Böckler Impuls Ausgabe 09/2017

Atypische Beschäftigung

Neuer Höchststand

Teilzeit und Leiharbeit breiten sich weiter aus, die Zahl der Minijobs sinkt. Die regionalen Unterschiede sind enorm.

Neuer Höchststand

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Der Anteil der Teilzeitstellen, Leiharbeit und Minijobs an der Gesamtbeschäftigung ist 2016 erneut ein wenig gestiegen und befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren. Das zeigen die aktualisierten Zahlen der WSI-Datenbank „Atypische Beschäftigung“. Unterm Strich lag die Quote 2016 bei rund 39,6 Prozent, 2015 waren es 39,3 Prozent.

„Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat 2016 weiter zugenommen“, erklärt WSI-Forscher Toralf Pusch. Seinen Berechnungen zufolge arbeiteten 2016 etwa 23 Prozent aller abhängig Beschäftigten in sozialversicherungspflichtiger Teilzeit und 2,6 Prozent als Leiharbeiter. 14,1 Prozent waren geringfügig beschäftigt. Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb sei um 46.000 auf 5,14 Millionen gesunken.
Am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung in den westdeutschen Flächenländern. Schleswig-Holstein hat mit 43,3 Prozent den höchsten Anteil. In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen liegt die Quote sogar bei mehr als 50 Prozent. Ganz vorn liegen Delmenhorst mit 55,9 Prozent sowie die Kreise Kusel und Plön mit 51,6 und 50,9 Prozent.

Die Auswertung beruht auf Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA). Dass der Anteil der atypischen Jobs höher ausfällt als die vom Statistischen Bundesamt berichtete Quote, liege vor allem an den unterschiedlichen Definitionen von Teilzeitbeschäftigung, erklärt Pusch. Die BA spricht von Teilzeit, wenn die regelmäßige Wochenarbeitszeit eines Arbeitnehmers kürzer
ist als die einer vergleichbaren Vollzeitkraft. Beim Statistischen Bundesamt muss die wöchentliche Arbeitszeit dagegen weniger als 21 Stunden betragen. Außerdem berücksichtigt die BA Schüler, Studierende und Rentner. Nur Beamte und Selbstständige sind hier nicht erfasst.

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