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Prognosen des IMK: So wird 2026

Einschätzungen zur ökonomischen Entwicklung von Forscher:innen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung

Werden die Strompreise in 2026 steigen?

Tom Bauermann: Im Durchschnitt ist eher mit fallenden Strompreisen zu rechnen. Der Anteil der erneuerbaren Energien, vor allem Windkraft und Photovoltaik, wird 2026 weiter steigen. Das drückt in der Regel die Großhandelspreise. Industrielle Großkunden können zudem vom Industriestrompreis und vom Verbleib der Stromsteuer auf dem europäischen Mindestniveau profitieren. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung die Netzentgelte 2026 bezuschusst. Dadurch sollten im Durchschnitt die realen Strompreise für Haushalte und Unternehmen eher leicht sinken.

Foto von Tom Bauermann mit Zitatkachel

Kommt für die deutsche Wirtschaft 2026 endlich die Wende?

Christian Breuer: Ja, im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft insgesamt wieder wachsen. Die expansiven Impulse der Finanzpolitik, die durch die deutliche Lockerung der Schuldenbremse im Frühjahr 2025 möglich geworden sind, werden im kommenden Jahr Wirkung entfalten. Demgegenüber wirken jedoch die US-Zölle und die Aufwertung des Euro seit dem Frühjahr 2025 bremsend auf die deutsche Exportwirtschaft. Sofern der Handelsstreit nicht weiter eskaliert, dürften ab Jahresbeginn die expansiven Impulse der Fiskalpolitik überwiegen. So dürften die Ausrüstungsinvestitionen vom Investitionssofortprogramm und den Ausgaben aus dem Verteidigungsetat profitieren, während die Bauinvestitionen durch das Sondervermögen Infrastruktur gestützt werden.

Foto von Christian Breuer mit Zitatkachel

Wird die US-Wirtschaft 2026 weiter robust wachsen oder droht der Weltwirtschaft ein weiterer Schock?

Thomas Theobald: In der Basisprognose gehen wir davon aus, dass sich die US-Wirtschaft mit einem Wachstum von knapp 2 % auch 2026 stabil entwickelt. Allerdings wirft die derzeitige Datenlage mindestens zwei Fragen auf, die hohe Abwärtsrisiken vermuten lassen: Wäre die US-Konjunktur ohne den derzeitig KI-getriebenen Boom der Anlageinvestitionen der Unternehmen schon in einer Rezession und wie nachhaltig sind diese Investitionen, da einige Beobachter schon auf das Entstehen eines Überangebots an Rechenzentren hinweisen. Wie sehr verstärkt sich die Durchwirkung der 2025 eingeführten Importzölle auf die Verbraucherpreise, was den Konsum der Haushalte deutlicher als erwartet belasten kann.

Foto von Thomas Theobald mit Zitatkachel

Wird die EU 2026 den Mut zur Fortsetzung gemeinsamer kreditfinanzierter öffentlicher Investitionen haben?

Christoph Paetz: Das EU-weite kreditfinanzierte öffentliche Investitionsprogramm der Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) läuft im kommenden Jahr aus. Dieses Programm hat die Tragfähigkeit schuldenfinanzierter Investitionen auf EU-Ebene erfolgreich unter Beweis gestellt. Studien belegen zudem, dass die RRF signifikante positive Effekte auf das gesamte BIP-Wachstum der EU und das Produktionspotenzial der Mitgliedstaaten hatte. Simulationen des IMK zeigen darüber hinaus, dass die Ausweitung dieses Modells auf die grüne Wende nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch unerlässlich ist, um weitaus kostspieligere Zukunftsszenarien zu vermeiden. Angesichts dieser Ergebnisse sowie der bestehenden Investitionsbedarfe und Herausforderungen ist die EU gefordert, im kommenden Jahr eine Fortführung eines derartigen Investitionsprogramms zu beschließen. (Link zur Studie)

Foto von Christoph Paetz mit Zitatkachel

Werden deutsche Kommunen in 2026 mehr Investitionen tätigen?

