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Andrea Faggiano, Betriebsratsvorsitzender bei der W. Trautmann Baugesellschaft in Sulzbach Magazin Mitbestimmung Magazin Mitbestimmung

Mitbestimmung der Zukunft: "Wir haben mehrere Verbesserungen erreicht"

Ausgabe 03/2021

Andrea Faggiano, Betriebsratsvorsitzender bei der W. Trautmann Baugesellschaft in Sulzbach, hatte anfangs Reibereien mit dem Arbeitgeber, inzwischen arbeiten beide Seite aber gut zusammen.

Unsere Baufirma ist ein Familienunternehmen in der dritten Generation. Als ehrenamtlicher Betriebsrat bin ich für rund 100 Mitarbeiter zuständig. Alle Baustellen liegen in der näheren Umgebung. Man kann sie erreichen, ohne übernachten zu müssen. Das ist vielen Leuten bei uns wichtig.

Kein Chef freut sich über einen Betriebsrat. Als ich 2017 Vorsitzender wurde, gab es anfangs viele Diskussionen mit der Geschäftsleitung, warum manche Dinge nun anders gemacht werden sollten. Aber mittlerweile arbeiten wir gut zusammen. Wir haben immer auch das Wohl der Firma im Blick, dann erweitert auch der Chef seinen Horizont, warum die Mitbestimmung wichtig ist. Zu Betriebsversammlungen kommt nun sogar ein Gewerkschaftssekretär der IG BAU. Das war am Anfang undenkbar.

Heute ist die Kommunikation mit der Geschäftsleitung besser als früher, und wir haben gemeinsam mehrere Verbesserungen erreicht. Erstens können wir bei Brückentagen jetzt Gutzeit-Stunden einbringen. Früher musste da Urlaub genommen werden. Zweitens werden die Gutzeit-Stunden jetzt regelmäßig ausgezahlt oder mit Freizeit abgegolten. Der dritte Erfolg, für den ich mich persönlich sehr engagiert habe, ist die Reduzierung der Arbeitszeit. Früher hatten wir 45 Stunden in der Woche, heute sind es 41,5 Stunden. Wenn man die Fahrzeiten dazunimmt, ist man 50 oder 60 Stunden für den Job unterwegs. Wo bleibt die Familie, die Freizeit? Wo bleibt der Mensch?

Ich komme aus einer Handwerkerfamilie. Mein Vater ist Maurer, meine Mutter Schneiderin. Mit 18 habe ich mich um eine Maurerlehre beworben und sofort eine Zusage bekommen. Seitdem ist vieles anders geworden. Damals wurden auf dem Bau noch 50-Kilo-Säcke mit Zement geschleppt. Wenn man das heute von jemandem verlangt, der würde einem den Vogel zeigen. In der Zukunft kann die Kombination von Mitbestimmung im Betrieb und intelligenter Tarifpolitik für die Beschäftigten mehr erreichen. Tarifverträge, bei denen man wählen kann, ob man mehr Lohn will, mehr Freizeit, eine Kombination aus beidem oder eine Reduzierung der Arbeitszeit – bei der Deutschen Bahn gibt es so etwas. Sowas auf dem Bau – das wäre toll.“

Schwerpunkt: Mitbestimmung der Zukunft

Ob auf dem Bau, bei der Polizei, an Hochschulen oder im Stahlwerk – die Veränderungen der Arbeitswelt fordern Betriebs- und Personalräte heraus. Sechs von ihnen erzählen, was sie für die Zukunft brauchen.

"Parität im Aufsichtsrat ist ein Vorteil"
"Wir haben mehrere Verbesserungen erreicht"
"Solidarität kommt zu kurz"

"Mitsprache bei der Personalplanung wäre toll"
"Das System muss geheilt werden"
"Die Konflikte werden mehr"

Die Hans-Böckler-Stiftung startet im Wahljahr eine Kampagne: Mitbestimmung sichert Zukunft

Der Mitbestimmungsindex zeigt: Sechs Dinge, die in mitbestimmten Unternehmen besser sind

Generationswechsel bei Betriebs- und Aufsichtsräten: Jünger und bunter

Europäische Betriebsräte: Informationsrechte auch durchsetzen

Aufsichtsratsexperte Sebastian Sick erklärt, wie es vielen Unternehmen gelingt, geltende Gesetze zur Mitbestimmung zu umgehen: "Wir bekommen einen Schweizer Käse"

 

 

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