Systemrelevant Podcast: Ungleichheit in Deutschland auf dem Höchststand
WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch und WSI-Wissenschaftlerin Dorothee Spannagel analysieren anhand des neusten Verteilungsberichts (2025) unseres WSI die Einkommensverteilung in Deutschland und deren gesellschaftlichen Konsequenzen.
[15.01.2026]
Der Bundestag hat am 15. Januar 2026 in erster Lesung über die von der Bundesregierung geplante Grundsicherung für Bezieher*innen von Sozialleistungen debattiert. Mit der Reform des Bürgergelds sind härtere Regeln und Pflichten für Betroffene verbunden, etwa Kürzungen beim Wohngeld.
Gleichzeitig kursieren viele falsche Annahmen und Behauptungen über die soziale Realität von Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, sagt Bettina Kohlrausch. Der neueste Verteilungsbericht unseres Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) soll aufklären und Fakten liefern.
Denn: Die Ungleichheit in Deutschland hat einen traurigen Höchststand erreicht. Auch Armut nimmt zu. Der Anteil reicher Haushalte ist dagegen stabil. Konkret stieg der Anteil armer Menschen von 14,4 Prozent im Jahr 2010 auf 17,7 Prozent im Jahr 2022. Besonders stark breitete sich strenge Armut aus. Einen erheblichen Einfluss auf diese Entwicklung hatte, dass die ausgleichende Umverteilungswirkung durch Steuern und Sozialtransfers seit 2010 tendenziell abgenommen hat. WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch befürchtet als Effekt der geplanten Grundsicherung, dass sich die materielle Situation von Menschen, die sich ohnehin schon in Armutsverhältnissen befinden, weiter verschlechtern wird.
Die statistisch gemessene Einkommensungleichheit in Deutschland hat den höchsten Stand erreicht, seitdem das sozio-ökonomische Panel (SOEP) 1984 eingeführt wurde. Die Panelbefragung, auf dessen Daten sich unser Verteilungsbericht mitunter bezieht, wird jedes Jahr vom DIW Berlin in 22.000 deutschen Haushalten durchgeführt. Zudem stützt sich die Wissenschaftlerin Dorothee Spannagel auf Daten der Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung, für die seit 2020 regelmäßig 5.000 bis 7.500 Erwerbstätige und Arbeitsuchende befragt werden – zuletzt nach der Bundestagswahl im März 2025.
Arme Menschen gehen seltener zur Wahl
Damit liegen dem Verteilungsbericht auch aktuellere Daten zugrunde. Es konnte untersucht werden, wie sich Einkommensungleichheit auch in politischer Teilhabe widerspiegelt, was ein Schwerpunktthema des Berichts darstellt.
Ein Ergebnis des Verteilungsberichts: Eine schwierige finanzielle Situation geht oft einher mit Frust und Verunsicherung. Dies zeigt sich beim Vertrauen in staatliche und demokratische Institutionen sowie bei Wahlen. So sinkt die Wahlbeteiligung mit dem Einkommen.
Zum Abschluss des Podcasts werden die zukünftige Verteilungspolitik und die Herausforderungen für die Gesellschaft thematisiert.
Weitere Informationen
WSI-Verteilungsbericht 2025 („Mehr Ungleichheit – weniger politische Teilhabe” von Dorothee Spannagel)
Alle Informationen zum Podcast
In Systemrelevant analysieren führende Wissenschaftler:innen der Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit Moderator Marco Herack, was Politik und Wirtschaft bewegt: makroökonomische Zusammenhänge, ökologische und soziale Herausforderungen und die Bedingungen einer gerechten und mitbestimmten Arbeitswelt – klar verständlich und immer am Puls der politischen Debatten.
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