Böckler Impuls Ausgabe 14/2017

Ungleichheit

Mieten bringen viele an die Belastungsgrenze

In vielen Großstädten wird bezahlbarer Wohnraum knapp. Bei vier von zehn Haushalten ist die Mietbelastung gefährlich hoch.

Mieten bringen viele an die Belastungsgrenze

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Rund 40 Prozent der Haushalte in Deutschlands Großstädten müssen mehr als 30 Prozent ihres Einkommens ausgeben, um ihre Miete zu bezahlen. Das sind rund 5,6 Millionen Haushalte, in denen etwa 8,6 Millionen Menschen leben. Bei Sozialwissenschaftlern wie Immobilienexperten gilt eine Mietbelastungsquote oberhalb von 30 Prozent des Haushaltseinkommens als problematisch, weil dann nur noch wenig Geld zum Leben übrig bleibt, insbesondere bei Menschen mit niedrigem Einkommen. Auch viele Vermieter ziehen hier eine Grenze, weil sie zweifeln, dass Mieter sich ihre Wohnung dauerhaft leisten können. Etwa 1,3 Millionen Haushalte haben nach Abzug der Bruttokaltmiete ein Resteinkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze liegt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie an der Berliner Humboldt-Universität. Die Wissenschaftler haben dafür Daten des Mikrozensus 2014 ausgewertet. 

Die mittlere Mietbelastung aller Großstadthaushalte liegt der Studie zufolge bei immerhin 27 Prozent. Unter den zehn Städten mit der höchsten Mietbelastungsquote finden sich vergleichsweise wohlhabende Metropolen wie Hamburg oder Düsseldorf ebenso wie das wirtschaftlich schwache Bremerhaven oder Offenbach. Auch in einigen mittleren Großstädten wie Bonn, Mannheim oder Neuss liegt die relative Mietbelastung deutlich über dem deutschen Medianwert. 

Vor allem in Großstädten mit zunehmender Einwohnerzahl konstatieren die Wissenschaftler einen großen Mangel an bezahlbaren – insbesondere kleineren – Wohnungen. Die Daten zeigen, dass Menschen mit geringeren Einkommen generell pro Kopf weniger Wohnfläche zur Verfügung haben und in schlechter ausgestatteten Wohnungen leben. Trotzdem ist die Mietbelastungsquote im Mittel weitaus höher als bei wohlhabenderen Haushalten, weil oftmals auch für Wohnungen mit geringem Standard relativ hohe Mieten zu zahlen sind. So liegt der Medianwert der Miethöhe bei den Haushalten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben, laut der Studie bei 7,20 Euro pro Qua­dratmeter. Haushalte, die über mehr als 140 Prozent des Einkommensmittels verfügen, zahlen im Mittel 8,10 Euro. Entsprechend gravierend sind die Unterschiede bei der Belastungsquote: Während Haushalte mit höherem Einkommen im Mittel rund 17 Prozent für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze fast 40 Prozent.

 

Quelle

Henrik Lebuhn (Projektleitung), Andrej Holm, Stephan Junker, Kevin Neitzel: Wohnverhältnisse in Deutschland – eine Analyse der sozialen Lage in 77 Großstädten, September 2017 

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