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Altstipendiatin: Die Agrarexpertin

Ausgabe 08/2018

Ulrike Ahrens legt in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung den amtlichen Milchpreis fest – ein Service für die Marktteilnehmer. Von Yvonne Spenrath

Ende Juli herrschen mit 36 Grad Celsius in Bonn fast afrikanische Temperaturen. Für die Landwirte ist die anhaltende Hitzewelle eine schwierige Zeit. Ulrike Ahrens, studierte Agrarökonomin hat sich das das Treffen nicht ein stickiges Büro ausgesucht, sondern ein italienisches Restaurant direkt am Rheinufer, mit Blick auf den Drachenfels und den Petersberg.  Es ist nicht nur ihr Lieblingsitaliener, sondern zugleich das Vereinslokal ihres Rudervereins. Denn die sportliche, schlanke Frau ist in ihrer Freizeit eine begeisterte Ruderin.

Ahrens bestellt ein Glas Milch und erzählt, dass sie vor Ihrem Studium der Agrarwissenschaft zunächst eine Ausbildung als Landwirtin gemacht hat: „Mir war wichtig vor dem Studium etwas Handfestes zu lernen, dann hat man was in der Tasche, erzählt die 55-Jährige. Die Liebe zur Landwirtschaft stammt von ihrem Großvater, der Landwirt war, auch von den Eltern. Ihr Vater, Landmaschinenmechaniker-Meister und Ihre Mutter, eine Einzelhandelskauffrau gehen 1968 für zwei  Jahre als Entwicklungshelfer nach Indien. Ulrike war da gerade fünf Jahre alt. Mit sieben kehrte sie nach Deutschland zurück.

Als Ulrike Ahrens dann von 1985 bis 1991 in Göttingen  studiert und ihr Diplom in Agrarökonomie macht, fällt ihr ausgeprägtes Interesse für soziale Themen auf:  „Die soziale Sicherung der Frau in der Landwirtschaft“ ist das Thema ihrer Diplomarbeit. Eher zufällig wird die frisch gebackene Agrarökonomin auf ein  Forschungsprojekt aufmerksam. In einer Zeitungsanzeige werden Interessenten gesucht, die an dem Projekt „Vergleich der Alterssicherungssysteme in der EG“ gesucht. Es geht um eine Dissertation. Ahrens hat zu diesem Zeitpunkt Sprachkenntnissein Englisch, Französisch und Portugiesisch  vorzuweisen.

„Ich wollte unbedingt über Frankreich forschen“, sagt Ahrens. „Leider war das Thema schon vergeben, so blieb mir nur Portugal. Es gab so gut wie keine Daten zu Portugal und ich musste nahezu alles selbst erheben.“ Für diese Arbeit erhielt Ahrens ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung.  Der Leiter des Projektes, der Frankfurter Professor Richard Hauser, empfahl Ahrens damals als „zielbewusste, junge Wissenschaftlerin“.  Eine richtige Beurteilung. „Das wissenschaftliche Arbeiten hat mir aber einen Riesenspaß gemacht und ich war  im Nachhinein sehr glücklich über diese Fügung“.

Doch das Thema Landwirtschaft geht Ahrens nicht aus dem Kopf – das zeigt ihre Berufswahl. Nach einer der Stellvertretung in einem anderen Referat der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung leitet sie seit 2006 das Referate Marktinformation und kritische Infrastruktur. Der Hauptsitzt ist die alte Bonner US- Botschaft, unmittelbar am Rhein. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit der Entwicklung des Milchpreises für Deutschland.

„Jeden Monat erheben wir von knapp 200 meldepflichtigen Molkereien und Milchsammelstellen ihre Milchpreisbestandteile. Das ist zum Beispiel der Erzeugerpreis, den die Molkerei dem Bauern als Milcherzeuger zahlt. Daraus ermitteln wir den amtlichen Milchpreis für Deutschland und sorgen damit zugleich für Markttransparenz“, so Ahrens. Die Daten werden an die Europäische Union nach Brüssel und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeldet.

Aber auch die milchverarbeitende Industrie sowie die Milchbauern nutzen die Zahlen für ihre unternehmerischen Entscheidungen; die Fachpresse greift auch immer wieder gerne auf diese Zahlen zurück. Warum ist diese Statistik so wichtig? Ahrens stellt klar: „In Deutschland gibt es eine soziale Marktwirtschaft, mit ganz wenigen Ausnahmen werden die Preise frei ausgehandelt. Das bedeutet, unsere Preise geben nur das wieder, was zuvor gezahlt worden ist.“

Anhand der Preisentwicklung versuchen die Marktteilnehmer, wie Discounter, Molkereien und Landwirte, den Markt einzuschätzen und ihre eigenen Preise zu kalkulieren und auszuhandeln. „Das bedeutet, wir legen keine Preise fest. Es muss sich niemand an unsere Preise halten.“

Es ist eine Statistik, die einen direkten Nutzen hat.  „Ich empfinde meine Arbeit als sehr ausfüllend. Von der Datenerhebung bis hin zur Veröffentlichung liegt alles in unserer Hand und diese Daten werden gebraucht und auch verwendet und landen nicht im Papierkorb. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Ahrens und nimmt einen großen Schluck aus ihrem Glas Milch.

Leider bleibt Ahrens nur wenig  Zeit für Außentermine. Ein Highlight für sie ist die Grüne Woche in Berlin, wo Ahrens vor Vertretern der Milchwirtschaft und Molkerei- und Verbraucherverbänden Vorträge über die Milchmarktentwicklung des jeweils letzten Jahres hält.  „Es ist vor allem die Vielseitigkeit die mir an meiner Arbeit so gefällt und dass ich alle Kenntnisse, die ich in meiner Ausbildung erworben habe, optimal einsetzen kann. Nicht zu vergessen meine tollen Kollegen, mit denen es Spaß macht zusammenzuarbeiten“.

Auftanken kann sich dann bei ihrem großen Hobby, dem Rudern: „Ich bin seit zwanzig Jahren Mitglied in einem Ruderverein und unterrichte dort erwachsene Ruderanfänger. Es gibt für mich nichts Erholsameres, als auf dem Rhein zu rudern und die Natur und die Ruhe zu genießen“.

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