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Stabile Rente Böckler Impuls

Alterssicherung: Stabile Rente

Ausgabe 10/2026

Ein Faktencheck zeigt: Für die Behauptung, die gesetzliche Rente sei nicht mehr finanzierbar oder lohne sich für Jüngere nicht, gibt es keine Belege.

Um die Finanzierung der gesetzlichen Rente steht es besser, als immer wieder behauptet wird. Das geht aus einer Analyse zentraler Finanzierungsdaten durch Florian Blank vom WSI hervor. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind die Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) heute niedriger als vor knapp 30 Jahren: Im Jahr 1997 beliefen sie sich auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2003 waren es 10,4 Prozent. 2024 betrug der Anteil hingegen nur noch 9,3 Prozent. Und das, obwohl die Zahl der Rentnerinnen und Rentner im gleichen Zeitraum um mehr als drei Millionen gestiegen ist. Auch der Beitragssatz liegt mit aktuell 18,6 Prozent spürbar niedriger als Ende der 2000er-Jahre mit 19,9 Prozent oder Ende der 1990er-Jahre mit sogar 20,3 Prozent.

Zwar ist der Anteil der Bundesmittel an den Gesamteinnahmen der GRV höher als in den 1990er-Jahren, doch war er in den letzten beiden Jahrzehnten, mit einigen Schwankungen, rückläufig. Er sank zwischen 2003 und 2024 von 33,7 auf 29,1 Prozent. Gemessen an den Gesamtausgaben des Bundes lag die Quote im Jahr 2024 mit 24,6 Prozent ebenfalls etwas niedriger als zur Jahrtausendwende mit 26,3 Prozent. Zahlungen aus dem Bundeshaushalt an die GRV dienen einerseits der Finanzierung gesellschaftlich sinnvoller Leistungen. Dazu zählen beispielsweise Kosten der deutschen Einheit oder die Anerkennung von Kindererziehungszeiten, die seit den 1990er-Jahren hinzugekommen sind beziehungsweise ausgeweitet wurden. Andererseits haben die Zahlungen die Funktion, die Beitragssätze zu stabilisieren. Sie folgen über Jahre hinweg klaren Regeln. Die Behauptung, plötzlich entstehende Löcher der Rentenversicherung würden durch Bundesmittel gestopft, ist falsch.

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Infografik: Seit 2003 sinkt der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung.
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Wie steht es um das Rentensystem? Im Podcast ­„Systemrelevant“ erläutern der Publizist Andreas Hoffmann und IMK-Direktor Sebastian Dullien, warum Alarmismus unbegründet ist und der Sozialstaat eine Zukunft hat.

In seiner Untersuchung überprüft WSI-Rentenexperte Blank ein gutes Dutzend populärer Aussagen zu Themen wie Finanzierbarkeit, Generationengerechtigkeit oder kapitalgedeckter Alterssicherung. Viele davon erweisen sich im Faktencheck als falsch oder stark verkürzt. So zeigt sich beispielsweise, dass die Rentenzahlungen der GRV jungen wie älteren Versicherten eine positive interne Rendite auf ihre eingezahlten Beiträge bieten. Die nominalen Renditen liegen für alle Geburtsjahrgänge von Ende der 1940er-Jahre bis 2010 nahe beieinander. Im Durchschnitt reichen sie bei Männern von etwa 3,1 bis 3,3 Prozent pro Jahr, bei Frauen sind es knapp 3,6 bis 3,8 Prozent. Lediglich die noch im Zweiten Weltkrieg Geborenen haben etwas höhere Werte.

Daraus ergibt sich, dass eine Erhöhung des Renteneintrittsalters oder eine schnellere Absenkung des Renten­niveaus, wie sie teilweise vehement gefordert werden, für jüngere Generationen keinen Nutzen hätten. Zum Teil wirken sie sogar in entgegengesetzter Richtung: Die Umsetzung mancher Ideen würde die interne Rendite gerade bei Jüngeren beeinträchtigen.
 
„Zentrale Finanzierungsdaten haben sich in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten unspektakulär entwickelt, obwohl der demografische Wandel längst in vollem Gange ist. Die aktuellen Beitragssätze liegen sogar niedriger als in der Vergangenheit erwartet. Das zeigt, dass die Politik durchaus Spielraum für ein gutes Umfeld der Alterssicherung hat“, betont Rentenexperte Blank. Alarmistische Erzählungen, wonach das System vor dem Kollaps stehe oder sich Beitragszahlungen für Jüngere nicht lohnen würden, ließen sich empirisch nicht belegen.
 
Das Fazit des Forschers: „In der rentenpolitischen Debatte wird hitzig diskutiert – und das ist gut so. Viele eigentlich politische Entscheidungen werden aber als Sachzwänge dargestellt und hinter vielen vermeintlich einfachen Aussagen oder scheinbar alternativlosen Reformvorschlägen verbergen sich verteilungspolitische Konflikte – weniger zwischen Generationen als zwischen verschiedenen Einkommensgruppen oder zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten.“

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