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Digitalisierung: Die Arbeit der Zukunft gestalten

Ausgabe 15/2020

Heute entscheiden wir, wie wir morgen arbeiten. Die Zukunft ist nicht vorherbestimmt, sie muss ausgehandelt werden.

Die Arbeitswelt wandelt sich rasant. Nicht erst seit der Coronakrise, aber dadurch noch einmal beschleunigt. „Die Pandemie kann tiefgreifende ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen verstärken“, sagt Elisabeth Botsch, Leiterin der Forschungsstelle „Arbeit der Zukunft“ und Organisatorin der LABOR.A, auf der Akteure aus Betrieben, Wissenschaft, Politik und Gewerkschaften diskutieren, wie sich die Arbeitswelt von morgen gestalten lässt. 

Schon jetzt findet Arbeit nicht mehr zwangsläufig im Betrieb statt, durch die Digitalisierung wird sie örtlich und zeitlich flexibler. In den vergangenen Monaten haben viele Beschäftigte und ihre Chefs die Erfahrung gemacht, dass mobile Arbeit möglich ist. Viele wünschen sich, auch nach der Krise häufig von zu Hause arbeiten zu können, wie eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Aber: Sie sehen auch die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. „Um die Arbeitswelt von morgen so zu gestalten, dass alle davon profitieren, sind eindeutige Regeln nötig – auf betrieblicher, tariflicher und auch auf gesetzlicher Ebene“, so Botsch.

Wie sich das Arbeiten im Homeoffice durch Betriebsvereinbarungen fair gestalten lässt, zeigt eine Auswertung des I.M.U. In vielen Unternehmen haben Betriebsräte bereits Vorarbeit geleistet und sich bis ins Detail um offene Fragen gekümmert. Beispielsweise kann in Betriebsvereinbarungen festgelegt werden, dass aus Home­office kein Karrierenachteil entstehen darf.

Diese Fragen stellen sich umso dringender, als sich seit einigen Jahren ein weiterer Trend immer stärker durchsetzt: Betriebsstrukturen lösen sich auf und werden von anderen Arbeitsprozessen abgelöst. „Plurale Netzwerkorganisationen“ anstelle hierarchischer, aber arbeitsrechtlich regulierter Unternehmensstrukturen breiten sich aus – nicht nur in der Digitalwirtschaft. Das macht neue Formen der gesetzlichen Regulierung sowie der Interessenvertretung notwendig. 

Wie unter einem Brennglas zeigt sich diese Entwicklung in der Plattformökonomie. Kurierfahrer oder Crowdworker arbeiten hier oft unter prekären Bedingungen. Doch es regt sich Widerstand: Die Beschäftigten beginnen sich zu vernetzen und wollen mitbestimmen. So könnte die Plattformarbeit nicht nur ein Experimentierfeld für die Digitalisierung werden, sondern auch für die Erprobung neuer Formen der Mitbestimmung.

In einem Punkt sind sich die meisten Experten einig: Die Digitalisierung wird nicht dazu führen, dass Maschinen den Menschen ersetzen. Ein Kahlschlag auf dem Arbeitsmarkt ist eher unwahrscheinlich. Es entstehen auch neue Jobs. Entscheidend wird sein, dass die Beschäftigten gemeinsam handeln und sich weiterbilden. Klar ist auch, dass moderne Technologien kein „Allheilmittel“ sein können. Das zeigt ein Blick auf eine Branche, die sich gerade jetzt als in hohem Maße „systemrelevant“ erweist: die Krankenpflege. Bislang hat die Digitalisierung hier weder zu einer substanziellen Arbeitsentlastung noch zu höheren Verdiensten beigetragen. Nötig wären – wie auch in anderen Branchen – vor allem mehr Fachkräfte und gute Arbeit.

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