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Daten und Studien zur ökonomischen und sozialen Situation Ostdeutschlands

Vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen lässt sich festhalten: Der Lebensstandard in Ostdeutschland ist seit der Wiedervereinigung deutlich gestiegen. Dennoch zeigen sich auch 30 Jahre nach dem Mauerfall ökonomische, soziale und politische Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Insbesondere die niedrigeren Löhne durch eine geringe Abdeckung von Tarifverträgen bleiben problematisch. Ökonomische Unsicherheit ist ein wesentlicher Faktor für das Erstarken rechter Parteien. Unsere Studien im Überblick:


  • Unsere interaktive Landkarte zeigt, dass in fast allen ostdeutschen Regionen das Einkommensniveau am unteren Ende der Skala liegt. In manchen Regionen Süddeutschlands (z.B. München) verdienen die Menschen fast doppelt so viel wie mancherorts im Osten. Von den größeren Regionen im Westen weist lediglich das Ruhrgebiet eine ähnlich schwache Einkommensstruktur auf.
  • Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Verteilung von Armut und Reichtum: Von den 95 dauerhaft Einkommensreichen in der Bundesrepublik leben in 95 Prozent West- und nur fünf Prozent in Ostdeutschland. Bei den Einkommensarmen ist es umgekehrt: 39 Prozent der Personen, die über mehrere Jahre mit weniger als 60% des mittleren Einkommens zurechtkommen mussten, leben in den neuen Ländern, obwohl dort nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung beheimatet ist.
  • Die ökonomische Unsicherheit macht sich auch politisch bemerkbar: Abstiegsängste sind in Deutschland bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitet. Rechtspopulisten machen sich dies zunutze, was sich an deutlich höheren Umfrage- und Wahlergebnissen für die AfD ablesen lässt. Das zeigt sich auch in dieser Studie.
  • Was sind die Ursachen für die fortwährende Ungleichheit zwischen Ost und West? Nach der Widervereinigung ist es nicht gelungen, das westdeutsche Tarifsystem in die neuen Länder zu übertragen. Dass Unternehmer dem Tarifsystem ungestraft fernbleiben konnten, war politisch gewollt und hat nicht nur Ostdeutschland zu sinkenden Löhnen in den unteren Einkommensgruppen geführt.
  • Am geringsten ist die Tarifbindung im „Billiglohnland Sachsen“, wo nur 39% der Beschäftigten von einem Tarifvertrag profitieren. Auch die Vertretung der Beschäftigten durch Betriebsräte ist seltener. Die anderen ostdeutschen Bundesländer belegen bei der Tarifbindung ebenfalls hintere Plätze im Ranking.
  • Die Folgen der geringen Tarifbindung offenbaren sich zum Beispiel beim Urlaubsgeld: Während im Westen fast die Hälfte einen Zuschuss für die Urlaubskasse bekommt, ist dies in den ostdeutschen Ländern nur bei einem Drittel der Fall. Ähnlich sieht es beim Weihnachtsgeld aus.
  • Auch der Immobilienboom der letzten Jahre hat für eine Verschärfung der regionalen Ungleichheit gesorgt: Er hat ökonomisch prosperierende und reiche Regionen reicher gemacht, während ärmere Gegenden weiter zurückgefallen sind. Ostdeutschland konnte – abgesehen von Berlin - insgesamt keine nennenswerten Wertsteigerungen beim Immobilienbestand verzeichnen.
  • Was die Politik neben einer Stärkung des Tarifvertragssystems tun kann, um die die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden, zeigt eine Analyse des IMK. Der Osten würde von den Maßnahmen überdurchschnittlich profitieren.
  • Besonders geholfen hat den Menschen in Ostdeutschland die Einführung des Mindestlohns. Durch eine dynamischere Anhebung der Lohnuntergrenze könnte der Anschluss von ökonomisch Abgehängten an die gesellschaftliche Mitte erleichtert werden.
  • Deutlich besser geht es Ostdeutschland bei der Gleichstellung: Da Frauen deutlich häufiger erwerbstätig sind, ist der Anteil atypischer Beschäftigung niedriger als im Westen. Sie profitieren dabei vom vergleichsweise guten Ausbau der Kinderbetreuung.
  • Auch bei den Investitionen sah es – etwa beim Schulbau - in einigen ostdeutschen Bundesländern zuletzt etwas besser aus als im Westen, wenngleich sich allgemein erhebliche Unterschiede auf kommunaler Ebene offenbaren.


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