Böckler Impuls Ausgabe 12/2013

Verteilung

Vermögensgefälle größer als bei Nachbarn

Im europäischen Vergleich sind Vermögen in Deutschland besonders ungleich verteilt. Auf die Dauer sorgt eine hohe Konzentration der Vermögen dafür, dass sich auch die Einkommensungleichheit weiter verfestigt.

Seit kurzem liegen auf europäischer Ebene erstmals detaillierte, vergleichbare Informationen zur Vermögenssituation privater Haushalte vor. Die deutschen Daten hat die Bundesbank erhoben – und wertet sie nun sukzessive aus. Im Durchschnitt gilt: Netto – also abzüglich der Schulden – besaßen deutsche Privathaushalte Ende 2010 ein Vermögen von 195.200 Euro. Der Median – der Wert, der die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt – liegt allerdings deutlich niedriger: bei 51.400 Euro.

„Im internationalen Vergleich erscheinen beide Werte eher als niedrig“, kommentiert die Bundesbank ihre Rechenergebnisse. So weist beispielsweise der Euroraum ohne Deutschland ein Median-Nettovermögen von 140.200 Euro aus. Der Mittelwert beträgt 245.400 Euro. Die insgesamt niedrigeren deutschen Werte könnten nach Einschätzung der Zentralbanker mit niedrigeren Erbschaften aufgrund der langen Nachwirkungen des verlorenen Krieges und dem geringen Kapitalaufbau in Ostdeutschland vor der deutschen Einheit zusammenhängen.

Die reichsten zehn Prozent besitzen weitaus mehr als in den Nachbarländern. „Die große Differenz zwischen Mittelwert und Median und die Tatsache, dass 73 Prozent der Haushalte ein unterdurchschnittliches Vermögen haben, deuten auf eine ausgeprägte Vermögensungleichheit hin“, so die Bundesbank. Hierzulande gehören den reichsten zehn Prozent der Haushalte 59,2 Prozent des Nettovermögens. Im Euroraum ohne Deutschland sind es 46,5 Prozent. Einen engen Zusammenhang macht die Bundesbank zwischen Immobilienbesitz und Vermögen aus. Zwar lässt sich aus den Daten nicht ablesen, ob vermögende Haushalte Immobilien kaufen – oder, umgekehrt, der Kauf von Immobilien die Haushalte vermögend macht. Doch hat das Gros der Mieter ein geringeres Einkommen als die Eigentümer – und damit weniger Möglichkeiten, Finanzvermögen aufzubauen.

Höheres Einkommen, größeres Vermögen – und umgekehrt. „Die Beziehung zwischen aktuellem Einkommen und Vermögen ist im Durchschnitt erwartungsgemäß positiv“, fasst die Bundesbank zusammen. So besitzen die Haushalte im untersten Fünftel der Bruttoeinkommensverteilung ein mittleres Nettovermögen von 42.100 Euro, die einkommensreichsten zehn Prozent der Haushalte hingegen 692.400 Euro. Immerhin: Die Verschuldungssituation der Haushalte gebe aktuell „keinen Anlass zur Besorgnis“. Anders als in einer Reihe anderer Länder sei Überschuldung in Deutschland „kein verbreitetes Phänomen“.

Mit der Frage nach den Ursachen und Konsequenzen der Ungleichheit ökonomischer Ressourcen in Deutschland, hat sich auch Kai Daniel Schmid beschäftigt. Der Wissenschaftler hat zusammen mit seinen Kollegen den IMK Verteilungsmonitor entwickelt.* Dazu haben sie Daten des Sozio-oekonomischen Panels ausgewertet. Damit lassen sich auch Aussagen über die Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung treffen. „Generell scheint die hohe Vermögenskonzentration die Einkommensungleichheit zu verfestigen“, so Schmid. Und: Je höher das Vermögen eines Haushalts im Jahr 2002 war, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es fünf Jahre später immer noch relativ hoch ist.

Auch das IMK macht einen positiven Zusammenhang zwischen höheren Markteinkommen und dem Nettovermögen eines Haushalts aus. Dabei funktioniert das Zusammenspiel in beide Richtungen: Zum einen führt ein höheres Einkommen zu mehr Vermögen, denn Haushalte, die mehr verdienen, sparen einen größeren Anteil ihrer Einkünfte. Zum anderen bedeutet ein höheres Vermögen eben auch höhere Kapitaleinkünfte – und damit insgesamt mehr Einkommen.

„Zudem zeigt sich, dass vermögende Haushalte Kapitalrenditen oberhalb des Durchschnitts erzielen“, so Schmid. „Die sehr hohe Konzentration von sowohl Vermögen als auch Kapitaleinkommen begünstigt daher tendenziell eine weitere Verfestigung der Einkommensungleichheit, insbesondere im oberen Bereich der Einkommensverteilung.“

 

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Quellen

Deutsche Bundesbank: Monatsbericht Juni 2013 (pdf).

Kai Daniel Schmid u.a.: IMK Verteilungsmonitor, Einkommensverteilung in Deutschland 1991-2010, Mai 2013.

Martin Adler, Kai Daniel Schmid: Wealth Concentration and Market Income Inequality in Germany, im Erscheinen. 


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