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Vorbild Spanien Böckler Impuls

Strompreis: Vorbild Spanien

Ausgabe 09/2026

Die Preissteigerungen bei Gas könnten auch den Strom verteuern. Mit einer Maßnahme, die Spanien schon einmal erfolgreich angewendet hat, ließe sich das verhindern.

Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran sind die Gaspreise deutlich gestiegen. Aufgrund der Besonderheiten des Strommarkts könnte dies schnell zu höheren Strompreisen führen, was erhebliche Nachteile für Unternehmen und private Haushalte mit sich brächte. Um das zu verhindern, könnte Deutschland das in Kraftwerken verbrauchte Erdgas nach dem Vorbild Spaniens und Portugals aus dem Jahr 2022 subventionieren. Nach Berechnungen von Tom Bauermann, Thomas Theobald und Fynn Janßen vom IMK könnte diese Maßnahme in der aktuellen Situation, abhängig von der Gaspreisentwicklung, eine Ersparnis von rund 7,3 Milliarden Euro pro Jahr für Deutschland bedeuten.

Dass sich ein Anstieg der globalen Preise für Erdgas und Erdöl direkt auf die Strompreise in Europa auswirkt, liegt an den Mechanismen, nach denen die entsprechenden Märkte funktionieren. An der Strombörse bestimmen in der Regel die teuersten zur Stromerzeugung eingesetzten Kraftwerke den Preis. Dieses Prinzip wird als Merit-Order-Prinzip bezeichnet. Die teuersten Kraftwerke sind häufig Gaskraftwerke. Nach ihnen richtet sich der Börsenstrompreis, selbst wenn der Großteil des Stroms aus günstigeren Quellen wie erneuerbaren Energien stammt. Dadurch können Gaspreisanstiege auf den Strommarkt übergreifen.

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Infografik: Bei einem angenommenen Gesamtverbrauch von 500 Terawattstunden in Deutschland ergäbe sich für private Haushalte und Unternehmen mit dem Iberischen Mechanismus eine Nettoersparnis von 7,3 Milliarden Euro pro Jahr.
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In der aktuellen Lage besteht die Sorge, dass die Strompreise in Deutschland und Europa erneut außerordentlich stark steigen könnten, etwa auf dauerhaft über 150 Euro pro Megawattstunde (MWh). Ein solches Niveau wurde seit 2023 nur in Ausnahmefällen an einzelnen Tagen erreicht. Zuvor hatte der Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 zu Spitzenpreisen von über 400 Euro pro MWh geführt. „Auch wenn die Gas- und Strompreise noch deutlich entfernt vom Niveau der Energiepreiskrise aus dem Jahr 2022 sind, sollten die EU und ihre Mitgliedsstaaten versuchen, Maßnahmen zu ergreifen, eine durch geopolitische Konflikte angeheizte Gaspreisentwicklung vom Strommarkt zu entkoppeln“, schreiben die Autoren.

Dafür bietet sich der sogenannte Iberische Mechanismus an. Dieser wurde 2022 von Spanien und Portugal eingeführt. Er wirkt wie ein indirekter, vorübergehender Preisdeckel für Erdgas, das zur Stromerzeugung genutzt wird. Bei der Berechnung der Strompreisgebote in Gaskraftwerken wird statt des aktuellen Marktpreises für Gas ein festgelegter Referenzpreis zugrunde gelegt, der deutlich niedriger ist. Dadurch wird der aus Gas erzeugte Strom günstiger angeboten, was einem Überspringen der Preissteigerungen vom Gas- auf den Strommarkt entgegenwirkt.

