doch genau hier zeichnen sich Mängel ab. Analysieren werden wir zudem, ob Wahlanfechtungen zunehmen. Das Problem: Die komplizierten Vorschriften und die teilweise unvorhersehbare Rechtsprechung erschweren rechtssichere Wahlen, zumal in den Wahlvorständen keine Jurist*innen sitzen. Das HSI wird an Vorschlägen mitarbeiten, die die kontinuierliche Interessenvertretung erleichtern.

Ein zentrales Thema ist, dass immer weniger Arbeitnehmer*innen durch einen Betriebsrat vertreten werden. Die besten Rechte nutzen nichts, wenn sie niemand wahrnimmt. Lösungsvorschläge müssen aber beachten, dass die Mitbestimmung in Deutschland auf zwei Säulen basiert und eine effektive Interessenvertretung die Zusammenarbeit von Gewerkschaft und Betriebsrat voraussetzt. Dringend notwendige Verbesserungen, etwa ein besserer Schutz für Betriebsratsgründer*innen und erleichterte Wahlen, sollten daher zugleich die Rolle der Gewerkschaften stärken. Das HSI wird einen Schwerpunkt auf diese Schnittstelle legen.

Auch die Vorhaben der Bundesregierung schauen wir uns im Detail an, etwa digitale Betriebsratswahlen und Betriebsversammlungen einzuführen. Eine erste Gelegenheit für die Diskussion, u.a. mit der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas, und der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi, ist unser Hans-Böckler-Forum am 26. und 27. Februar in Berlin.

Trotz aller Schwierigkeiten gibt es Grund zum Optimismus: Engagierte Menschen arbeiten quer durch die Republik auf Hochtouren daran, dass die Wahlen erfolgreich ausgehen. Ein gutes Ergebnis könnte genau zum richtigen Zeitpunkt kommen und den Gewerkschaften Rückenwind für die anstehenden Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern und Regierung verleihen. Die Hans-Böckler-Stiftung begleitet die politische Debatte auf Basis wissenschaftlich fundierter Argumente und innovativer Forschung.  

Dr. Laurens Brandt ist wissenschaftlicher Referent am Hugo Sinzheimer Institut (HSI) für Arbeits- und Sozialrecht der Hans-Böckler-Stiftung.

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