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Drei Kollegen stehen in einem Büro zusammen im Raum. Pressemitteilungen

Neue Studie des WSI: Ein Drittel der Erwerbstätigen mit Vorgaben für weniger Homeoffice konfrontiert – Folgen für Job-Zufriedenheit und Belastung

23.03.2026

Mehr Präsenzarbeit im Betrieb und weniger Homeoffice – diese Vorgabe haben 34 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland, die auch mobil arbeiten, in den letzten Jahren von ihren Arbeitgebern bekommen. Wenn Beschäftigte im Zuge einer solchen „Return-to-Office“-Initiative (RTO) verstärkt zurück in den Betrieb beordert werden, ist im Durchschnitt die Job-Zufriedenheit geringer, während Belastungsgefühle höher sind im Vergleich zu Personen, die in Betrieben arbeiten ohne eine RTO-Initiative. Die Zufriedenheit mit solchen Initiativen ist insbesondere bei Personen, die zu Hause auch die Kinderbetreuung übernehmen, also überwiegend Müttern, gering. Zugleich sehen Beschäftigte mit Leitungsfunktion mehr Präsenz im Büro positiver als Beschäftigte ohne Führungsaufgaben. Das zeigt eine neue Studie von Dr. Yvonne Lott und Dr. Eileen Peters vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer aktuellen Befragung.

Lediglich rund die Hälfte der befragten Erwerbstätigen mit einer RTO-Initiative im Betrieb hat nach eigenen Angaben von Vorgesetzten oder dem Arbeitgeber eine offizielle Begründung dafür bekommen. Mit Begründung ist die Zufriedenheit mit der Initiative unter den Beschäftigten größer als ohne. Insgesamt vermuten gut 60 Prozent der Befragten, dass es bei der Einschränkung des Homeoffice vor allem um stärkere Kontrolle und mangelndes Vertrauen seitens des Arbeitgebers geht. Die Autorinnen ziehen auch eine Verbindung zwischen den Befunden und aktuellen politischen Forderungen nach Deregulierung des Arbeitszeitgesetzes und Reduzierung von Teilzeitarbeit: Wenn auf unterschiedlichen Ebenen die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben erschwert werde, könnte das am Ende zu weniger statt zu mehr Arbeitsvolumen führen, warnen die Forscherinnen. Denn damit würden „nicht nur Gesundheitsrisiken verschärft, sondern zusätzliche Barrieren für die Erwerbsbeteiligung von Frauen geschaffen“, so Lott und Peters.

Die Auswertung basiert auf der WSI-Erwerbspersonenbefragung, bei der Personen im erwerbsfähigen Alter seit April 2020 regelmäßig zu ihrer Arbeits- und Lebenssituation befragt werden. Für das Thema „Return to Office“ haben die Forscherinnen Daten der jüngsten Erhebungswelle von November und Dezember 2025 ausgewertet und dabei nur diejenigen berücksichtigt, deren Hauptjob wenigstens teilweise für das Homeoffice geeignet ist. Insgesamt waren dies rund 2600 Personen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich das Homeoffice von einer Ausnahme zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt entwickelt. Während vor 2020 weniger als ein Fünftel der Beschäftigten teilweise im Homeoffice arbeitete, liegt der Anteil seit Mitte 2022 stabil bei rund einem Drittel. In den meisten Fällen handelt es sich um Arrangements, bei denen tageweise zwischen Betrieb und Zuhause gewechselt wird. Ausschließliche Heimarbeit ist die Ausnahme.

Viele Erwerbstätige haben laut den Forscherinnen ihren Alltag darauf ausgerichtet, zumindest an einigen Tagen pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Allein weil das Pendeln zur Arbeitsstelle an diesen Tagen entfällt, könnten zahlreiche Beschäftigte Beruf und Privatleben besser vereinbaren, manche haben einen Job bei einem weiter entfernt liegenden Arbeitgeber übernommen. Allerdings bleibe der Zugang zum Homeoffice stark von der ausgeübten Tätigkeit abhängig, sodass nicht alle Beschäftigten gleichermaßen von dieser Entwicklung profitieren.