Ekaterina Jürgens: Für das Jahr 2026 ist nicht mit einem nachhaltigen Anstieg kommunaler Investitionen zu rechnen. Zwar erhöht das Sondervermögen die verfügbaren Mittel, es adressiert jedoch nicht die strukturellen Hemmnisse der kommunalen Investitionstätigkeit. Insbesondere fehlt eine dauerhafte Finanzierung der aus Investitionen resultierenden Folgekosten. Kapazitätsengpässe in der Planung und Verwaltung begrenzen zudem die kurzfristige Umsetzbarkeit der Investitionsprojekte. Maßnahmen der Bundesregierung wie die verbesserten Abschreibemöglichkeiten oder die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie reißen außerdem neue Löcher in die Kommunalfinanzen. In vielen Fällen wirkt das Sondervermögen daher nur stabilisierend und kann das bestehende Investitionsniveau sichern, nicht aber zu einer merklichen Erhöhung führen. Ohne eine grundlegende Reform der Aufgaben- und Einnahmenverteilung auf kommunaler Ebene ist daher nicht von einer strukturellen Verbesserung der kommunalen Investitionstätigkeit auszugehen.

Foto von Ekaterina Jürgens mit Zitatkachel

Wird die deutsche Inflation 2026 wieder steigen?

Silke Tober: Nein, aus heutiger Sicht dürfte die Inflation in Deutschland im Jahr 2026 bei 2 % und damit etwas niedriger liegen als im vergangenen Jahr. Der Lohnanstieg schwächt sich trotz der Mindestlohnerhöhung weiter leicht ab, die Produktivität nimmt etwas stärker zu und die Preiserhöhungsspielräume der Unternehmen bleiben begrenzt. Gedämpft wird der Preisauftrieb 2026 durch die Euro-Aufwertung im vergangenen Jahr und zumindest im ersten Quartal auch durch die noch leicht sinkenden Kraftstoffpreise. Zudem kompensieren die staatliche Teilübernahme der Strom-Netzentgelte die Inflationswirkung des erneuten Anstiegs des CO2-Preises und der Wegfall der Gasspeicherumlage in etwa die Preiserhöhung beim Deutschlandticket. Die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Speisen im Gastgewerbe wirkt ebenfalls inflationsdämpfend, auch wenn die Weitergabe infolge der Mindestlohnerhöhung besonders gering ausfallen dürfte.

Foto von Silke Tober mit Zitatkachel

Kann die EU die Transformation der Industrie 2026 unterstützen?

Tom Bauermann: Ja, kann sie. Die Dekarbonisierung des verarbeitenden Gewerbes verläuft eher langsam. Ein zentrales Problem für die Transformation von Unternehmen hin zu klimafreundlichen Produkten ist die Absatzunsicherheit. Die öffentliche Nachfrage kann, z. B. in Form der öffentlichen Beschaffung, eine Nachfrage nach diesen Produkten schaffen, indem sie z.B. grünen Stahl oder grünen Zement in öffentlichen Infrastrukturprojekten einsetzt. Die Europäische Kommission möchte in 2026 einen Vorschlag zur Überarbeitung des Rahmens für das öffentliche Beschaffungswesen vorlegen. Damit werden Kriterien der Nachhaltigkeit, Resilienz und europäischen Präferenz in das öffentliche Beschaffungswesen der EU für strategische Sektoren aufgenommen. Das kann die Industrie in ihrer Transformation stärken.

Foto von Tom Bauermann mit Zitatkachel

Kann der für 2026 angekündigte Bau-Turbo der Bundesregierung zu einer nachhaltigen Entspannung auf dem Wohnungsmarkt führen?

