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Rente: Die Kosten sind nicht das Problem Böckler Impuls

Alterssicherung: Rente: Die Kosten sind nicht das Problem

Ausgabe 02/2026

Das Problem bei der Rente ist nicht die künftige Entwicklung der Beitragssätze, sondern die des Sicherungsniveaus. Das betrifft ältere wie jüngere Beschäftigte gleichermaßen.

22,3 Prozent im Jahr 2070. Auf diesen Wert steigt der Rentenversicherungsbeitrag unter Annahme der gängigen demografischen Prognosen. Auch eine Stabilisierung des Rentenniveaus nach den Plänen aus dem vergangenen Jahr würde nicht zu einem höheren Beitrag führen. 2070 wäre der Beitragssatz in Deutschland immer noch niedriger als heute in Österreich. Dort beträgt er seit 1988 22,8 Prozent, „ohne dass dies zu systemischen Problemen geführt hätte“, heißt es in einer Analyse des IMK. 

Mit dem anstehenden Renteneintritt der Babyboomer muss die Alterssicherung zwar einen „Demografie-Berg“ bewältigen, der sich bis in die Jahre 2036 und 2037 erstreckt. Doch auch dies führt laut IMK-Simulation zu keiner Beitragsexplosion. Bis zur Mitte des Jahrhunderts bleibt der Rentenbeitrag deutlich unter 22 Prozent. Die von der Rentenversicherung benötigten Mittel aus dem Bundeshaushalt bleiben bis 2070 unter der Marke von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung – und damit unterhalb des kurz nach der Jahrtausendwende bereits einmal erreichten Werts.

Infografik: Bis 2070 steigt der Rentenbeitrag lediglich auf 22,3 Prozent, der Bedarf an Bundesmitteln auf 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
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„Das Problem ist das seit Jahren sinkende Renten­niveau“, so das IMK, „nicht die Finanzierung“. Das Sicherungsniveau fiel von 53,3 Prozent im Jahr 2003 auf heute 48,1 Prozent und sinkt bis Ende der 2030er-Jahre auf 46 Prozent. Ohne die geplante Haltelinie ginge es noch weiter nach unten. „Ein weiteres Absinken würde die Lebensstandardsicherung vieler Menschen ernsthaft gefährden“, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IMK. Sie betonen: „Auch die jüngeren Generationen wären vom sinkenden Rentenniveau betroffen, da sie im Rentenalter auch immer weniger Leistungen aus dem Rentensystem erhalten würden.“

Ein sinkendes Rentenniveau erhöht außerdem „die Armutsrisiken im Alter und verlagert das Finanzierungsproblem in andere staatliche Sicherungssysteme, da die Zahl der Grundsicherungsempfänger steigt“. Das gilt besonders für Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien.

Da für die Rente das Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenbeziehenden entscheidend ist, sieht das IMK den wichtigsten Ansatzpunkt für langfristige Stabilität in der Beschäftigungspolitik. Und andersherum: „Ein stabiles und verlässliches Rentensystem sendet zugleich das wichtige Signal für die Menschen, dass sich Arbeit lohnt.“

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