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Zukunft der Mitbestimmung: „Solidarität kommt zu kurz“

Ausgabe 03/2021

Mia Feldmann engagiert sich bei der GEW NRW im ­Bereich Hochschule, Forschung und Wissenschaft und arbeitet als wissenschaftliche Mit­arbeiterin an der Universität Bielefeld.

Wenn ich eines gelernt habe in den vergangenen Jahren, ist es, hartnäckig zu sein und dranzubleiben, die Mitbestimmung immer wieder einzufordern und dafür zu sorgen, dass auch die Stimme der Gewerkschaften gehört wird. Das ist das Mittel zum Erfolg, mit dem ich sowohl bei der GEW als auch an der Universität Bielefeld als Personalrätin seit 2016 für bessere Arbeitsbedingungen im Hochschulbereich eintrete.

Eines der größten Probleme an den Universitäten ist die Befristung von Arbeitsverträgen. Mehr als 80 Prozent des wissenschaftlichen Personals an deutschen Hochschulen sind befristet beschäftigt – manche nur für ein halbes Jahr. Dadurch gibt es weder Planungssicherheit für das Privatleben noch für die Karriere. Ein anderes schwerwiegendes Problem sind die Arbeitszeiten und die damit verbundene Überlastung. Doktorandinnen und Doktoranden beispielsweise arbeiten in der Regel Vollzeit, bezahlt wird aber meist nur eine 65-Prozent-Stelle.

Erstaunlicherweise werden solche Zustände von einigen älteren Kolleginnen und Kollegen mit einer Art Akademiker-Romantik vom Tisch gewischt. Da heißt es dann: ‚Das ist eben Wissenschaft – ein Kampf. Da mussten wir alle durch.‘ An dieser Stelle würde ich mir mehr Solidarität wünschen. Auch dass sich Vorgesetzte – häufig die Professorin oder der Professor des Fachbereichs – für einen Mitarbeiter einsetzen, geschieht leider viel zu selten.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Beschäftigte selbst auch gar nicht wissen, was sie durchsetzen könnten. Stattdessen akzeptieren zum Beispiel Masterabsolventen einen Hilfskraftvertrag, obwohl ihnen ein Mitarbeitervertrag zustünde. Die Vorgesetzten wiederum kennen sich mit dem Arbeitsrecht oft nicht aus.

Deshalb gibt es für mich eben nur den oben beschriebenen Weg: immer wieder an die Fakultäten herantreten und auf die Missstände hinweisen. Die Penetranz der stetigen Wiederholung kann auch eine Stärke sein.“

Schwerpunkt: Mitbestimmung der Zukunft

Ob auf dem Bau, bei der Polizei, an Hochschulen oder im Stahlwerk – die Veränderungen der Arbeitswelt fordern Betriebs- und Personalräte heraus. Sechs von ihnen erzählen, was sie für die Zukunft brauchen.

"Parität im Aufsichtsrat ist ein Vorteil"
"Wir haben mehrere Verbesserungen erreicht"
"Solidarität kommt zu kurz"

"Mitsprache bei der Personalplanung wäre toll"
"Das System muss geheilt werden"
"Die Konflikte werden mehr"

Die Hans-Böckler-Stiftung startet im Wahljahr eine Kampagne: Mitbestimmung sichert Zukunft

Der Mitbestimmungsindex zeigt: Sechs Dinge, die in mitbestimmten Unternehmen besser sind

Generationswechsel bei Betriebs- und Aufsichtsräten: Jünger und bunter

Europäische Betriebsräte: Informationsrechte auch durchsetzen

Aufsichtsratsexperte Sebastian Sick erklärt, wie es vielen Unternehmen gelingt, geltende Gesetze zur Mitbestimmung zu umgehen: "Wir bekommen einen Schweizer Käse"

 

 

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