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Arbeitsschutz: Fortschritt durch Gewerkschaften

Ausgabe 16/2012

Ohne Gewerkschaften wäre es um den Arbeits- und Gesundheitsschutz schlecht bestellt.

Die Ursachen der „Staublunge“ sind seit Langem bekannt: Dass zwischen dieser Krankheit und den Arbeitsbedingungen im Kohlebergbau ein Zusammenhang besteht, sei bereits 1831 festgestellt worden, schreiben der Würzburger Ökonom Alejandro Donado und Professor Klaus Wälde von der Universität Mainz. Doch die USA hätten erst 1969 gesetzliche Vorschriften zum Schutz der Bergarbeiter verabschiedet – deutlich später als in Deutschland und nach politischem Druck von Gewerkschaften. Auch in vielen anderen Branchen seien Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten erst durch gewerkschaftliches Engagement zustande gekommen. Warum Gewerkschaften eine so entscheidende Rolle beim Arbeits- und Gesundheitsschutz spielen, versuchen die Wirtschaftswissenschaftler aus theoretischer Sicht zu klären.

Bei ihrer Analyse gehen sie davon aus, dass viele Nebenwirkungen des technischen Fortschritts zunächst ungewiss sind. Wie sich neue Produktionsmethoden auf die Gesundheit auswirken, stelle sich erst im Laufe der Zeit heraus. Einzelne Beschäftigte hätten gar nicht die Möglichkeit, sich eine fundierte Meinung über Gesundheitsrisiken zu bilden und ihre Interessen zu verteidigen. Denn einerseits beschränkten sich ihre Informationen auf die eigenen Erfahrungen, andererseits gälten Beschwerden einzelner Arbeitnehmer als wenig glaubwürdig, so die Ökonomen. Auch von demokratischen Regierungen seien Interventionen zugunsten der Beschäftigten nicht zu erwarten, solange ihre Wähler nicht über den Handlungsbedarf informiert sind. Die Folge: zu wenig Arbeitsschutzmaßnahmen.

Gewerkschaften hingegen verfügten über hinreichend viele Beobachtungen ihrer Mitglieder, um Gesundheitsgefahren glaubwürdig nachweisen zu können. Zudem hätten sie genügend politischen Einfluss, um Verbesserungen auch gegen den Widerstand von Arbeitgebern oder Politikern durchzusetzen. Damit tragen sie laut Donado und Wälde zu einer höheren gesellschaftlichen Wohlfahrt bei. Zwar habe der Arbeits- und Gesundheitsschutz zumindest in den entwickelten Staaten mittlerweile ein recht hohes Niveau erreicht. Doch nach wie vor gebe es hier Handlungsfelder für Gewerkschaften – wie beispielsweise die aktuelle Diskussion um das Burn-out-Syndrom zeige.

Alejandro Donado, Klaus Wälde: How Trade Unions Increase Welfare. In: Economic Journal, September 2012.

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