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LANA HORSTMANN, Aufsichtsrätin bei Thyssenkrupp Rasselstein Magazin Mitbestimmung

Aufsichtsräte: Wir bestimmen mit

Ausgabe 01/2020

Im Kurzporträt: Lana Horstmann, Aufsichtsrätin bei Thyssenkrupp Rasselstein. Von Fabienne Meltzer

Lana Horstmann weiß ein starkes Team zu schätzen. Seit 2018 sitzt sie als Vertreterin der Beschäftigten im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp Rasselstein. „Erzählen kann ich da viel“, sagt die 33-Jährige. „Aber erreichen werden wir nur etwas, wenn wir als Betriebsrat auch die Belegschaft hinter uns haben.“

2006 kam Lana Horstmann zum Weißblechhersteller Rasselstein in Andernach. Sie lernte Kauffrau für Bürokommunikation, studierte abends und am Wochenende Betriebswirtschaftslehre und arbeitete gleichzeitig als Jugend- und Auszubildendenvertreterin. 2014 wurde sie zum ersten Mal in den Betriebsrat gewählt und im gleichen Jahr für die SPD in den Stadtrat. „2014 war mein Superwahljahr“, sagt Lana Horstmann. In der Politik sind ihr klare Gegenspieler am liebsten. Als CDU-Vorsitzenden hätte sie sich daher Friedrich Merz gewünscht. Seit 2018 ist sie auch Vorsitzende der SPD in Neuwied. 

Sie hat das Gefühl, wenn man als junger Mensch einmal im Politikgeschäft steckt, kommt man so schnell nicht wieder heraus. „Da geht es irgendwie von einem Amt zum nächsten.“ So kam zum Betriebsratsamt und dem SPD-Vorsitz im Jahr 2018 der Sitz im Aufsichtsrat hinzu. Manchmal hat sie sich schon gefragt, ob sie als junge Frau gerade in die politische Landschaft passte. „Ich fürchtete zumindest, dass andere denken können, dass ich dieses oder jenes nur geworden bin, weil ich jung und eine Frau bin.“ Inzwischen macht sie sich solche Gedanken nicht mehr.

Markus Eulenbach, Geschäftsführer der IG Metall in Neuwied, sitzt mit ihr im Aufsichtsrat. Für ihn und andere fiel die Wahl fast automatisch auf Lana Horstmann, weil sie für die Aufgabe die Richtige ist. „Sie hat alle Stationen der Mitbestimmung durchlaufen, kennt das Unternehmen und seine Kultur.“ Eulenbach schätzt ihre Klarheit und ihre Verlässlichkeit: „Wenn Lana und ihre Kollegen sagen, sie kommen mit zehn Bussen zur Demo, dann kommen sie mit zehn Bussen zur Demo.“ 

Für die 33-Jährige war die Arbeit im Aufsichtsrat anfangs eine Herausforderung. Sie wollte verstehen, wenn über Umstrukturierungen, Personalentscheidungen oder Investitionen diskutiert wurde. Aber sie hat sich recht schnell eingearbeitet, auch dank ihres Betriebswirtschaftsstudiums und ihrer Arbeit im Wirtschaftsausschuss. Als Betriebsrätin kümmert sie sich neben der Arbeit in den Ausschüssen um alltägliche Probleme in einem Produktionsteam und in der Ausbildung. Klassische Frauenthemen haben sie nie interessiert, und sie fühlte sich auch nie dazu gedrängt. 

Seit fast 15 Jahren arbeitet Lana Horstmann als Arbeitnehmervertreterin und ist überzeugt, dass Mitbestimmung allen nützt: „Wenn es kriselt, greifen Arbeitgeber schnell zum Kahlschlag. Mitbestimmung kann intelligentere Lösungen finden, die allen Seiten mehr bringen.“ Im Moment beschäftigt sie die Umstrukturierung des Mutterkonzerns Thyssenkrupp. Das Unternehmen will in der Stahlsparte 2000 Stellen streichen. Wie viele es in Andernach trifft, wissen die Beschäftigten noch nicht. Der Betriebsrat rechnet damit, dass 200 Stellen in der Verwaltung wegfallen. „Diese Umstrukturierung für unsere Kolleginnen und Kollegen gut hinzukriegen, das bewegt uns im Moment am meisten“, sagt Lana Horstmann.

Dabei steht sie zu ihren Entscheidungen, auch wenn nicht alle immer zufrieden sind: „Diskussionen muss ich aushalten.“ Sie hält sie aus, auch weil sie mit dem 19-köpfigen Betriebsrat ein starkes Team hinter sich weiß und viele Metallerinnen und Metaller hinter ihnen stehen.

  • Lana Horstmann, Aufsichtsrätin bei Thyssenkrupp Rasselstein (Foto: Thomas Range)
    Lana Horstmann, Aufsichtsrätin bei Thyssenkrupp Rasselstein (Foto: Thomas Range)

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