Betriebsratsforum 2026: Heute diskutieren über die Lösungen von morgen
Betriebsrät*innen tun ihr Bestes, um Risiken durch KI-Systeme für ihre Belegschaft zu minimieren. Doch mittelfristig sind überbetriebliche Standards und Regelungen unerlässlich, scheibt HSI-Direktor Ernesto Klengel.
[31.08.2026]
Von Ernesto Klengel
Ein aktueller Fall im Sommer 2026: Der Kunde eines Fitnessstudios in Melbourne, Australien, gibt seinem KI-Agenten den Auftrag, einen Platz beim Pilates zu reservieren. Es ist alles belegt. Doch der Agent nimmt seinen Auftrag ernst und manipuliert eigenmächtig über eine Sicherheitslücke des Fitnessstudios die Buchungsliste, sodass „sein“ Auftraggeber einen Platz erhält.
Es müssen nicht die aufsehenerregenden Fälle sein, die uns zum Nachdenken bringen. Large Language Models (kurz LLMs) – also große Sprachmodelle als hochentwickelte KI-Systeme, beispielsweise ChatGPT von OpenAI – operieren zunehmend selbstständig.
Schon lange sprechen KI-Expert*innen davon, dass wir ein großangelegtes Experiment erleben. Dies liegt zum einen daran, dass die Systeme unfertig sind (die bekannten Halluzinationen zeugen davon). Zum anderen werden die gesellschaftlichen Folgen erst nachträglich bewertet – wenn überhaupt. Und selbst die Entwickler*innen verstehen die Modelle nicht in Gänze.
Viele Betriebsrät*innen finden sich in der Situation wieder, Risiken für ihre Belegschaft zu minimieren. Sie tun ihr Bestes, arbeiten sich ein und regeln den Einsatz der KI-Tools in ihren Betrieben. Es entstehen kreative Lösungen und viele Gremien entwickeln beachtliche Kompetenzen. Dabei Perfektion anzustreben, ist nicht möglich, nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Dringend nötig ist es aber, den aktuellen Entwicklungen rund um den Einsatz von KI in der Arbeitswelt mit dem Anspruch und der Kraft zu begegnen, sie übergreifend mitzugestalten – etwas, das nur die Gewerkschaften können.
Um sich für die anstehenden Aufgaben zu wappnen, sind daher die zahlreichen gewerkschaftlichen Schulungen oder Technologieberatungsstellen eine gute Hilfe, die noch einen weiteren Nutzen bieten: Oft ergeben sich die besten Ideen und Hinweise aus dem direkten Draht zu Kolleg*innen. Eine perfekte Gelegenheit dafür bietet auch das Betriebsratsforum #BR26 am 16. und 17. September 2026 in Berlin. Auf gleich mehreren Foren geht es darum, wie KI im Betrieb eingesetzt werden kann. Auch wir von der Hans-Böckler-Stiftung sind dabei und bieten dort Workshops an.
So beeindruckend die Leistungen der betrieblichen Gremien bei der Bewältigung der Mammutaufgabe um Künstliche Intelligenz auch sind: Mittelfristig sind strukturelle Änderungen unerlässlich. Die Einarbeitung in technische Details ist hilfreich, beansprucht aber auch Ressourcen, die anderswo gebraucht werden. Nötig sind überbetriebliche Standards und Regelungen – vielleicht auch über Tarifverträge. Auch dafür sind Gewerkschaften die richtige Adresse. Es gibt genug zu diskutieren – und dafür braucht es Formate wie das #BR26.
Dr. Ernesto Klengel ist der wissenschaftliche Direktor des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeits- und Sozialrecht (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
Systemrelevant „Wie KI die Arbeitswelt verändert“
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