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Christina Schildmann ist die Direktorin der Forschungsförderung & Leitung Strategie „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung Service aktuell

LABOR.A 2026 Rückblick: Große Fragen und Tiefenbohrungen

Die LABOR.A verhandelte 2026 mit 140 Speaker*innen auf sieben parallelen Bühnen die großen Fragen der Gegenwart und Zukunft: Von Tech-Bros und KI über eine humane und wertschätzende Arbeitswelt bis zu tiefen Einblicken in einzelne Arbeitsrealitäten. Mehrere Konferenzen im Zeitraffer, beschreibt es Christina Schildmann.

[28.09.2026]

Meine diesjährige LABOR.A fühlte sich an wie mehrere Konferenzen im Zeitraffer: KI, Weltwirtschaft, Kolonialismus, Kunst, Erkenntnistheorie.

Diese inhaltliche Bandbreite ist inspirierend, aber auch: erschlagend. Während ich der Keynote der VdK-Präsidentin Verena Bentele lausche – sie spricht gerade mitreißend über eine Arbeitswelt, die für alle gedacht ist und für alle funktioniert – diskutieren zwei Teilnehmerinnen in der Stuhlreihe hinter mir über das Programm. „So viel. Und alles gleichzeitig!“, sagt die eine zur anderen. So ist es, und das hat System: 140 Speaker*innen auf sieben parallelen Bühnen, das ist, so nennt es die Programmleiterin Lisa Basten: geplante Überforderung.

Lassen sich die unterschiedlichen Stränge zusammenbinden oder zerfasert hier eine Debatte? Zum Glück gab es den Waffelstand, um solche Fragen zu erörtern. In der Schlange vor mir unterhalten sich zwei Gäste zu ihren unterschiedlichen Konferenzerfahrungen: „Wunderbar, auf der LABOR.A geht es inzwischen einfach um die richtig großen Fragen!" – „Im Gegenteil! Überall Tiefenbohrungen in echte Arbeitsrealitäten, die LABOR.A lebt von den geteilten Erfahrungen in Unternehmen!" Treffender hätte es niemand sagen können.

Denn es stimmt ja beides: Natürlich lebt die LABOR.A von den großen Fragen. HUMAN – das diesjährige Motto – ist eine politische Standortbestimmung: Gegen die autoritären und transhumanistischen Fantasien der Tech-Bros, die Menschen als Mängelwesen sehen und sie am liebsten komplett durch KI ersetzen würden. Gegen die Kettensägen- und Ertüchtigungsrhetorik von Milei bis Merz, die meinen, man müsste den Arbeitnehmer*innen jetzt mal so richtig Feuer unterm Hintern machen. Für eine Arbeitswelt, die „human by design“ ist, die wertschätzt und fördert, was nur Menschen können – und keine KI der Welt. In der Technologie eingesetzt wird, um Arbeit besser und erfüllender zu machen. In der die ökologische und digitale Transformation partnerschaftlich mit dem globalen Süden vorangetrieben wird.

Genauso lebt die LABOR.A von den Tiefenbohrungen. Wer von der großen Bühne in die Sessionräume wechselt, landet in einer anderen Umlaufbahn: betriebliche Hitzeschutzpläne, ein „Kochrezept" zum rechtssicheren Nachweis des Gender Pay Gap, die Rolle von Behindertenwerkstätten, Einblicke in maritime Wirtschaft. Hier liegt der Charme in der Präzision und Konkretion.

Große Fragen und Tiefenbohrungen, das ist für mich das LABOR.A-Rezept: Ohne die konkreten Fragen bleibt HUMAN ein hübsches Motto. Ohne den großen Bogen auf der großen Bühne bliebe die LABOR.A ein Fachgespräch unter Expert*innen.

Der größte Schatz der LABOR.A sind für mich aber die 70 Partnerorganisationen, die das Programm mitgestaltet haben. In Zeiten wie diesen kann man eines nicht genug haben: Bündnispartner*innen.


Christina Schildmann ist die Direktorin der Forschungsförderung & Leitung Strategie „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung.

Weitere Informationen

Alles zur LABOR.A 2026

Video: Eindrücke von der LABOR.A 2026

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