Carolin Martin: Ja, der von der Bundesregierung angekündigte Bau-Turbo ab 2026 dürfte grundsätzlich zur Entspannung des Wohnungsmarkts beitragen, vor allem durch schnellere Genehmigungsverfahren, digitalisierte Planungsabläufe und vereinfachte Bauvorschriften. Diese Maßnahmen könnten die Bautätigkeit ankurbeln und Investitionen wieder attraktiver machen. Allerdings bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen: Hohe Bau- und Finanzierungskosten, ein anhaltender Fachkräftemangel sowie die Zurückhaltung vieler Investoren. Zudem wird selbst bei erfolgreicher Umsetzung erst mit einer Verzögerung zusätzlicher Wohnraum entstehen, sodass kurzfristige Effekte begrenzt bleiben. Insgesamt kann der Bau-Turbo ein wichtiger Impuls sein, doch nur im Zusammenspiel mit stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dauerhaft verlässlicher Förderung dürfte er 2026 und darüber hinaus eine echte Entlastung bringen.

Foto von Carolin Martin mit Zitatkachel

Das gesetzliche Rentensystem und mögliche Reformen

Ulrike Stein

Foto von Ulrike Stein mit Zitatkachel

Wird die Arbeitslosigkeit 2026 weiter zunehmen?

Alexander Herzog-Stein: Ja, zunächst wird die Arbeitslosigkeit 2026 weiter ansteigen. Der Arbeitsmarkt hat im vergangenen Jahr merklich unter der schwachen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage als Folge der dreijährigen Rezession gelitten. Durch die expansiven Impulse der Finanzpolitik wird sich 2026 das konjunkturelle Umfeld verbessern, wovon dann der Arbeitsmarkt profitieren dürfte. Die Zahl der Arbeitslosen wird dann in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas zurückgehen und die Erwerbstätigkeit wieder zunehmen. In den Jahresdurchschnitten wird sich das aber noch nicht widerspiegeln.  

Foto von Alexander Herzog-Stein mit Zitatkachel

Gelingt die Transformation der deutschen Industrie noch?

Tom Bauermann: Ja, wenn die Bundesregierung die Transformation wieder aktiv gestaltet. Von zentraler Bedeutung für die klimafreundliche Modernisierung der Industrie sind die Klimaschutzverträge (KSV) und die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK). Beide Programme erhöhen die Planungssicherheit und fördern die Marktdurchdringung nachhaltiger Wertschöpfungsverfahren. Im Jahr 2024 waren für diese Programme bis in die 2040er Jahre hinein Verpflichtungsermächtigungen von bis zu 22,9 Milliarden Euro vorgesehen. Mittlerweile stehen jedoch nur noch 6,9 Milliarden Euro zur Verfügung. Damit könnten die Programme nicht mehr im bisherigen Umfang fortgeführt werden, wodurch der Gestaltungsspielraum für die industrielle Dekarbonisierung erheblich eingeschränkt wird. Dafür muss auch der Klima- und Transformationsfonds nachhaltig ausfinanziert werden.

Foto von Tom Bauermann mit Zitatkachel

Wird die EZB ihre Zinsen 2026 noch einmal senken?

Silke Tober: Es ist unwahrscheinlich, dass die EZB die Leitzinsen 2026 senkt. Das neue Mantra der EZB scheint „steady for longer“ zu lauten, nach „higher for longer“ in der geldpolitischen Restriktionsphase. Entsprechend nutzte die EZB ihren geldpolitischen Spielraum im vergangenen Jahr nicht, als die Euro-Aufwertung und die US-Zölle die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum und die stagnierende deutsche Wirtschaft trafen. Die Rückkehr des restriktiven Bias der EZB ist keine gute Nachricht: Gerade in dieser Phase des strukturellen und transformativen Umbruchs benötigt die europäische Wirtschaft einen konjunkturgerechten Policy-Mix. Angesichts der klammen öffentlichen Kassen in den meisten Euroländern ist die Geldpolitik besonders gefordert, einem Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und unbeschadet ihres obersten Ziels der Preisstabilität das Klima für Investitionen und Innovationen möglichst günstig zu halten.

Foto von Silke Tober mit Zitatkachel

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