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Cover Dead Pioneers Magazin Mitbestimmung

Das politische Lied: Existieren als Protest

Ausgabe 05/2026

Dead Pioneers: „Bad Indian“ (2023) My cheekbones aren’t high enough My last name isn’t a sentence I don’t have enough bead-work or turquoise and I don’t speak good pidgin English Certainly not as good as Johnny Depp did in that movie that one time

„Wie lautet dein indianischer Name?“ „Gregg.“ Die Frau, die gefragt hat, ist ein bisschen enttäuscht. Müsste es nicht sowas sein wie Red Eagle oder Two Rivers? „Wie wäre es mit Grey Skull?“, schlägt Gregg vor. Das ist eine Figur aus den He-Man-Filmen, aber die Frau versteht den Witz nicht. Gregg nimmt einen zweiten Anlauf: „Wie wäre es mit Walking Eagle?“ Das gefällt ihr schon besser. Was Gregg verschweigt: „The only time an eagle walks is when it’s too full of shit to fly.“ „To be full of shit“, das bedeutet auch: den Leuten Unfug erzählen. Gregg Deal, Sänger und Texter der Punkband Dead Pioneers, ist einfach kein guter Indianer. Vielleicht sogar ein böser. Davon erzählt sein Song „Bad Indian“. Der Dialog daraus mit der unbedarften Frau hat laut Gregg tatsächlich stattgefunden.

Gregg Deal wächst in Utah auf, seine Mutter ist indianischer Abstammung. Sie wurde von Weißen adoptiert, über ihre leiblichen Eltern weiß sie nichts. Mit dreißig macht sich Gregg daran, ihrer Geschichte nachzugehen, und findet heraus, dass sie dem Stamm der Pyramid Lake Paiute angehört. Die Adoption? Sehr wahrscheinlich unter Druck entstanden, das kam damals oft vor. Der Staat förderte dies: Indigene Menschen sollten ihre eigene Kultur und Identität aufgeben und sich der weißen Gesellschaft anpassen.

Als Maler und Performance-Künstler stellt Deal seine Herkunft ins Zentrum seiner Arbeit. Den Ausdruck „Indian“ nutzt er oft. Kein guter Begriff, aber „Native American“ findet er nicht besser, weil er die vielen Stämme unter einem Etikett zusammenfasst.

Für seine Straßen-Performance-Reihe „The Last American Indian On Earth“ zieht er sich ein Kostüm an, wie es den Klischeevorstellungen von einem Indianer entspricht. Zudem schminkt er sich eine schwarze Hand ins Gesicht, die seinen Mund verdeckt. Einem Passantenpaar, das nach dem Grund fragt, erklärt er: „Niemand will den Indianer hören.“ Ein Beispiel? „Sobald man sagt, dass die Redskins den Namen ändern sollten, drehen alle durch.“

Deal ist schon Mitte vierzig, als er die Band Dead Pioneers gründet. Den Song „Bad Indian“ entwickelt er aus einer Performance mit dem schönen Namen „The Punk Pan-Indian Romantic Comedy“. Die Musik ist roh und minimalistisch. Ein Akkord reicht, alle Aufmerksamkeit gilt der Energie, der Wut, der musikalischen Entladung. Die erste Fassung, 2021 veröffentlicht, ist sechs Minuten lang. Zwei Jahre später nehmen sie den Song erneut auf, verdichtet auf die Hälfte.

„Die Dinge, die ich in dem Song erzähle, habe ich wirklich erlebt“, sagt Deal in einem Interview: die Gespräche mit Menschen, denen sein Name nicht indianisch genug ist, die sich der Spiritualität verbunden fühlen, die schon einmal unter Anleitung eines Weißen eine Schwitzmeditation gemacht haben. Und den Besuch eines Mannes in seinem Atelier, der ihm gutes Englisch attestiert, nur um ihn dann offen zu beleidigen.

Ein letztes Mal in dem Song türmt sich Deals Wut auf. Er hätte allen Grund, den Mann zu schlagen, ihn zu beschimpfen, einen Rassisten zu nennen. Das würde ihn natürlich zu einem bösen Indianer machen. Aber vielleicht ist das gar nicht so verkehrt. Er erinnert sich an einen Spruch: „You know the one: ‚Only a dead Indian is a good Indian.‘ But I'm a bad Indian. And I'm here.“

Von Martin Kaluza

Dead Pioneers: "Bad Indian" (2023)

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