Mein Arbeitsplatz: Bunker unter dem Stadtteil Hakaniemi in Helsinki
Nina Järvenkylä arbeitet als Pressesprecherin der städtischen Rettungsdienste in Helsinki. Von Stephan Pramme
Als Pressesprecherin der städtischen Rettungsdienste führe ich regelmäßig Journalisten durch die Bunkerwelt Helsinkis. Insofern arbeite ich an manchen Tagen unter der Stadt, geschützt durch eine 20 Meter dicke Schicht aus Granit. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist das Interesse an unseren zivilen Bunkern gestiegen. Allein in den vergangenen vier Jahren haben wir rund 400 Journalisten durch unsere Anlagen geführt. Auch deutsche Politiker waren bereits hier.
Die finnische Hauptstadt Helsinki hat 700 000 Einwohner, Platz haben wir in den Schutzräumen für 950 000 Menschen. In friedlichen Zeiten nutzen wir die Bunker unter anderem als Sportstätten. Die Räume sind groß genug, um darin Fußball zu spielen. Im Sommer verbringen Eltern hier mit ihren Kindern ihre Freizeit auf dem kühlen Indoor-Spielplatz. In einem Bunker gibt es sogar eine Schwimmhalle.
Mit drei weiteren Kollegen übernehme ich bei Krisenlagen, Bränden und Unfällen die Kommunikation mit der Bevölkerung. Sollte es zum Beispiel brennen und dabei giftiger Rauch entstehen, sagen wir den Menschen, wie sie sich verhalten sollen. Wir teilen ihnen mit, welche Vorsichtsmaßnahmen wichtig sind, oder kommunizieren Evakuierungspläne.
Bevor ich als Pressesprecherin vor vier Jahren anfing, habe ich als Journalistin bei einer der größten finnischen Tageszeitungen gearbeitet. Für meine Reportagen war ich unter anderem in Bagdad und an der Front in der Ukraine – dabei habe ich viele furchtbare Dinge gesehen. Ich habe auch zu Menschenhändlern an der türkischen Küste recherchiert. Irgendwann sagte ich mir: Genug ist genug! Ich wollte wieder freie Wochenenden, geregelte Arbeitszeiten und nicht mehr ständig reisen. Nur manchmal, hier im Bunker, gehört das Nachdenken über Kriege und Krisen weiter zu meinem Leben.“