Ältere Arbeitslose: Mehr Unterstützung nötig
Angesichts des demografischen Wandels sollte die Förderung älterer Arbeitsloser eigentlich an Bedeutung gewinnen. In der Praxis ist davon jedoch nichts zu spüren.
In den vergangenen Jahren sind ältere Arbeitslose stärker in den Fokus der Arbeitsförderung gerückt – zuletzt mit der Bürgergeldreform. Zum einen wurde die Zwangsverrentung ausgesetzt, also die Pflicht zur vorzeitigen Inanspruchnahme von Rentenleistungen. Zum anderen entfiel die Sonderregelung, dass Ältere statistisch nicht als arbeitslos gelten, wenn sie innerhalb von zwölf Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen. Beides sollte älteren Arbeitslosen den Zugang zu Fördermaßnahmen und damit die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erleichtern. In der Praxis zeigt sich jedoch: Ältere erhalten nach wie vor zu wenig Unterstützung. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Altersübergangsreport des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.
Die Forschenden machen ihren Befund unter anderem an der sogenannten Aktivierungsquote fest. Sie gibt den Anteil an Leistungsberechtigten an, die durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gefördert werden, und ist ein Indikator dafür, wie intensiv Jobcenter Arbeitsuchende bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt unterstützen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum von 2014 bis 2024 hinweg blieb die Aktivierungsquote älterer Arbeitsloser deutlich hinter der von jüngeren Personen zurück. Arbeitslose im Alter zwischen 55 und 59 Jahren wurden nur etwa halb so häufig gefördert wie Arbeitslose zwischen 15 und 54 Jahren, Arbeitslose ab 60 Jahren noch weniger.
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Die geringere Förderintensität ist nach Analyse der Forschenden bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar. Die Agenturen und Jobcenter haben beschränkte Förderkapazitäten und müssen priorisieren. Arbeitgeber könnten zurückhaltend sein, wenn sie damit rechnen müssen, neu eingestellte Mitarbeiter wieder rasch zu verlieren. Zudem dürften sich auch einige Betroffene selbst eher in Richtung Ruhestand orientieren.
Allerdings war die Aktivierungsquote älterer Arbeitsloser nicht nur im Vergleich zu Jüngeren schwach, sondern sie ist seit 2020 auch zurückgegangen. Bei den 55- bis 59-Jährigen lag das an einer geringeren Förderung bei nahezu unveränderten Arbeitslosenzahlen. Bei den 60-Jährigen und Älteren wurde der Anstieg der Arbeitslosenzahlen, insbesondere ab 2023, nicht durch eine Ausweitung der Förderung ausgeglichen. Dieser Trend kann mit der generellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zusammenhängen, aber auch dadurch bedingt sein, dass die Angebote nicht ausreichend auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Arbeitsloser zugeschnitten sind.
„Vor dem Hintergrund aktueller politischer Diskussionen, die wieder einen stärkeren Fokus auf unmittelbare Erwerbsintegration und den Vermittlungsvorrang gegenüber Qualifizierung vorsehen, besteht die Gefahr, dass die spezifischen Bedürfnisse älterer Arbeitsloser unzureichend adressiert werden“, heißt es in der Analyse. Angesichts des demografischen Wandels und der großen Bedeutung der geburtenstarken Jahrgänge im Erwerbsleben sei die Ausweitung wirksamer Qualifizierungsmaßnahmen für Ältere dringend erforderlich.
Susanne Drescher, Martin Brussig: Ältere Arbeitslose im Fokus der aktiven Arbeitsförderung? Neue Entwicklungen für Ältere in der Arbeitsmarktpolitik, Altersübergangs-Report 2/2026, Juni 2026