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Praxistipp: Zeit- und ortsflexibles Arbeiten

Ausgabe 05/2020

Das Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung (I.M.U.) wertet regelmäßig Betriebs- und Dienstvereinbarungen aus und zeigt anhand von Beispielen, worauf es ankommt. Mit der Reihe „Praxistipp“ stellen wir in jeder Ausgabe anhand eines konkreten Problems eine Auswertung vor.

Was lange Zeit ein Privileg weniger war, machte die Pandemie zu einer Option für viele: mobile Arbeit. Während vor dem Ausbruch des Coronavirus nur vier Prozent der Beschäftigten außerhalb des Betriebs arbeiteten, waren es im April mehr als ein Viertel und im Juni immer noch 16 Prozent. Das zeigten die Ergebnisse einer Befragung der Hans-Böckler-Stiftung. Sie zeigten auch: Wo mobile Arbeit geregelt ist, waren die Beschäftigten mit den Bedingungen deutlich zufriedener.

Mobile Arbeit kann effizienter sein, weil nicht mehr die Anwesenheit im Betrieb im Vordergrund steht, sondern das Ergebnis. Beschäftigten kann sie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben erleichtern. Sie spart Anfahrtswege und damit manche Stunde im Stau. Vorausgesetzt, die zeit- und ortsflexible Arbeit ist geregelt.

Auch außerhalb des Betriebs muss Arbeit Grenzen gesetzt, muss die anfallende Arbeitszeit erfasst werden. Arbeitnehmervertretungen können hierzu mit dem Arbeitgeber einen Rahmen vereinbaren. Innerhalb dessen können die Beschäftigten ihre Arbeit eigenverantwortlich verteilen. Wer wann wo arbeitet und erreichbar ist und wie hoch der Anteil der Anwesenheit im Betrieb ist, kann in Teams abgesprochen werden. Ebenso müssen Zeiten festgelegt werden, in denen die Beschäftigten nicht erreichbar sind. Dazu zählen in jedem Fall Sonn- und Feiertage.

Teams mit orts- und zeitflexiblen Arbeitsvereinbarungen stellen alle vor neue Herausforderungen: Führungskräfte müssen lernen, ergebnisorientiert zu führen. Sie müssen einen Ausgleich schaffen zwischen den individuellen Wünschen der Teammitglieder und einer gerechten Aufgabenverteilung und termingerechten Erledigung im Team. Den Beschäftigten verschafft mobile Arbeit mehr Freiheiten, aber auch mehr Eigenverantwortung. Helfen können ihnen Coachings und Seminare.

Mobile Arbeit sollte stets freiwillig sein. Die Beschäftigten dürfen keine Nachteile erleiden, wenn sie diese Form der Arbeit ablehnen oder annehmen. Auch die regelmäßige Überprüfung der orts- und zeitflexiblen Arbeit und eine Befragung der Nutzer kann sinnvoll sein. So können Arbeitnehmervertreter feststellen, ob die getroffenen Regelungen praktikabel sind, und gegebenenfalls Passagen ändern.

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