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Seit den Nachkriegsjahren gibt es ein europäisches Parlament. Doch bis die Abgeordneten direkt von den Bürgern der Mitgliedstaaten gewählt werden, dauert es bis 1979. Magazin Mitbestimmung Magazin Mitbestimmung

Rätselhaftes Fundstück: Europa wählt - zum ersten Mal

Ausgabe 02/2019

1979 wählen die Bürger der EU zum ersten Mal ein gemeinsames Parlament und die EU-Kommission wirbt mit einem witzigen Plakat für den Urnengang. Von Marc von Lüpke

Es ist viel los auf diesem Plakat. Waghalsig tummeln sich Handwerker aus vielen Ländern auf den Gerüsten, manches geht auch schief beim gemeinsamen Bau. Mit Humor wirbt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften für ein großes Projekt: die Wahl des Europäischen Parlaments, die in Deutschland am 10. Juni 1979 stattfindet. Die Kölner Agentur acon, die das Motiv entwickelt hat, gehört zu den gemeinwirtschaftlichen Unternehmen der Gewerkschaften. Der Anlass der Werbeaktion: Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Gemeinschaft (EG) dürfen die wahlberechtigten Bürger der neun Mitgliedstaaten direkt bestimmen, wer in diese­ Volksvertretung einziehen wird.

Ein europäisches Parlament existiert zu diesem Zeitpunkt aber schon seit Jahrzehnten. Im Jahr 1951 haben Frankreich, Italien, die Benelux-Staaten und die junge Bundesrepublik mit dem Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) die Grundlage für die europäische Einigung geschaffen. Damit ist zugleich die Parlamentarische Versammlung geschaffen worden, ein weitgehend machtloses Beratungs- und Kontrollorgan der Hohen Behörde, der Exekutive. Und doch ist es der Nukleus des heutigen Europäischen Parlamentes. Die zunächst 78 Abgeordneten werden von den Parlamenten der Mitgliedstaaten bestimmt. Dabei hätte bereits der EGKS-Vertrag eine demokratische Wahl der Angehörigen der Parlamentarischen Versammlung ermöglicht. Mit dem weiteren Zusammenwachsen Europas erstarkt das Selbstbewusstsein der Abgeordneten. 1962 wählen sie selbst die Bezeichnung „Europäisches Parlament“, um ihrer Institution mehr Gewicht zu verleihen. Widerstand gegen ein zu starkes Europaparlament kommt aus verschiedenen Richtungen. Nicht zuletzt fürchten die Parlamente der auf neun Mitgliedstaaten angewachsenen EG einen Machtverlust. Schließlich kann ein demokratisch gewähltes Europäisches Parlament mehr Rechte einfordern. Viele Jahre streiten die Abgeordneten um die förmliche Anerkennung.

Erst 1979 kommt es zur Direktwahl. Neben den sechs Gründungsstaaten der EGKS gehören nun auch Dänemark, Irland und Großbritannien der EG an. 180 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen, die Beteiligung liegt bei 63 Prozent. Bereits zum neunten Mal wird nun am 26. Mai 2019 das Europäische Parlament gewählt. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund bezieht dazu Stellung und fordert unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ zur Wahl auf.

Rätselfragen

Wie lautet seit 2000 das Europamotto in deutscher Sprache?

Welcher französische Staatsmann regte 1950 an, die deutsche und die französische Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Aufsicht zu unterstellen?

In welchem Jahr trat der Vertrag von Maas­tricht in Kraft, der die Europäische Union begründete?

Alle richtigen Einsendungen, die bis zum 15. Juni 2019 bei uns ein­gehen, nehmen an einer Auslosung teil.

Preise

1. Preis: Gutschein der Büchergilde Gutenberg, Wert 100 Euro

2.–4. Preis: Gutschein der Büchergilde Gutenberg, Wert 50 Euro

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Hans-Böckler-Straße 39 

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Fax: 02 11/77 78-120

Auflösung der Rätselfragen 1/2019

Gensfleisch

1878

Frankfurt am Main 

  • Plakat Europawahl 1979
    Das Plakat der EU-Kommission zu ersten Europa-Wahl 1979 (Foto: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung)

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