Maschinenbaukonferenz: Zölle als Mittel der Wahl
Auf der Maschinenbaukonferenz war die Konkurrenz Chinas ein zentrales Thema. Mögliche Wege aus der Krise und die Rolle der Politik bestimmten die Diskussionen.
[28.10.2026]
Von Gunnar Hinck
Der Maschinenbau ist das Rückgrat der deutschen Industrie: Rund eine Million Menschen arbeiten in der Branche - mehr als in der Automobilindustrie. Doch seit 2024 sind 60.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die Auftragslage ist nicht mehr so rosig wie noch vor zehn Jahren. Die chinesische Konkurrenz, unterstützt durch hohe Subventionen und günstige Kredite des Staates, drückt immer stärker in den Weltmarkt.
Die schwierige Situation und Auswege daraus waren das zentrale Thema der diesjährigen Maschinenbaukonferenz mit rund 200 Betriebsräten und Betriebsrätinnen, die die Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit der IG Metall Anfang Oktober in Berlin veranstaltete: „Zwischen Protektionismus und Industriepolitik - Mitbestimmung Wertschöpfung sichern" war das passende Motto. Es war eine spannende, dichte Konferenz, die Perspektiven aus der Krise aufzeigte. Constantin Borchelt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Berlin, markierte die Leitplanken: „Digitalisierung, Dekarbonisierung, Globalisierung und die geopolitische Lage sind die Herausforderungen des Maschinenbaus. Bei der Transformation geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie – und darum, in wessen Interesse sie gestaltet wird. " Tarifverträge zu schleifen kann, so Borchelt, nicht die Lösung sein. Es brauche Investitionen, eine zeitgemäße Qualifikation und eine aktive Industriepolitik. „Die Transformation kann nicht gegen die Beschäftigten gemacht werden". so Constantin Borchelts Ansage.
Michael Hüther, Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, äußerte die gleiche Meinung zur Energiewende wie Jakschik. "Die Politik sollte nicht ständig den Energiekonsens in Frage stellen, sondern eine bessere Energiepolitik machen." Höhere Energiepreise seien der Sinn der CO2-Bepreisung. Doch mahnte er eine bessere "sozialpolitische Begleitung" der Energiewende an. Angesichts einer dramatisch gewandelten geopolitischen Lage warb Hüther für die Idee eines Kapazitätsmarkts beim Maschinenbau, um die heimische Industrie zu stärken. Die Grundidee: Ein Unternehmen bezahlt nicht zwingend für eine produzierte Maschine, sondern dafür, dass ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt Produktionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen – etwa freie Maschinenstunden, Fertigungslinien oder CNC-Kapazitäten. Hüter sagte, angesichts einer chaotischen weltpolitischen Lage, US-Strafzöllen und neuer Kriege sei Resilienz auch in dieser Branche nötig.
Im Gespräch mit Jürgen Kerner, dem Zweiten Vorsitzenden der IG Metall, benannte Alexander Jakschik, Vizepräsident des Branchenverbandes VDMA, aus seiner Sicht das Hauptproblem mit der Konkurrenz aus China: den Kostenunterschied. „Der Preis einer Laserschneidmaschine aus China liegt bei nur 40 Prozent des Preises einer vergleichbaren Maschine aus Deutschland“: Er plädierte für Ausgleichszölle, um die hiesigen Hersteller zu schützen - eine Forderung, die während der zweitägigen Konferenz mehrfach aufkam. Jakschik, der im Hauptberuf Geschäftsführer des Lufttechnik-Herstellers ULT AG in Sachsen ist, forderte keine niedrigeren Lohnkosten, aber einen Stopp beim Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge. "Das würde uns schon helfen." Selbstkritisch räumte der Unternehmer ein, dass man China als Wettbewerber lange nicht ernst genommen habe: "Es gab früher für uns praktisch keine Konkurrenz." Dem fügte Jürgen Kerner hinzu. "Wir haben es kommen sehen, aber politisch nicht verhindern können", sagte er. Einig waren sich der Metaller und der Unternehmer, dass Planungssicherheit jetzt das Wichtigste ist, was die Unternehmen jetzt von der Politik brauchen. Subventionen könnten ein sinnvolles Mittel der Politik sein, müssten aber für die Unternehmen am Ende kalkulierbar sein, sagte Kerner. Der Branchenvertreter Jakschik forderte, dass die Politik die Energiewende nicht in Frage stellen, sondern "durchziehen" sollte. Dann müssten aber im Gegenzug die Netzkosten reduziert werden.
In den verschiedenen Foren diskutierten die Betriebsräte über ihre Wege aus der Krise. Zwei Stränge kristallisierten sich heraus: zum einen Beschäftigungssicherung durch Betriebsvereinbarungen und Zukunftstarifverträge. Mehrere Betriebsräte stellten Vereinbarungen in ihren Unternehmen vor, wozu der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen und Betriebsverlagerungen gehört. Beim Zweibrücker Standort eines Landmaschinen-Herstellers ging man einen innovativen Weg, wozu eine Qualifizierungsauszeit mit Rückkehrgarantie - das Anlernen von neuen Beschäftigten ist aufwändiger und teurer - und die Ausweitung der Arbeitszeitkorridore gehören.
Als Betriebsrat Einfluss auf Produkte und Geschäftsmodelle nehmen
Der zweite Ansatz, der vorgestellt wurde: Als Betriebsrat Einfluss auf Produkte und Geschäftsmodelle zu nehmen. Der Betriebsrat eines Baumaschinenherstellers berichtete davon, dass die Geschäftsführung durchsetzte, die Bedienfelder als Touchscreen zu verbauen. Dann kam heraus, dass die Kunden das gar nicht wollten. "Die Anwender wollen es haptisch. Das hätte man auch vorher wissen können, aber das Management sprach mit der falschen Ebene", sagte der Betriebsrat. Jetzt werden wieder herkömmliche Bedienfelder verbaut. Ein Detail, dass aber zeigt, wie wichtig es ist, nicht am Kunden vorbei herzustellen - und wie wichtig Praxiswissen ist.
Am Ende der Konferenz verabschiedeten die Beteiligten eine Forderung an das Bundeswirtschaftsministerium für einen dauerhaften Zukunftsdialog. In diesem sollen Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik gemeinsame Strategien gegen die Krise entwickeln. Kernpunkte der Forderungen sind die Stärkung der europäischen Wertschöpfungsketten, höhere Investitionen in Forschung, Entwicklung und Digitalisierung, faire Handelsabkommen und eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Beschäftigungssicherung.