In letzter Zeit haben „Return-to-Office“-Initiativen für Schlagzeilen gesorgt: Arbeitgeber rufen ihre Beschäftigten verstärkt ins Büro zurück oder schränken die Möglichkeiten für Homeoffice ein. Dieser Trend ist nicht nur im Ausland, etwa in den USA, zu beobachten, sondern auch in Deutschland. Bekannte Beispiele dafür sind Volkswagen, SAP oder zuletzt das Werbeunternehmen STRÖER.

Im Schnitt wollen die Arbeitgeber drei Tage Präsenz im Betrieb

Die Studie zeigt, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Laut Lott und Peters geben mehr als ein Drittel der befragten Beschäftigten, die auch mobil arbeiten, an, dass in ihrem Betrieb eine verstärkte Rückkehr aus dem Homeoffice angeordnet wurde. Bei 21 Prozent ist es dazu in den zwölf Monaten vor der Befragung gekommen, bei weiteren 13 Prozent schon vorher. Im Durchschnitt wollen die Arbeitgeber eine Präsenz von drei Arbeitstagen pro Woche im Betrieb.

Rund 29 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit einer RTO-Initiative sind der direkten Vorgabe gefolgt. Weitere rund 50 Prozent hatten ihre Präsenz bereits vor der formellen Anweisung wieder erhöht. Hingegen sind 21 Prozent der Aufforderung nicht nachgekommen. Von diesen Personen sagen 82 Prozent, dass für ihre Tätigkeit keine verstärkte Anwesenheit erforderlich sei. 64 Prozent lehnen es grundsätzlich ab, häufiger im Betrieb zu arbeiten. Knapp 39 Prozent verweisen auf bestehende schriftliche Homeoffice-Vereinbarungen. Für rund ein Drittel ist eine stärkere Präsenz vor Ort aus praktischen Gründen, etwa aufgrund von Betreuungsverpflichtungen, nicht möglich.

Besserer kollegialer Austausch und Teamarbeit als häufigste Begründung von Arbeitgeberseite

Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihre Vorgesetzten oder Arbeitgeber die Anweisung, ins Büro zurückzukehren, begründet hätten. Von den Beschäftigten, die von ihrem Arbeitgeber eine Begründung erhalten haben, sagen gut 86 Prozent, dass die Rückkehr ins Büro laut Vorgesetzen bzw. Arbeitgeber den kollegialen Austausch fördern soll. Rund 76 Prozent der Beschäftigten geben an, dass die Erleichterung der Teamarbeit als Grund genannt wurde. Eine Verbesserung der Produktivität oder der Arbeitsergebnisse wird von knapp der Hälfte als Begründung des Arbeitgebers genannt, die Vereinfachung von Arbeitsabläufen sowie die bessere Auslastung von Büro- oder Betriebsstätten von jeweils etwas mehr als einem Drittel.

Die Beschäftigten selbst vermuten auch andere Gründe hinter den offiziellen Erklärungen: Knapp 62 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass es dem Arbeitgeber vor allem um stärkere Kontrolle geht. 55 Prozent vermuten, dass die Vorgesetzten der Belegschaft nicht vertrauen. Seltener werden der Unmut von Kolleg*innen, die erleichterte Mitarbeiter*innenführung oder betriebliche Umstrukturierungen beziehungsweise Stellenabbau als Gründe angenommen. Die Annahme fehlenden Vertrauens ist besonders ausgeprägt bei Beschäftigten, denen überhaupt keine Begründung genannt wurde. In dieser Gruppe vermuten vier von fünf Erwerbstätigen ein Kontrollinteresse des Arbeitgebers als Hauptgrund. 

Höchste Unzufriedenheit bei Müttern – Beschäftigte ohne Leitungsfunktion fühlen sich deutlich stärker belastet

Die Anweisung, ins Büro zurückzukehren, ist insgesamt nicht besonders populär: Auf einer Skala von 0 („ganz und gar nicht zufrieden“) bis 10 („voll und ganz zufrieden“) bewerten die Beschäftigten die Rückholinitiativen mit durchschnittlich gut 4 Punkten. Wurde ein Grund genannt, liegt die Zufriedenheit mit 4,6 Punkten höher als ohne Begründung mit 3,7 Punkten. Personen mit Leitungsfunktion bewerten die Maßnahmen mit 4,9 Punkten insgesamt positiver als Beschäftigte ohne Leitungsfunktion mit 3,9 Punkten. Sie geben aber auch häufiger an, dass ihnen ein Grund genannt wurde.

