Systemrelevant Podcast: Wie radikal rechte Akteure Einfluss in Betrieben gewinnen wollen
Wie versuchen radikal rechte Akteure Einfluss in Betrieben zu gewinnen? Und was können Gewerkschaften dagegen tun? Zu diesen Fragen spricht Moderator Marco Herack mit Daphne Weber, Autorin einer aktuellen Studie zu gewerkschaftlichen Kampagnen von rechts, und Christina Schildmann, Leiterin unserer Forschungsförderung.
[26.01.2026]
Die anstehenden Betriebsratswahlen 2026 fallen in eine Zeit massiver Umbrüche in der deutschen Industrie. Rechte Akteure wie die Initiative „Zentrum” machen sich bestehende Unsicherheiten bei Beschäftigten zunutze, um für ihre Interessen zu mobilisieren. Doch wer genau steckt hinter „Zentrum” und welche Ziele verfolgt der Verein?
Im Podcast spricht Marco Herack mit seinen Gästinnen über Erkenntnisse einer aktuellen von der Hans-Böckler-Stiftung beauftragten Studie zum Thema. Das Working Paper „Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts” der Kulturwissenschaftlerin Daphne Weber zeigt am Beispiel von „Zentrum”, mit welcher Medienstrategie Rechte versuchen, Einfluss in den Betrieben zu gewinnen. Zentrales Feindbild des Vereins sind die DGB-Gewerkschaften, allen voran die IG Metall.
„Zentrum” pflegt enge Verbindungen zur AfD
Im Kern der Kommunikation von „Zentrum” steht die strategische Inszenierung von Nähe zu Arbeiter*innen als Gegenpol zur IG Metall. Die Initiative bezeichnet sich selbst als „alternative Gewerkschaft”.
Webers Studie belegt zudem enge Verbindungen von „Zentrum” zur AfD – Oliver Hilburger, Kopf des Vereins, sprach beispielsweise schon auf AfD-Veranstaltungen – sowie zu rechtsextremen Netzwerken wie „Ein Prozent” oder dem neurechten, mittlerweile aufgelösten „Institut für Staatspolitik”.
Christina Schildmann: „Wir wissen relativ viel über die Einstellungsmuster von Beschäftigten zur Demokratie und unter welchen Umständen sie rechtspopulistischen Parteien zuneigen, wissen also viel über die Nachfrageseite. Aber wir wissen oder wussten bisher nicht so viel über die Angebotsseite. Also mit welchen Themen, welchen Argumenten, welchen Strategien, mit welcher Ästhetik treten Rechtspopulisten und neue Rechte in die Betriebsratswahlen ein und wie versuchen sie, da zu punkten?“ Genau da setze die Studie von Daphne Weber an.
Ein Erfolg rechter Gruppen bei den diesjährigen Betriebsratswahlen würde die Gefahr bergen, dass diese verstärkt ihre Themen und Thesen in den Betrieben verankern, um so ihre Ideologie zu normalisieren.
Daphne Weber legt dar, mit welchen Narrativen „Zentrum” arbeitet, um Belegschaften zu mobilisieren und welche Bedeutung für Beschäftigte ihr im Vergleich zu Gewerkschaften zugeschrieben werden kann. Die Podcast-Folge schließt mit der Diskussion um die Frage, was Gewerkschaften rechten Gruppierungen und Einflüssen in Betrieben entgegensetzen können.
Weitere Informationen
Working Paper Nr. 393 der Forschungsförderung: Weber, Daphne (2026): „Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts – Narrative, Netzwerke und Kommunikation von Zentrum (Automobil) im Kontext der Betriebsratswahlen 2018 und 2022. Mit einer Einschätzung der AfD-Bundestagswahlkampagne 2024/2025”
Magazin-Mitbestimmung: „Rechts sein heißt, für den Verbrenner sein”
Podcast Systemrelevant, Folge 228: „AfD – Keine Alternative für Beschäftigte”
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In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.
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