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Klimaschädlicher Reichtum Böckler Impuls

Verteilung: Klimaschädlicher Reichtum

Ausgabe 09/2026

Reiche haben eine erheblich schlechtere Klimabilanz als der Rest der Bevölkerung. Ein zusätzliches Argument für höhere Steuern auf große Vermögen und Erbschaften.

Klimaschutz muss man sich leisten können. Den alten Diesel durch ein teures Elektroauto zu ersetzen, ist für viele Menschen mit geringem Einkommen nicht drin. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Der wesentliche Zusammenhang zwischen Einkommen und Klimabilanz ist ein anderer: Reiche pflegen einen Lebensstil, der zu einem wesentlich höheren CO₂-Ausstoß führt, als es bei Gering- oder Normalverdienern der Fall ist. Noch bedeutsamer als das Einkommen ist in dieser Hinsicht oft das Vermögen. Darauf machen die Ökonominnen Tanja Brumbauer und Sarah Mewes vom Bonner Thinktank Next Economy Lab (NELA) im WSI-Blog aufmerksam. Sie stützen sich dabei unter anderem auf Daten von Oxfam, des Stockholm Environment Institute und eigene Berechnungen.

Bekanntermaßen ist der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen pro Person in reichen Ländern meist höher als in armen. Doch auch innerhalb einzelner Länder verteilen sich die Emissionen sehr ungleichmäßig – vor allem entlang des materiellen Reichtums. „Fast egal, auf welches Land man blickt“, so die Forscherinnen: Die CO₂-Emissionen pro Kopf sind bei Menschen mit sehr hohen Einkommen um ein Vielfaches höher als bei den Armen oder der Mittelschicht. Global betrachtet: „Eine durchschnittliche Person der oberen 0,1 Prozent ist für 381-mal so viel CO₂ verantwortlich wie eine durchschnittliche Person aus den unteren 50 Prozent.“

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Infografik: Weltweit gingen 2019 im Schnitt 425 Tonnen CO₂ auf das Konto der nach Einkommen und Vermögen reichsten 0,1 Prozent. Auf die unteren 50 Prozent entfielen pro Kopf 1,4 Tonnen.
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Nach Zahlen von 2022 entfallen in Deutschland auf das einkommensstärkste Tausendstel 307 Tonnen klimaschädlicher Gase pro Kopf und Jahr, auf die untere Hälfte der Bevölkerung 5,9 Tonnen. Ein Superreicher schadet dem Klima also über 50-mal mehr als jemand aus dem unteren Teil des Einkommensspektrums. 

An der historischen Entwicklung fällt auf: Die Emissionen der unteren 50 Prozent haben sich global gesehen seit 1990 kaum verändert. In den höheren Einkommensgruppen geht die Kurve dagegen klar nach oben. Die oberen 10 Prozent waren zuletzt für 44 Prozent des CO₂-Ausstoßes verantwortlich.

Die genannten Zahlen berücksichtigen nur Einkommensunterschiede. Noch dramatischer fallen die Diskrepanzen zwischen Reichen und normaler Bevölkerung aus, wenn man die Vermögen betrachtet. Ein extrem verschwenderischer und damit klimaschädlicher Lebensstil ist nämlich noch viel stärker mit dem Vermögen korreliert als mit dem Einkommen. Die 20 reichsten Milliardäre der Welt kommen auf etwa 8000 Tonnen CO₂ im Jahr. Zwei Drittel davon gehen auf das Konto ihrer Yachten.

Werden die Vermögen in die globale Gesamtrechnung einbezogen – was schwieriger ist, weil weniger verlässliche Daten vorliegen als beim Einkommen –, erscheinen die Unterschiede zwischen Arm und Reich noch einmal größer. Dann entfallen, in der globalen Betrachtung, 425 Tonnen CO₂ auf eine Person im obersten Tausendstel und im Schnitt 1,4 Tonnen auf die untere Hälfte.

Brumbauer und Mewes: „Die enorme Ungerechtigkeit, die mit der Ungleichheit der Emissionen zwischen armen und reichen Bevölkerungsteilen einhergeht, verstärkt sich, wenn man sich den folgenden Zusammenhang bewusst macht: Diejenigen, die am wenigsten zum globalen Klimawandel beitragen und am schlechtesten mit finanziellen Ressourcen ausgestattet sind, sind meist diejenigen, die am meisten unter Klimawandelfolgen zu leiden haben.“

Daher empfehlen die Forscherinnen dringend substanzielle politische Maßnahmen gegen die wachsende Vermögenskonzentration. Etwa die Wiedereinführung einer wirkungsvollen Vermögenssteuer und eine Abschaffung der Möglichkeiten, große Betriebsvermögen praktisch steuerfrei zu vererben.
 
Dass es dabei nicht um Mini-Steuersätze gehen sollte, verdeutlicht eine einzige Zahl: Laut Oxfam ist das Vermögen der 172 deutschen Milliardäre allein im Jahr 2025 um 30 Prozent auf über 715 Milliarden Euro gestiegen.

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