Auch zwischen Eltern und Kinderlosen bestehen erhebliche Unterschiede: So liegt die Zufriedenheit mit der Initiative bei Vätern bei 4,8 Punkten, während sie bei Müttern nur 3,6 Punkte beträgt. „Diese Unterschiede lassen sich vermutlich durch die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern erklären“, schreiben die Forscherinnen. Deutlich geringer sind die Unterschiede zwischen kinderlosen Frauen mit 4,1 Punkten und kinderlosen Männern mit 4,3 Punkten.

Auch die Job-Zufriedenheit ist geringer, wenn die verstärkte Rückkehr in den Betrieb angeordnet wurde bzw. die Beschäftigten aufgrund der Anweisung tatsächlich zurückkehrt sind. Ohne eine RTO-Initiative liegt die Job-Zufriedenheit im Durschnitt bei 6,9 Punkten, mit einer Initiative bei 6,5 Punkten.

Beschäftigte ohne Leitungsfunktion berichten im Fall einer RTO-Initiative von einer um zehn Prozentpunkte höheren beruflichen Belastung als Beschäftigte in Betrieben ohne Einschränkung von Homeoffice. Für Führungskräfte ergab sich hingegen kein bedeutsamer Unterschied im Belastungserleben. Das könnte daran liegen, dass Beschäftigte mit Leitungsfunktion eine verstärkte Präsenz im Betrieb besser kompensieren können, beispielsweise durch eine höhere Jobautonomie oder größere zeitliche Spielräume, so Lott und Peters. 

Verschärfend: Wenn Einschnitte beim Homeoffice und geplante Deregulierung des Arbeitszeitgesetzes zusammenkommen

Das Fazit der Forscherinnen: „Die Ergebnisse machen deutlich, dass für Beschäftigte mit Sorgeverantwortung, vor allem Mütter, eine verstärkte Präsenz im Büro mit erheblichen organisatorischen Hürden verbunden sein kann – gerade angesichts bestehender Lücken in der Betreuungsinfrastruktur. Eine mögliche Konsequenz ist, dass die Betroffenen ihre Erwerbsarbeitszeit reduzieren oder ihre Erwerbstätigkeit zeitweise ganz unterbrechen.“ Dies stehe im direkten Widerspruch zu den aktuellen politischen Bestrebungen der Bundesregierung, die Erwerbsarbeitszeit insgesamt zu erhöhen, insbesondere diejenige von Frauen.

Verschärft werde dieser Widerspruch dadurch, dass verstärkte RTO-Initiativen mit Forderungen nach einer Einschränkung des Rechts auf Teilzeit und der vor allem von der Union propagierten Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit im Arbeitszeitgesetz zusammentreffen. „Diese Pläne beziehungsweise Forderungen offenbaren eine besorgniserregende Ignoranz gegenüber den Lebensrealitäten vieler Beschäftigter in Teilen der Politik“, so Lott und Peters.

WSI-Direktorin Prof. Dr. Bettina Kohlrausch unterstreicht die Risiken einer oberflächlichen Arbeitszeitdebatte für Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt: „Einfach die Zügel anzuziehen, im Unternehmen wie auf politischer Ebene, könnte absolut kontraproduktiv wirken. Denn das erhöht die Hürden für Erwerbstätigkeit, insbesondere von Frauen“, sagt die Soziologin. „Damit würde genau die positive Entwicklung ausgebremst, die dazu geführt hat, dass das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen heutzutage deutlich höher ist als in früheren Jahrzehnten.“

Kontakt 

Dr. Yvonne Lott
WSI-Expertin für Arbeitszeit und Geschlechterforschung

Dr. Eileen Peters 
WSI-Expertin für Geschlechterungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt 
  
Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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