Böckler Impuls Ausgabe 08/2018

Makroökonomie

Warum die Produktivität schwächelt

Die Arbeitsproduktivität in den entwickelten Ländern steigt nur langsam – trotz rasanten technischen Fortschritts. Das IMK hat eine Erklärung.

Allerorten scheinen Prozesse optimiert, Kosten gespart und langwierige Arbeitsaufgaben an superschnelle Computer delegiert zu werden. Deshalb müsste die Produktivität, die Wertschöpfung je Arbeitsstunde, eigentlich nach oben schnellen. Sie tut es aber nicht. Weltweit rätseln Ökonomen, woran das liegen könnte. Eine IMK-Untersuchung belegt: Ein wesentlicher Grund sind zu geringe Investitionen. 

Die IMK-Forscher Alexander Herzog-Stein und Gustav Horn haben sechs Länder unter die Lupe genommen – Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, USA – und die wirtschaftliche Entwicklung vor und nach der Finanzkrise verglichen. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Komponenten, aus denen sich die Wachstumsrate der Produktivität zusammensetzt. Die Wirtschaftsforscher betrachten jeweils den Zeitraum von 1998 bis 2007 und die Jahre von 2007 bis 2016. Dabei zeigt sich eine Gemeinsamkeit zwischen den untersuchten Ländern: Die Investitionsdynamik hat seit der Finanzkrise nachgelassen. Betroffen sind Ausgaben sowohl für klassische Investitionsgüter wie Maschinen, Gebäude oder LKWs als auch für Informations- und Kommunikationstechnologien, worunter auch die neue Digitaltechnik fällt. 

Zwar erklärt der Investitionsrückgang das Erlahmen der Produktivität nicht komplett; es bleibt eine schwer zu interpretierende Restgröße, die den Fortschritt vielerorts bremst. Dennoch zeigt die Analyse laut IMK, dass Investitionen ein entscheidender Ansatzpunkt für Produktivitätssteigerungen sind, den „wichtigsten Treiber des Wirtschaftswachstums“. Das gelte für privat wie öffentlich finanzierte Erweiterungen des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks. 

Zwar kämen die Investitionen in Europa inzwischen langsam wieder in Gang, so Herzog-Stein und Horn. Aber die Lage sei bislang alles andere als zufriedenstellend. Das beste Mittel für ein dauerhaft hohes Produktivitätswachstum seien öffentliche Investitionsprogramme, am besten auf europäischer Ebene. Bedarf sehen sie etwa in den Bereichen Energieversorgung und Verkehrsinfrastruktur.

Quelle

Alexander Herzog-Stein, Gustav Horn: The Productivity Puzzle: It’s the Lack of Investment, Stupid!, Intereconomics 2/2018
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