Wir bestimmen mit: Handeln als Prinzip
Im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit entscheidet Daniela Suttner über die Sicherheit von Beschäftigten in Krisenregionen. Von Maren Knödl
Daniela Suttner wartet nicht lange ab. Wenn sie etwas ungerecht findet, handelt sie. Dieses Prinzip begleitet die 54-Jährige seit ihren ersten Schritten in der Mitbestimmung – und bis heute in ihrer Rolle als Aufsichtsrätin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
Politisiert wurde sie früh. Aufgewachsen in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus, gehörten Wählen gehen und gesellschaftliches Engagement selbstverständlich dazu. „Hände in den Schoß legen gab es bei uns nicht“, sagt sie. Schon während der Ausbildung zur Verwaltungsangestellten beim Schwalm-Eder-Kreis übernimmt sie auch gewerkschaftliche Verantwortung. Beim großen Streik im öffentlichen Dienst 1992 stand Daniela Suttner als Vertrauensfrau in der betrieblichen Streikleitung mit dem Megafon vor der Menge. Sie erlebte, wie aus vielen einzelnen eine gemeinsame Stimme wurde – und wie Beschäftigte plötzlich Einfluss auf Entscheidungen nahmen, die sonst über ihre Köpfe hinweg getroffen worden wären.
Nach der Ausbildung entschied sich Suttner gegen die Beamtenlaufbahn und für ein Studium der Erziehungswissenschaften in Marburg. Der Weg führte sie in die Jugend- und Bildungsarbeit der damaligen ÖTV, die später in Verdi aufging. Seminare für Jugend- und Auszubildendenvertretungen, politische Bildungsarbeit, frühe Auseinandersetzung mit Themen wie Rechtsextremismus – für Suttner war Bildung nie bloße Wissensvermittlung. Sie will Menschen dazu bringen, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten.
Seit 2009 gehört Daniela Suttner mit Unterbrechungen dem Aufsichtsrat der GIZ an, ein bundeseigenes Unternehmen, das weltweit Entwicklungs- und Beratungsprojekte umsetzt. Im Aufsichtsrat geht es um mehr als um Kennzahlen: Wirtschaftlichkeit, politische Rahmenbedingungen und die Sicherheit der Beschäftigten müssen zusammen gedacht werden. Viele von ihnen arbeiten in Krisen- und Konfliktregionen, manche unter gefährlichen Bedingungen. Entscheidungen über Einsatzbedingungen, Fürsorgepflicht oder Rückholoptionen wirken sich deshalb oft unmittelbar auf Leib und Leben aus.
Konflikte gehören zu Suttners Arbeit, etwa wenn wirtschaftliche Vorgaben auf Fragen der Beschäftigtensicherheit oder Mitbestimmung treffen. Gute Interessenvertretung, davon ist Suttner überzeugt, beginnt nicht mit Eskalation, sondern mit frühzeitigem Einbinden und auf Augenhöhe.
Als Frau in Führungs- und Aufsichtsgremien hat sie gelernt, sich Gehör zu verschaffen. Ideen würden noch immer häufig Männern zugeschrieben – oft nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit und eingeübten Rollenbildern. In Sitzungen habe sie erlebt, dass ihre Vorschläge zunächst überhört wurden – und später, von anderer Seite erneut eingebracht, plötzlich Zustimmung fanden. „Heute lasse ich das nicht mehr stehen“, sagt sie. Zwar seien Frauen mittlerweile sichtbarer in Führungs- und Aufsichtsgremien, sagt Suttner, doch echte Gleichberechtigung zeige sich erst, wenn Einfluss und Verantwortung selbstverständlich geteilt würden. Frauenquoten etwa lösen das Problem nicht.
In ihrer Heimat in Oberaula im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis engagiert sich Daniela Suttner unter anderem als Gemeindevertreterin und in Vereinen. Für die Aufsichtsrätin ist Mitbestimmung kein Amt, sondern eine Haltung, getragen von Beharrlichkeit, Teamarbeit und dem festen Glauben daran, dass sich Dinge verändern lassen, wenn man bereit ist, dafür einzustehen.