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Systemrelevant Podcast: Worin sehen Beschäftigte Ursachen für die Transformationskrise?

Woran scheitert die Transformation in Unternehmen? Anhand einer neuen Studie, die Beschäftigte in den Blick nimmt, beleuchten Christina Schildmann, Leiterin unserer Forschungsförderung, und Studienautor Thomas Lühr die Ursachen der Krise.

[02.02.2026]

Die Transformation in der deutschen Industrie stockt. Und: Allein im vergangenen Jahr 2025 sind rund 140.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Als Erklärung für die Krise werden oft drei Aspekte genannt: Der Standort der Unternehmen und damit verbundene Kosten (etwa hohe Energiepreise), bürokratische Hemmnisse sowie der technologische Rückstand der deutschen Wirtschaft, sprich Innovationsstau. 

Im Podcast nehmen Christina Schildmann, Leiterin unserer Forschungsförderung, und Thomas Lühr anhand der neuen und von uns geförderten Studie „Widersprüche der Transformation aus der Perspektive der Beschäftigten” von Thomas Lühr, Andreas Boes und Tobias Kämpf die Gründe der Transformationskrise aus Sicht der Beschäftigten in den Fokus.

„Die Potenziale in den Transformationsanforderungen werden nicht realisiert“

Christina Schildmann spricht von einer Erneuerungskrise – ein von Enzo Weber (er leitet den Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen” am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) geprägter Begriff, der unter anderem beschreibt, dass in der deutschen Industrie kaum neue Jobs geschaffen werden, es zudem kaum Neugründungen gibt – und etablierte Bereiche wie etwa die Automobilindustrie unter massivem Druck stehen. „Die Potenziale in den Transformationsanforderungen werden nicht realisiert“, sagt Christina Schildmann.

In Anbetracht der öffentlichen Debatten um Gründe für die schwächelnde deutsche Wirtschaft betont sie: „Diese Erneuerungskrise hat überhaupt nichts zu tun mit Arbeitszeiten, Krankschreibungen etc. – und auch nicht damit, dass das Bürgergeld [angeblich] so attraktiv ist.“

Rund die Hälfte der Beschäftigten erlebt starke Veränderungsdynamik

Zentrale Fragen in der Studie von Lühr et al. waren: Wie verbreitet ist die Transformation in der deutschen Wirtschaft? Wie gestaltet sich die Transformation in der Praxis – und wie erleben die Beschäftigten diese Veränderung?

Dabei wurden vier Dimensionen untersucht:

  • In welchem Ausmaß fühlen sich Beschäftigte mit sehr starken Veränderungen in der Arbeitswelt konfrontiert? (Veränderungsdynamik)
  • Inwieweit haben Beschäftigte das Gefühl, dass in ihren Unternehmen mit Hochdruck an neuen (digitalen) Geschäftsmodellen gearbeitet wird?
  • Haben Beschäftigte den Eindruck, dass sich im Rahmen von Veränderungsprozessen auch ihre Tätigkeit ändert? Haben sie das Gefühl, dass sie, ausgehend von ihrer aktuellen Tätigkeit, künftig mit ganz neuen Aufgaben konfrontiert sein werden?
  • Erleben Beschäftigte in ihren Unternehmen einen Kulturwandel? Inwieweit werden bestehende Strukturen aufgebrochen und neue Arbeitsformen eingeführt?

Insgesamt kamen die Wissenschaftler zum Ergebnis, dass rund die Hälfte der befragten Beschäftigten (48 Prozent) eine starke Veränderungsdynamik erlebt. 53 Prozent haben das Gefühl, dass mit Hochdruck an neuen Geschäftsmodellen gearbeitet wird. 51 Prozent der Beschäftigten erwarten einen grundlegenden Tätigkeitswandel – und immerhin 48 Prozent nehmen in hohem oder sehr hohem Maß einen Kulturwandel in ihren Unternehmen wahr. 

Was aus Sicht der Beschäftigten die Transformation in Unternehmen hemmt und welche Maßnahmen die Wissenschaftler empfehlen, darum geht es im weiteren Verlauf der Podcast-Folge.

Alle Informationen zum Podcast

In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.

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