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Ältere Beschäftigte: Mit 65 ist noch lange nicht Schluss

Ausgabe 15/2014

Die Zahl der erwerbstätigen Rentner steigt mit zweistelligen Zuwachsraten. Neben dem Geld spielen auch andere Motive eine Rolle.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Beschäftigungsquote der 65-Jährigen und Älteren nahezu verdoppelt, wie eine Analyse des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen zeigt. So hatten 2011 etwa 763.000 Über-64-Jährige einen Job – 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein Drittel von ihnen bestreitet den Lebensunterhalt vorwiegend mit der Erwerbstätigkeit, für die anderen ist ihre Rente die Haupteinnahmequelle.

Die Zahlen ergeben sich aus dem Mikrozensus, einer groß angelegten Haushaltsbefragung, die IAQ-Forscherin Jutta Schmitz ausgewertet hat. In ihrer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie hat sie die Gruppe derer untersucht, die jenseits der Regelaltersgrenze von 65 Jahren noch erwerbstätig sind, immerhin 4,5 Prozent der Älteren. Diese Erwerbstätigen im Rentenalter sind überdurchschnittlich oft selbstständig und arbeiten überwiegend in Teilzeit. Gut 80 Prozent von ihnen sind im Dienstleistungsbereich tätig. Auch sind die meisten gut qualifiziert. So ist der Anteil der Promovierten mit fast 5 Prozent beinahe viermal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Allerdings haben auch 15 Prozent der älteren Erwerbstätigen gar keine Ausbildung. Die Pole des Ausbildungsniveaus sind also deutlich ausgeprägter als bei den Erwerbstätigen unter 65 Jahren, so Schmitz.

Die Wissenschaftlerin folgert aus ihren Beobachtungen, dass die Motive, auch im Rentenalter weiterzuarbeiten, durchaus unterschiedlich sind. Aktuell seien für einen Teil vor allem der sinnstiftende Aspekt der Arbeit und die Einbindung in soziale Netzwerke ausschlaggebend. Eine andere Gruppe stehe dazu aber in starkem Kontrast: Sie sei gezwungen, im Alter zu arbeiten. Dieses Phänomen müsse „auch als unzureichende Leistungsfähigkeit der Alterssicherung bewertet werden“, so Schmitz.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine andere, ebenfalls von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Analyse:* Die Sozialwissenschaftler Heribert Engstler und Laura Romeu Gordo vom Deutschen Zentrum für Altersfragen haben dafür Daten des Deutschen Alterssurveys ausgewertet. Dabei werden Ältere alle drei bis sechs Jahre erneut befragt, unter anderem zu ihrer Erwerbstätigkeit. Auch diese Untersuchung bestätigt den Trend: Immer mehr Bezieher einer Altersrente oder Pension sind trotz Ruhestand erwerbstätig, allerdings nur selten in Vollzeit.

Die Motivation sei aber nicht in erster Linie materieller Natur, so die Wissenschaftler. Über zwei Drittel der Befragten gaben „Spaß an der Arbeit“ als Grund für ihre fortgesetzte Erwerbstätigkeit an. Etwas mehr als die Hälfte nennt als Motiv sowohl den „Wunsch nach einer Aufgabe“ als auch den „Kontakt zu Menschen“. Bei etwa 40 Prozent der berufstätigen Rentner spielen auch „finanzielle Gründe“ eine Rolle. Es gebe also „keine monokausale Erklärung für das Weiterarbeiten im Ruhestand“, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle

Jutta Schmitz: Erwerbstätigkeit trotz Rente? und Heribert Engstler, Laura Romeu Gordo: Arbeiten im Ruhestand, in: Ernst Kistler, Falko Trischler (Hrsg.): Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in der Alterssicherung, Edition der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2014

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