Gleichzeitig werden Gaskraftwerksbetreiber für die Differenz zwischen dem tatsächlichen Einkaufspreis und dem Referenzpreis entschädigt. Diese Kompensation erfolgt durch eine Umlage, die von Versorgungsunternehmen in der Regel an die Endverbraucher und -verbraucherinnen weitergegeben wird. Trotz der Umlagekosten ist das Modell für Stromkundinnen und -kunden letztlich deutlich günstiger, wie sowohl die Erfahrungen in Spanien als auch die Berechnungen des IMK zeigen. Dieser Kostenvorteil wächst mit dem Anteil kostengünstiger erneuerbarer Energieträger bei der Stromerzeugung. Denn dann muss nur relativ wenig Gasverbrauch kompensiert werden.

Wie sich der Iberische Mechanismus in der aktuellen Situation auf Deutschland auswirken würde, haben die Forscher mithilfe von Daten aus Spanien und Deutschland simuliert. Die deutschen Strompreise für das Jahr 2026 wurden auf Basis von Daten des Terminmarkts für Erdgas im März prognostiziert. Ergebnis: Bei einem gedeckelten Gaspreis nach dem Iberischen Mechanismus würden die Strompreise im Durchschnitt 17 Euro pro MWh niedriger ausfallen. Bei einem angenommenen Gesamtverbrauch von 500 Terawattstunden in Deutschland entspräche dies einer Ersparnis von 8,5 Milliarden Euro pro Jahr für Haushalte und Unternehmen. Dem stünden Umlagekosten in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro gegenüber, mit denen die Gaskraftwerksbetreiber entschädigt würden. Unterm Strich ergäbe sich für private Haushalte und Unternehmen damit eine Nettoersparnis von 7,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Infografik: Der Erdgas-Anteil an der gesamtem Stromerzeugung im Jahr 2025 in Deutschland betrug 16,1 Prozent.
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Wie stark der Effekt ausfallen würde, hängt sehr von der tatsächlichen Entwicklung der Gaspreise und des Verbrauchs ab. Dass die Gaspreise in absehbarer Zeit auf das Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs fallen, ist jedoch nicht klar, weshalb ein zeitlich beschränkter Gaspreisdeckel auch in anderen als von den Forschern angenommenen Szenarien Vorteile hätte. „Ohne steuernde Markteingriffe könnten Preiszunahmen drohen, die nicht nur Haushalte mit geringerem Einkommen besonders hart treffen, sondern auch gesamtwirtschaftlich wachstumshemmend wirken“, schreiben Bauermann, Theobald und Janßen. Da die Finanzierung nicht über direkte staatliche Subventionen, sondern über eine Umlage erfolgt, werde der Staatshaushalt nicht belastet. Dies sehen die Forscher als wichtigen Vorteil gegenüber einer derzeit diskutierten Entlastung durch Senkung der Stromsteuer. Dabei könnten sich beide Maßnahmen auch ergänzen. 

Erst kürzlich hat die EU-Kommission beschlossen, dass Staaten Maßnahmen ergreifen dürfen, um ein Überspringen hoher Gaspreise auf den Strommarkt abzumildern. Die Maßnahmen müssen zwar von der Kommission geprüft werden, aber europarechtlich scheint einer Umsetzung des Iberischen Mechanismus nichts im Wege zu stehen. Anders als 2022 sollte dieser jedoch auf EU-Ebene und nicht nur auf nationaler Ebene eingeführt werden, empfehlen die Ökonomen. Damit wäre eine einheitliche und faire Regulierung der Strompreise innerhalb der EU möglich. 

Die Einführung in nur einem Staat berge dagegen das Risiko, dass Preisunterschiede zwischen den Mitgliedstaaten entstehen. In der Folge würden Nachbarstaaten ohne Deckel mehr Strom importieren, die Verbraucher im Land mit Deckel würden das indirekt mit ihrer Umlage subventionieren. Sollte der Mechanismus auf rein nationaler Ebene umgesetzt werden, müssten die Stromexporte mit einer Gebühr belegt werden, um dem gegenzusteuern. Der Mechanismus sollte außerdem nur vorübergehend angewendet werden und nicht zu einer dauerhaften Subventionierung einer bestimmten Kraftwerksart führen.

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