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Homeoffice Mobile Arbeit Service aktuell

Auf einen Blick: Studien zu Homeoffice und mobiler Arbeit

Homeoffice ist in der Corona-Krise für viele zur täglichen Realität geworden. Welche Möglichkeiten die mobile Arbeit bietet und welche Risiken entstehen, erforscht die Hans-Böckler-Stiftung bereits seit vielen Jahren. Unsere wichtigsten Studien und Erkenntnisse im Überblick.

Es gibt eine Vielzahl von Begriffen, mit der die Verlagerung einer betriebsgebundenen Tätigkeit an einen anderen Ort bezeichnet wird. Das orts- und zeitflexible Arbeiten wird unter anderem als mobile Arbeit, Telearbeit, Homeoffice oder Heimarbeit bezeichnet. Die vagen Begrifflichkeiten bergen die Gefahr, dass gesetzliche Regeln umgangen werden. Welche Lösungen Beschäftigte und Arbeitgeber finden, um dem Wunsch nach mehr Flexibilität in der betrieblichen Praxis gerecht zu werden, zeigt unsere Auswertung von 31 Betriebs- und Dienstvereinbarungen.

Zahlen und Fakten: Homeoffice-Nutzung während der Corona-Epidemie

Corona ist ein Katalysator für die mobile Arbeit: Ende Juni 2020 arbeiteten rund 16 Prozent der Befragten in unserer repräsentativen Befragung unter Beschäftigten überwiegend oder ausschließlich zu Hause. Weitere 17 Prozent gaben an, abwechselnd im Betrieb oder zu Hause zu arbeiten. Der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice ist damit deutlich höher als vor Ausbruch der Pandemie, als nur 4 Prozent überwiegend oder ausschließlich zu Hause arbeiteten. Noch höher als zuletzt war der Anteil allerdings mit 27 Prozent im April 2020, also kurz nach Beginn der Coronakrise in Deutschland. Dass der Anteil nun wieder gesunken ist, spricht für eine gewisse Normalisierung. Gleichwohl dürfte das Homeoffice künftig eine größere Rolle in der Arbeitswelt spielen: Die Frage, ob sie damit rechnen, dass Homeoffice in Zukunft weiter verbreitet sein wird, beantworten 71 Prozent der Befragten mit Ja.

Entgrenzung und Retraditionalisierung: Auswirkungen des Homeoffice auf Beschäftigte

Homeoffice kann tradierte Arbeitsteilung verstärken: Wer zu Hause arbeitet, bringt mehr Zeit für Sorgearbeit auf. Das gilt für Frauen stärker als für Männer. Es braucht also neue Regeln für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Anreize für eine gerechtere Aufteilung von Sorgearbeit. Das zeigt eine Expertise für den Dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, die Yvonne Lott vom WSI zusammen mit Claire Samtleben und Kai-Uwe Müller vom DIW verfasst hat.

  • Home-Office: Ungleicher Effekt

Insbesondere bei Eltern sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu beobachten: Mütter, die im Homeoffice arbeiten, kommen in der Woche auf drei Stunden mehr Betreuungszeit für die Kinder als Mütter, die nicht zu Hause arbeiten können. Bei Vätern sieht es anders aus: Sie machen im Homeoffice mehr Überstunden, nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.

Die Erfahrungen von Beschäftigten mit dem Homeoffice in Corona-Zeiten sind unterschiedlich: So sagen 77 Prozent, das Homeoffice erleichtere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 60 Prozent glauben, die Arbeit daheim sogar effektiver organisieren zu können als im Betrieb. Allerdings haben 60 Prozent der Befragten mit Homeoffice-Nutzung den Eindruck, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.

  • Verbesserte Vereinbarkeit, schwierige Abgrenzung

Eng mit dem Thema Homeoffice verknüpft ist oft die Frage nach den Arbeitszeiten: Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten, zeigt die Studie unserer Expertin für mobiles Arbeiten und Flexibilisierung von Arbeit, Yvonne Lott. Wer im Homeoffice tätig ist, kann abends oft nicht abschalten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 45 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Beschäftigten, die nie zu Hause arbeiten.

Mobile Arbeit gut gestalten: Voraussetzungen und Best Practice

Was sind die Kriterien für eine erfolgreiche Gestaltung von mobiler Arbeit? Auf die Unternehmenskultur kommt es an, Arbeitgeber und Vorgesetzte müssen die richtigen Voraussetzungen schaffen. Dazu gehört auch eine Formalisierung der mobilen Arbeit: Ist Homeoffice vertraglich geregelt, machen deutlich mehr Arbeitnehmer gute Erfahrungen damit.

Örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten ist heute in beinahe allen Branchen üblich. Das führt zu vielen Fragen, die sich am Präsenz-Arbeitsplatz weniger stellen. I.M.U.-Expertin Sandra Mierich hat die Inhalte von 67 aktuellen Betriebs- oder Dienstvereinbarungen analysiert. Dabei zeigt sich, was die neuralgischen Punkte sind.

Bei der Gestaltung von flexiblen Arbeitszeiten, insbesondere im Homeoffice, kommt es auf klare Regeln an: zeitliche Obergrenzen, Zeiterfassung, realistische Vorgaben für das Arbeitspensum, genug Personal und Vertretungsregeln.

Betriebe mit Betriebsrat haben bei der gerechten Gestaltung solcher Regeln die Nase vorn: Die Wahrscheinlichkeit, dass Betriebe flexible Arbeitszeitarrangements für Beschäftigte mit Betreuungspflichten wie Gleitzeit oder Homeoffice anbieten, erhöht sich demnach um 13,9 Prozentpunkte, wenn es einen Betriebsrat gibt.

In Zeiten von Corona, wo Hunderttausende über Wochen und Monate im Homeoffice arbeiten, wächst bei vielen Vorgesetzten das Bedürfnis, ihre Mitarbeiter zu kontrollieren. Machen sie sich im Homeoffice vielleicht einen lauen Lenz? Die Hersteller von Überwachungssoftware verzeichnen derzeit hohe Zuwachsraten. Doch eine elektronische Überwachung von Beschäftigten im Homeoffice ist nur in eng definierten Fällen erlaubt.

Zukunft der mobilen Arbeit: Ein Recht auf Homeoffice? Zurück zur Präsenzkultur?

Warum ein Recht auf mobile Arbeit und klare Regeln der Zeiterfassung sinnvoll sind, zeigen unsere Studienergebnisse. Viele Beschäftigte arbeiteten vor Corona aufgrund von Barrieren, die sich aus der Unternehmenskultur ergeben, nicht von zu Hause. Ein Recht auf Homeoffice würde vor allem Frauen helfen.

  • Warum Beschäftigte kein Homeoffice machen

Nötig ist ein fairer Zugang für alle, die mobil arbeiten möchten und bei denen die Arbeitsinhalte mobiles Arbeiten möglich machen. Wichtig ist dabei eine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit, damit beides nicht immer weiter verschwimmt und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Betriebs- und Personalräten. Darauf weist WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch hin.

Ob wir ein ein “Recht auf Homeoffice” brauchen, haben wir auch zur Debatte gestellt: “Ja”, sagt Astrid Schmidt, Verdi-Referentin in der Bundesverwaltung, Fachgruppe Telekommunikation/Innovation und gute Arbeit. “Nein”, sagt Oliver Stettes, Leiter des Kompetenzfelds Arbeitsmarkt und Arbeitswelt beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

„Wir haben ein großes Potential an Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten könnten, aber es derzeit nicht tun“ – unsere WSI-Expertin für mobile Arbeit, Yvonne Lott, beschreibt in einem umfangreichen Video-Interview des Unternehmensnetzwerks "Erfolgsfaktor Familie" (von 2019) die Trends der Homeoffice-Nutzung und ist überzeigt: Auch jenseits der klassischen Büro-Jobs gibt es Möglichkeiten für Arbeitnehmer*innen, zumindest Teile ihrer Arbeit mobil zu erledigen.  

Folgt nach der Krise die Rückkehr zur Präsenzkultur? Es bestehe die Möglichkeit - bei allen Vor- und Nachteilen des mobilen Arbeitens - das Beste aus beiden Welten in die Nach-Corona-Zeit mitnehmen, schreibt Dorothea Voss, Leiterin unserer Forschungsförderung. Dazu haben wir Stimmen aus dem Homeoffice während der Coronazeit von verschieden betroffenen Menschen zusammengestellt.

Expert*innen der Hans-Böckler-Stiftung zum Thema mobile Arbeit und Homeoffice

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, WSI-Direktorin (Auch auf Twitter)

Dr. Johanna Wenckebach, HSI-Direktorin (Auch auf Twitter)

Dr. Yvonne Lott, WSI-Referat Genderforschung (Auch auf Twitter)

Dr. Elke Ahlers, WSI-Referat Qualität der Arbeit

Sandra Mierich, Praxiswissen Betriebsvereinbarungen, I.M.U.

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