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Gleichstellung: Frauen in Deutschland: Riesenfortschritte und hohe Hürden auf dem Lebensweg

Ausgabe 05/2006

In Klasse 1 bis 13 hängen Mädchen die Jungen ab. Doch es muss noch einiges geschehen, bis sich die enormen Fortschritte bei der schulischen Bildung in gleichem Maße bei den Berufschancen und der sozialen Absicherung von Frauen niederschlagen. Job, Kinder, Rente - der neue WSI-FrauenDatenReport zeigt, wo Frauen (und Männer) stehen.

Egal ob Mädchen oder Junge - eines ist auch heute noch fast sicher: Die zentrale Bezugsperson für Kinder ist Mutti. Sich in den ersten Jahren um den Nachwuchs zu kümmern, das übernehmen in Deutschland ganz überwiegend die Frauen, auch wenn die Väter zuletzt bei der Erziehungszeit etwas aufgeholt haben. Neu ist: Auch Mütter mit kleinen Kindern wollen mehrheitlich schnell in den Beruf zurück. Doch während in den skandinavischen Ländern etwa die Hälfte der Kinder unter drei Jahren einen Platz in einer Betreuungseinrichtung hat, ist es in Deutschland nur jedes zehnte, in den West-Ländern sogar weniger als sechs Prozent.

Die schlechte Vereinbarkeit von Kindererziehung und Beruf ist die zweite Hürde, die Frauen auf ihrem Weg durch das Berufsleben hemmt. Sie ist neben der Situation am Arbeitsmarkt ein wesentlicher Grund für die im europäischen Vergleich mittelmäßige Frauenerwerbstätigkeitsquote von knapp 60 Prozent. Und sie trägt dazu bei, dass sich die Schere bei den durchschnittlichen Arbeitszeiten von Frauen und Männern in den vergangenen 15 Jahren noch einmal geöffnet hat: Wenn Frauen eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, dann taten sie das insbesondere in den vergangenen Jahren oft in Teilzeit. Nachteil dabei: Karriere machen sie so eher selten. Sind sie einmal arbeitslos, haben sie schlechtere Chancen, wieder eine Stelle zu bekommen. Und die Rentenansprüche bleiben niedriger als bei den männlichen Kollegen.
 
An die erste wichtige Schwelle auf dem Karriere-Pfad stoßen junge Frauen aber schon viel früher - direkt nach der Schule, die sie meist deutlich erfolgreicher abschließen als junge Männer: Nach wie vor fällt die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf oder eine Studienrichtung stark geschlechtsspezifisch aus. Frauen konzentrieren sich auf Ausbildungen in Dienstleistungs- und Sozialberufen. An der Hochschule wählen sie häufig sprach- und kulturwissenschaftliche Fächer. Damit steuern sie Tätigkeiten an, die in unserer Gesellschaft niedriger bewertet und bezahlt werden als etwa technische Berufe, in denen Männer stark vertreten sind. Wissenschaftler haben Anhaltspunkte dafür, dass Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer dieses Verhalten nach wie vor unterstützen, indem sie Fähigkeiten von Kindern geschlechtsspezifisch wahrnehmen. Auch die Beratung der Arbeitsagenturen bewegt sich oft noch in eher traditionellen Bahnen.

Zu diesen biografischen Bremsfaktoren kommt noch ein dritter: offene Diskriminierung, etwa bei der Bezahlung.  Insgesamt liegt das durchschnittliche Einkommen von Frauen mit Vollzeittätigkeit um 23 Prozent niedriger als das von Männern. Die Analyse des WSI zeigt: In Westdeutschland lässt sich ein knappes Drittel dieser Differenz nicht durch strukturelle Unterschiede erklären, im Osten sind es immerhin noch 24 Prozent.   

  • Frauen im Alter: Fast ein Drittel weniger Rente
    Frauen bekommen im Schnitt deutlich weniger Ruhegeld im Alter. Grafik herunterladen
  • Teilzeit ist weiblich
    Die Arbeitszeiten von Frauen und Männern haben sich auseinander entwickelt. Grafik herunterladen
  • Frauen bei Schulbildung vorn
    Frauen haben eine bessere Bildungsentwicklung verzeichnet als Männer. Grafik herunterladen
  • Schere weit geöffnet
    in Deutschland ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern groß - einige europäische Länder haben einen geringeren Abstand. Grafik herunterladen
  • Deutsche Mütter im Mittelfeld
    Die Erwerbsbeteiligung von Vätern ist europaweit ähnlich hoch - die der Mütter unterscheidet sich deutlich. Grafik herunterladen
  • Mutter kümmert sich
    16 Prozent der Alleinerziehenden sind Männer. Grafik herunterladen
  • Schwerer in neuen Job
    Frauen finden weniger rasch eine Stelle als Männer, nachdem sie arbeitslos geworden sind. Grafik herunterladen
  • Typisch Frau
    Junge Frauen neigen stark dazu, traditionell weibliche Berufe zu erlernen. Grafik herunterladen
  • Technik ist Sache der Männer
    Frauen studieren selten mit dem Ziel, technische Berufe zu erreichen. Grafik herunterladen
  • Irinnen öfter Boss
    Ein Überblick über den Frauenanteil im europäischen Management. Grafik herunterladen

WSI-FrauenDatenReport 2005.

mehr Infos zum WSI-FrauenDatenReport 2005

Kluge Frauen, erfolgreiche Männer, Beitrag in: Böckler Impuls 20/2005.

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