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Systemrelevant Podcast: Grüner Stahl: Zu teuer für Deutschland?

Stahl steht für Arbeitsplätze, Wohlstand und politische Stabilität. Doch hohe Energiepreise, billige Importe und fehlende Planungssicherheit setzen die Stahlindustrie unter Druck. Warum grüner Stahl trotzdem eine Zukunft haben kann – und was die Politik jetzt tun muss, darüber sprechen Christina Schildmann und Patrick Kaczmarczyk.

[10.07.2026]

Die Zukunft der deutschen Stahlindustrie entscheidet sich nicht erst morgen. Sie wird gerade verhandelt. Tausende Beschäftigte der Stahlindustrie machten deshalb in Berlin Druck auf die Politik und an die Versprechen der Bundesregierung beim Stahl-Gipfel 2025. Sie forderten verlässliche Rahmenbedingungen für die Zukunft der Schlüsselindustrie „Stahl“. Denn ohne Stahl gibt es keine Brücken, keine Schienen und keine zukunftsorientierte Transformation. Christina Schildmann, Direktorin der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, und Patrick Kaczmarczyk, Universität Mannheim, sprechen darüber, ob grüner Stahl in Deutschland wettbewerbsfähig produziert werden kann und welche politischen Entscheidungen dafür notwendig sind.

Für Kaczmarczyk steht fest: Deutschland kann auf seine Stahlindustrie nicht verzichten. Seine Forschung zeigt, dass ein Ausfall der heimischen Stahlproduktion Wertschöpfung, Beschäftigung und ganze Lieferketten gefährden würde. „Aus ökonomischer, geopolitischer als auch demokratietheoretischer Sicht ist es absolut essenziell, den Stahl in Deutschland zu erhalten“, sagt er. Gleichzeitig müsse die Produktion klimaneutral werden.

Doch der Umbau stockt. Christina Schildmann beschreibt ein „Transformationsdilemma“. Mehrere Komponenten treffen gleichzeitig aufeinander:

  • Hohe Investitionskosten: Viele Unternehmen können den Umbau aus eigener Kraft kaum finanzieren.
  • Hohe Energiepreise und schwache Nachfrage: Der wirtschaftliche Spielraum schrumpft, während der internationale Wettbewerbsdruck wächst.
  • Wettlauf mit der Zeit: Durch den EU-Emissionshandel, steigen die CO2-Kosten für die alten Öfen, die man aber gleichzeitig wegen der Nachfrageschwäche nicht auslasten kann.
  • Zu wenig grüner Wasserstoff: Der zentrale Energieträger steht noch nicht in ausreichender Menge bereit.
  • Fehlende Leitmärkte: Es ist offen, wer den klimafreundlich produzierten Stahl künftig kauft. Dafür braucht es politische Anreize.

Trotz dieser Hürden sehen Patrick Kaczmarczyk und Tom Krebs in ihrer gemeinsamen Studie einen klaren Weg nach vorn. Ihr Masterplan zeigt, unter welchen Bedingungen grüner Stahl in Deutschland wettbewerbsfähig produziert werden kann. Dazu gehören:

  • ein verlässlicher Industriestrompreis,
  • ein bezahlbarer Preis für grünen Wasserstoff,
  • Investitionsförderung für den Umbau der Werke,
  • staatliche Aufträge sollten bevorzugt an inländische Produzenten vergeben werden,
  • der Staat sollte sich (falls nötig) an strategisch wichtigen Unternehmen der Stahlindustrie beteiligen.

Für Kaczmarczyk ist die Schlussfolgerung eindeutig: „Die Politik soll ihre Hausaufgaben machen.“ Dann lohne sich die Investition in grünen Stahl. Gleichzeitig brauche es mehr öffentliche Nachfrage und eine aktive und entschiedene Industriepolitik, damit die Transformation gelingt.

Auch die Direktorin der Forschungsförderung bewertet den Masterplan positiv: Das Maßnahmenpaket sei „kein Programm der Unmöglichkeiten, sondern durchaus realisierbar“. Jetzt müsse die Politik ihre Zusagen einlösen und den Umbau der Stahlindustrie konsequent begleiten. Mehr dazu im weiteren Verlauf der Folge.

[Moderation: Marco Herack]

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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